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CONNEXI 2013-05 Nephrologie Dialyse Transplantation

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Retrospektive der DGfN 2013

Interview mit Prof. Dr.

Interview mit Prof. Dr. Reinhard Brunkhorst Die Kürzung der Pauschale ist nicht stichhaltig begründbar Der Beschluss der KBV und des GKV-Spitzenverbandes zur Senkung der Dialysesachkostenpauschale im März dieses Jahres hat weitreichende Konsequenzen für die Nephrologen als „Unternehmer“ und deren Pflegepersonal. Aber es geht um viel mehr als Geld. Es geht um die Qualität der Versorgung von mehr als 80. 000 Patienten, und es geht um das Image einer ganzen Fachgruppe. Die DGfN versucht auf mehreren Ebenen, die Entwicklung hin zu immer mehr Sparzwang aufzuhalten. CONNEXI sprach darüber mit dem Präsidenten der DGfN Prof. Dr. Reinhard Brunkhorst. Das Thema Dialyse-Sachkostenpauschale ist seit dem KBV/GKV-Beschluss sehr emotional besetzt. Offenbar wurden in „Basta-Manier“ Entscheidungen getroffen, ohne die Folgen zu bedenken. Mit dem Beschluss befinden wir uns in einem Dilemma: Wir sind, trotz permanent steigender Kosten, weiterhin verpflichtet (und selbstverständlich gewillt), medizinische Qualität auf höchstem Niveau abzuliefern. Gleichzeitig wird unmotiviert Lasten der Qualität der Dialysebehandlung. All diese Dinge sind bislang über die Pauschale finanziert worden. Als besonders ärgerlich empfinde ich den im Vorfeld des Beschlusses lancierten und suggerierten Zusammenhang zwischen angeblichen „Spitzenhonoraren“ für Nephrologen und den daraus vermeintlich resultierenden Einsparpotenzialen. Hier wird, offenbar ohne Kenntnis der betriebswirtschaftlichen Zusammenhänge, Umsatz, Gewinn und realer Verdienst unzulässig vermischt. Conferences Prof. Dr. med. Reinhard Brunkhorst reinhard.brunkhorst@krh.eu das Geld gekürzt. Dass damit die so wichtige soziale Kompetenz und individueller Service der Dialysepraxen verloren geht, wird ignoriert. Die Leidtragenden sind die Patienten, denn der Wegfall bestimmter Angebote wie Nachtdialyse, die Einsparung von Pflegepersonal, der Wegfall von Beratungs- und Zusatzangeboten sowie die Verwendung „günstigerer“ Technik geht eindeutig zu Mit welcher Ratio wurde denn die Senkung der Sachkostenpauschale vom KBV-Vorsitzenden Dr. Köhler initiiert? Hierüber können wir nur Vermutungen anstellen. Es mag sein, dass man das Geld für andere Projekte benötigte. Wenn nicht mehr da ist, kann man durch solche Maßnahmen das Geld anders verteilen. Begründet wurde es aus unserer Sicht mit absolut unzutreffenden Zahlen, was Gewinne von nephrologischen Praxen betrifft. Besonders paradox ist in diesem Zusammenhang, dass die Sachkostenreduktion nach mehr als 10 Jahren Bestehen der Sachkostenpauschale kommt. So etwas jetzt aufzulegen, nachdem es in der Zwischenzeit mehrere Lohnerhöhungen (ebenfalls „Sachkosten“!) gegeben hat, also ein möglicher Überschuss immer kleiner geworden ist, zeigt, dass das Ganze nicht durchdacht ist. 12

Interview mit Prof. Dr. Reinhard Brunkhorst Wonach soll 2015 bewertet werden, ob die 2. Stufe der Kürzungen realisiert wird? Es gibt in der Dialyse QS-Parameter, die von den Nephrologen (im Übrigen auch ohne zusätzliches Entgelt) alle drei Monate erfasst werden. Anhand dieser Qualitätssicherungsparameter werden bestimmte Parameter an der Dialyse messbar, die einen gewissen Aussagewert über die technische Qualität der Dialyse haben. Aber das, was sich jetzt verschlechtert, werden wir anhand dieser Qualitätssicherungsparameter nicht messen können. Wir haben also keine greifbaren Parameter, an denen wir feststellen können, ob und wie sich die Qualität verschlechtert. Dazu kommt die viel zu kurze Zeitspanne, um das beurteilen zu können. Wir, die DGfN, werden natürlich versuchen, diese Zusammenhänge in der Öffentlichkeit bewusst zu machen. Aber das wird sehr schwer, denn natürlich will man „harte Endpunkte“ sehen, also Patienten müssten kränker sein als vorher oder sie kommen zu Schaden. Wir wollen natürlich auf gar keinen Fall, dass so etwas nachweisbar wird. Dafür werden wir kämpfen. Und wir müssen gegen die weiteren Kürzungsmaßnahmen überzeugende Argumente liefern, die den drohenden Qualitätsabfall belegen, wie z. B. •• Wegfall von Zusatzangeboten, die vielen Patienten die Berufstätigkeit ermöglicht •• Wegfall von verlängerten Dialysesitzungen, obwohl Studien belegen, dass Patienten davon profitieren •• Einsparungen beim Pflegepersonal: Insgesamt Stellenabbau, weniger geschultes Fachpflegepersonal, mehr Aushilfspersonal •• Kürzere Arzt-Patienten-Kontaktzeiten •• Wegfall von Beratungs- und Ergänzungsangeboten (Ernährungsberatung, Sozialarbeiter, Hausbesuche bei Heimdialyseverfahren) •• Verwendung möglichst „günstiger“ Dialysetechnik Mit dem Ziel, die Kosten „um jeden Preis“ zu senken, sind nephrologische Zentren also nun zum drastischen Sparen gezwungen. Welche Konsequenzen befürchten Sie und was will die DGfN dagegen tun? Spätestens mit der zweiten Stufe der Kürzungen Anfang 2015 wird sich die nephrologische Versorgungslandschaft dramatisch ändern. Es wird für die Dialysepraxen in der jetzigen Form existenzbedrohend. Zentren in gering besiedelten Gebieten werden schließen müssen, anderenorts werden „industrielle“ Dialyseanbieter Praxen übernehmen, deren Finanzierung gefährdet ist. Sowohl die DGfN in den entsprechenden Gremien als auch Patienten protestieren seit Anfang des Jahres in Form einer Petition (80.000 Unterschriften) vehement gegen die Beschlüsse – bislang ohne Erfolg. Die Einladung zu einer Podiumsdiskussion auf der diesjährigen DGfN- Jahrestagung schlug Dr. Köhler aus. Wir sind aber weiterhin fest entschlossen, und zwar niedergelassene und stationär tätige Nephrologen gleichermaßen, diese Entwicklung abzuwenden. Deshalb, aber auch um die Patienteninitiative zu unterstützen, initiiert die DGfN jetzt eine professionell organisierte Image-Kampagne, um das Thema und die Besonderheit des Auftrages der Fachärzte beim „Nierenmanagement“ öffentlichkeitswirksam zu kommunizieren. Herr Professor Brunkhorst, vielen Dank für das Gespräch. Die Fragen stellte Elke Klug. Conferences 13

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