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CONNEXI 2013-05 Nephrologie Dialyse Transplantation

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Retrospektive der DGfN 2013

Interview mit dem

Interview mit dem Kongresspräsidenten Prof. Dr. Helmut Geiger Conferences Los Angeles, USA, über seine Ergebnisse aus der Grundlagenforschung zu einer neuen Medikamentenklasse, den SGLT2-Inhibitoren, womit man die Glukoseausscheidung im Urin erhöhen kann. Das Medikament blockt die Rückresorption und es wird Glukose ausgeschieden. Damit kann man also über den Mechanismus an der Niere den Diabetes mellitus behandeln. Das Hypoglykämierisiko ist viel geringer als bei anderen Wirkstoffen und es gibt noch einen Nebeneffekt - man verliert bis zu 6 kg Gewicht, so dass diese Medikamente möglicherweise auch für andere Indikationen eingesetzt werden könnten. Einschränkend muss man sagen, diese Präparate sollte man momentan nicht unter einer GFR von unter 30 mm/min einsetzen, das heißt, die schwer Nierenkranken sind erst einmal außen vor. Aber der Mechanismus ist eben sehr interessant. Es werden Diabetiker mit einem Medikament behandelt, das an der Niere wirkt. Des Weiteren gibt es Fortschritte auf dem Gebiet der Immunsuppression nach Transplantation. Da gibt es neue diagnostische Methoden, neue Wirkstoff-Kombinationen und neue Erkenntnisse in Richtung Antikörpertherapie. Spannend sind die Entwicklungen bei den Zystennierenerkrankungen. Hier gibt es mittlerweile auch neue Therapieansätze, es wurden erste positive Ergebnisse großer Studien präsentiert und die Forschung geht weiter. Jetzt wird geplant, in Phase III-Studien zu gehen, um mehr Patienten einzuschließen und mit diesen neuen Medikamenten, den sog. Vaptanen, zu behandeln. Die wirken am Wasserkanal der Niere, beeinflussen also möglicherweise das Zystenwachstum. Aber es sind nicht nur die „großen Sprünge“ in der Forschung, die den Fortschritt ausmachen. Auch graduelle Entwicklungen, z. B. wenn eine Medikamentengruppe weiter entwickelt wird oder weniger Nebenwirkungen hat oder einfacher einzunehmen ist, können das Meilensteine sein, die die Qualität der Behandlung unserer Patienten verbessern. Das spiegeln vor allem die Mittags- Symposien wider, z. B. zum Thema sHPT - welche Rolle spielt Phosphat, welche Rolle spielen Kalzium und Parathormon, da tut sich sehr viel. So gibt es Medikamentengruppen, die sog. kalziumfreien Phosphatsenker, die die bisher überwiegend eingesetzten kalziumhaltigen Phosphatsenker immer mehr verdrängen. Eines der Themen in der von Ihnen ins Leben gerufenen und konzipierten „Pro & Contra“-Session war der therapierefraktäre Bluthochdruck. Wie stehen Sie zu dem neuartigen Katheter-gesteuerten Verfahren zur Behandlung der Hypertonie, der renalen Denervation? Die Hypertoniebehandlung ist neben der Nephrologie mein zweites Standbein und ich beschäftige mich seit Jahrzehnten mit der Sympathikus-Blockade. Erst vor kurzem haben wir ein großes Paper zur therapierefraktären Hypertonie im Journal of Hypertention publiziert. Wir haben die Sympathikus-Ablation in Frankfurt interdisziplinär etabliert und wir wenden das Verfahren bei Patienten aus unserer Hochdruckambulanz erfolgreich an. Sicher muss man die Methode etwas kritisch sehen. Gerade das ist das Anliegen dieses neuen Veranstaltungsformats. Nicht drei Referenten stellen „alles schön“ dar, sondern es ist Raum zur Diskussion für Pro und Contra und es ist auch Skepsis zugelassen. Die renale Denervation ist eine technische Methode, die ohne die Hürden einer Arzneimittelzulassung sehr schnell auf den Markt gekommen ist. Das Problem ist, dass jeder es sofort machen will, aber die Gefahr besteht, dass viele Patienten dieser Methode unterworfen werden, ohne dass sie die erforderlichen Kriterien erfüllen. D. h. da wird jemand zum therapierefraktären Hypertoniker deklariert, obwohl er es gar nicht ist. Eine von uns durchgeführte Untersuchung in Frankfurt zeigte 10

Interview mit dem Kongresspräsidenten Prof. Dr. Helmut Geiger z. B., dass mehr als 50 % aller Patienten, die als therapierefraktär eingestuft waren, nicht refraktär sind, sondern sie nehmen einfach ihre Tabletten nicht ein. Das ist lediglich ein Compliance-Problem. Außerdem wird zu selten überprüft, ob derjenige, der das Verfahren anwendet, die Methode wirklich gut beherrscht. Und vielleicht muss man sagen, dass die anfangs aufgekommene Euphorie etwas überschätzt wurde. In den ersten Studien wurden Praxisblutdruckmessungen ausgewertet, die sehr starke Blutdruckabfälle zeigten. Aber bei der ambulanten 24 h-Blutdruck-Messung war der Abfall der Werte deutlich geringer. Und es gibt viele Nonresponder. Ich schätze, die Rate derjenigen, die profitieren, ist max. 60 %. Ich finde die Methode vom Konzept her sehr interessant, aber sie sollte Hochdruck-Zentren vorbehalten sein, die entsprechende Diagnostik durchführen, um eine sekundäre Hypertonie auszuschließen und die Erfahrungen haben mit schwierigen Blutdruck-Einstellungen. Sie müssen sich an genaue Protokolle halten, die Patienten müssen sorgfältig ausgewählt werden. Wie gefällt Ihnen Berlin als Kongressort? Bisher war es ja so, dass der Kongressort immer identisch war mit dem Arbeitsort der Präsidenten. Beide Präsidenten kommen dieses Mal aus Frankfurt, d. h. hier ist der erste Kongress, der nicht an dem Ort stattfindet, wo die Präsidenten arbeiten. Natürlich möchte man als Präsident gern die eigene Stadt präsentieren, die Uni Frankfurt wäre durchaus vorzeigbar gewesen. Wenn ich hätte frei wählen können, hätte ich Frankfurt bevorzugt, aber ich kann mich auch hier dieser Lokalität gut anschließen. Und es gibt natürlich immer Diskussionen, ob es gut ist, einen Kongress fünf Jahre am selben Ort laufen zu lassen. Es gibt Mitglieder, die sagen, es Prof. Dr. med. Helmut Geiger h.geiger@em.uni-frankfurt.de war ganz nett jedes Jahr irgendwie eine andere Stadt zu bereisen, Göttingen, Tübingen, mal andere Orte kennen zu lernen, und es muss nicht immer alles in der Bundeshauptstadt sein. Andere sagen, es ist auch nicht schlecht, man kann gut planen, das ist ein Hotel, wo man kurze Wege hat, man kann mal aufs Zimmer gehen, dann wieder zur Veranstaltung. Und viele sagen, der Vorteil ist, wenn man hier schon einmal war, dann weiß man, wo alles stattfindet, wenn man irgendwo neu hinkommt, muss man sich wieder neu orientieren – also es hat alles Vor- und Nachteile. Nun wurde von der Mitgliederversammlung und vom Vorstand der Beschluss gefasst, bis 2016 hier in Berlin zu tagen und ich kann mich durchaus damit arrangieren. Herr Professor Geiger, vielen Dank für das Gespräch. Die Fragen stellte Elke Klug. Conferences 11

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