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CONNEXI 2013-05 Nephrologie Dialyse Transplantation

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Retrospektive der DGfN 2013

Organtransplantation und

Organtransplantation und Verteilungsgerechtigkeit Organverteilung“ findet sich im Gesetz gar nicht. Der Text im Transplantationsgesetz lautet: „Die vermittlungspflichtigen Organe sind [...] nach den Regeln, die dem Stand der Erkenntnisse der medizinischen Wissenschaft entsprechen, insbesondere nach Erfolgsaussicht und Dringlichkeit für geeignete Patienten zu vermitteln. Die Wartelisten der Transplantationszentren sind dabei als eine einheitliche Warteliste zu behandeln.“ [1] Conferences Bei besonderen Allokationsverfahren für „kritische“ Organe? Als einen weiteren Aspekt, der eine gerechte Verteilung tangiert, führt Frei die Spender- und Organeigenschaften als Determinanten für die Verteilungsentscheidung an. Hier hebt er auf besondere (rasche) Allokationsverfahren bei kritischen Organen ab und stellt in Zusammenhang mit direkt in den Entnahmezentren transplantierten, qualitativ kritischen Organen (was z. T. als Vorwurf konstruiert werde) fest: „Der Organmangel in Deutschland zwingt zur Akzeptanz einer vorgeschädigten und verfetteten Leber oder sehr alter Organe [...]. Eine solche Verteilung kann nur vor Ort unter Berücksichtigung der Spender- und Empfängersituation erfolgen. Andernfalls gehen auch diese Organe noch verloren.“ Sind die gesetzlichen Regelungen hilfreich? Nicht wirklich. Das Transplantationsgesetz widmet dem entscheidenden Punkt der Organverteilung nur wenige Sätze. Eine Formulierung wie „Gerechtigkeit bei der Die Kriterien klingen einfach. Und alle wartenden Patienten sollen damit berücksichtigt werden. Aber das Gesetz, so Frei`s kritische Anmerkung zu dieser Passage, gebe keinen Hinweis darauf, wie beide Kriterien zueinander im Verhältnis gewichtet werden sollen. Dringlichkeit und die Erfolgsaussicht zu beurteilen ist also der schwierige Balanceakt, der den behandelnden Ärzten überlassen bleibt. Sie In Deutschland fehlt derzeit eine (=Erfolgsaussicht) gesteuerte Ind bedienen sich dabei zwar verschiedener Scores, um z. B. für die Dringlichkeit zu „messen“, in welchem Umfang Tod und irreversible Schäden eine Transplantation dringlich machen oder für die Erfolgsaussicht, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, eine lange Transplantatfunktion oder ein verlängertes Leben zu erzielen. Es sei jedoch umstritten, ob die verfügbaren Scores (z. B. MELD für die Leberallokation) eine sachgerechte Beurteilung von Dringlichkeit und Erfolgsaussicht einer Transplantation erlauben und ob eine auf diese Weise getroffene Allokation gerecht wäre. 16

Organtransplantation und Verteilungsgerechtigkeit Fazit: Mangel generiert Ungerechtigkeit Ein im landläufigen Sinne gerechtes Organverteilungssystem wird es aufgrund der zahlreichen Einflussfaktoren nicht geben. Sicher sei jedoch, so fasst Frei zusammen: „Je weniger Organe verfügbar sind, desto schwieriger werden die Allokationsentscheidungen und umgekehrt, je mehr Organe verfügbar sind, desto eher kann man sich dem Zustand einer gerechten Verteilung nähern.“ Es gebe jedoch Ebenen, auf denen sich eine relative Gerechtigkeit herstellen ließe: 1. betreffe das die Gleichbehandlung: Alle Patienten sind hinsichtlich ihrer nichtmedizinischen Eigenschaften gleich zu behandeln. Außerdem müssen Transplantationszentren durch einen Zentrumszuschlag in die Lage versetzt werden, ohne unmittelbares ökonomisches Risiko regelkonforme Entscheidungen zu treffen. möglich, Entscheidungsregeln so anzupassen, dass die gesetzlichen Vorgaben verwirklicht werden können. Und last but not least benötigt Deutschland eine innovative und kreativere Öffentlichkeitsarbeit pro Organspende, die klar macht, „dass der Spendermangel und die fehlende Zustimmung verunsicherter Angehöriger weit mehr wartende Patienten in Gefahr bringt oder sterben lässt als alle Verfehlungen im Transplantationsskandal“. Redaktion: Elke Klug Referenzen 1. Bundesministerium der Justiz. Transplantationsgesetz in der Fassung der Bekanntmachung vom 4. September 2007 (BGBI. I S. 2206), das zuletzt durch Artikel 2a des Gesetzes vom 19. Oktober 2012 (BGBI. I S. 2192) geändert worden ist. http://www.gesetze-im-internet.de/tpg/BJNR263 100997.html# über Daten der Ergebnisqualität ikations- oder Allokationspolitik. 2. gehe es um Verfahrensgerechtigkeit. Das heißt, ein Verfahren zur Aufnahme in die Warteliste und zur Verteilung der Organe muss nach festen nachvollziehbaren Regeln stattfinden. Die Erstellung der Regeln muss unabhängig und frei von Interessenskonflikten erfolgen. 3. seien Instrumente zur Messung des Erfolgs erforderlich. Deutschland braucht ein Transplantationsregister bzw. für die Nierentransplantation ein Dialyse- und Transplantationsregister. Nur auf der Basis von Nachfolgedaten sei es Conferences 17

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