Aufrufe
vor 5 Jahren

CONNEXI 2013-05 Nephrologie Dialyse Transplantation

  • Text
  • Dgfn
  • Transplantation
  • Dialyse
  • Nephrologie
Retrospektive der DGfN 2013

Hämodialyse Neue

Hämodialyse Neue Hygieneverordnungen: Konsequenzen für die Praxis Matthias Girndt, Halle/Saale In Dialyseeinrichtungen ist eine große Anzahl von Gesetzen und Verordnungen zur Hygiene zu beachten. So gelten das Infektionsschutzgesetz (IfSG) [1], die Landeshygieneverordnungen (LHVO) der Bundesländer sowie die „Hygieneleitlinie als Ergänzung zum Dialysestandard 2006“ [2], die vom Robert-Koch- Institut als verbindliche Richtschnur publiziert wurde. Für jede Dialyseeinrichtung ist die Erstellung eines Hygieneplans verpflichtend. Die LHVO definieren Qualifikationsanforderungen an das Personal, jedes Bundesland hat eigene Regelungen getroffen, die zum Teil relativ weit auseinandergehen. Vier Qualifikationsstufen sind in diesem Zusammenhang von Bedeutung. Der Krankenhaushygieniker ist Facharzt für Mikrobiologie oder Hygiene mit Zusatzbezeichnung Krankenhaushygiene. Er muss zur Begutachtung beim Neu- und Umbau von Dialysezentren herangezogen werden. Darüber hinaus fordern einige Bundesländer eine regelmäßige Beratung bis hin zu einer halbjährlichen Begehung von Dialysezentren im Umfang von mindestens 8 h (Hessen, Thüringen). Der hygienebeauftragte Arzt in der Dialyse ist Facharzt für Innere Medizin/Nephrologie. Er muss einen 40 h-Kurs nach Vorgaben der Landesärztekammern ablegen. Hygienefachkräfte (HFK) sind Personen mit Berufsabschluss in der Krankenpflege und umfangreicher Hygieneweiterbildung (720 h-Kurs). In 12 Bundesländern ist die Berufung von HFK für ambulante Dialyseeinrichtungen vorgesehen, Zeitbedarf gemäß RKI-Empfehlung je nach Patientenzahl ca. 1–2 h pro Quartal [3]. Dies kann z. B. durch Vereinbarung mit einem Krankenhaus erreicht werden. Seitens der DGfN wird das Fortbildungscurriculum „Hygienebeauftragter in der nephrologischen Pflege“ unterstützt. hingegen nicht empfohlen. Ein Abstrich sollte nur dann durchgeführt werden, wenn der Patient mit einem hohen Risiko der MRSA-Besiedlung in ein Behandlungszentrum kommt. Die Vergütungsvereinbarung zum MRSA-Screening der kassenärztlichen Bundesvereinigung hat die Vorgehensweise etwas geändert. Hier ist vorgesehen, dass ein MRSA-Screening als ärztliche Leistungen zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung abgerechnet werden kann, wenn der Patient in den letzten sechs Monaten für mindestens vier Tage in stationärer Behandlung gewesen ist und ein positiver MRSA-Nachweis in der Anamnese vorliegt. Hinzu müssen zwei oder mehr Risikofaktoren treten, darunter chronische Pflegebedürftigkeit, Antibiotikatherapie, liegende Katheter, Dialysepflichtigkeit, Hautulcera, Gangrän, chronische Wunden oder tiefe Weichteilinfektionen. Ein Screening auf vancomycinresistente Enterokokken oder multiresistente gramnegative Erreger (MRGN) soll bei ambulanten Dialysepatienten nicht routinemäßig erfolgen. Hygienemaßnahmen Conferences Screening Die LHVO verlangen ein risikoadaptiertes Aufnahmescreening auf multiresistente Erreger. Gemäß der Hygieneleitlinie Dialyse ist ein Routinescreening in der ambulanten Dialyse nur für Hepatitis B und C vorgesehen. Ein generelles Screening von Dialysepatienten und Personal auf MRSA wird Während Patienten mit MRSA-Kolonisation oder Infektionen an der Dialyse in einem separaten Bereich (räumliche, organisatorische oder zonale Trennung) behandelt werden, herrscht noch Unsicherheit hinsichtlich der Isolierungspflicht bei Patienten mit multiresistenten gramnegativen Erregern. Hierzu liegen für die ambulante Dialyse noch keine regulatorischen Vorschriften vor. Wir 36

Neue Hygieneverordnungen: Konsequenzen für die Praxis behandeln Patienten mit MRGN- oder VRE-Besiedlung und Durchfall, unzureichender Körperhygiene oder unzureichender Kooperation mit Hygienemaßnahmen in separaten Räumen. Generell behandeln wir Patienten mit 4-MRGN (Erregern mit Carbapenemresistenz) von anderen Dialysepatienten getrennt. Die Sanierung, vor allem bei Darmbesiedlung, ist häufig kaum möglich. Die Patienten tragen die Erreger über Monate, manchmal Jahre. Viel wichtiger als die Isolierung während der Dialysebehandlung erscheint für diese Patienten ein geeignetes Hygienekonzept bei Benutzung der sanitären Einrichtungen des Dialysezentrums. Eine Übertragung von Erregern beim Toilettengang ist der wahrscheinlichste Mechanismus der nosokomialen Ausbreitung im ambulanten Dialysezentrum. Das IfSG enthält eine Berichtspflicht an weiterbehandelnde ärztliche Kollegen oder Pflegeheime über das Vorhandensein von Problemkeimen. Es ist daher ratsam, im Arztbrief routinemäßig einen Passus aufzunehmen, der über Vorhandensein oder Abwesenheit von resistenten Erregern beim Patienten Auskunft gibt. Hinsichtlich der Wasseraufbereitung sind ebenfalls zahlreiche regulatorische Vorgaben zu beachten. Für die Wasserqualität ist bis zum Übergabepunkt in das Gebäude der Trinkwasserversorger verantwortlich. Ab diesem Punkt geht die Verantwortung an den Betreiber der Dialyseanlage über. Prof. Dr. med. Matthias Girndt Innere2@uk-halle.de Die hygienischen Vorgaben für Trinkwasser und Dialysewasser sind sehr ähnlich, Dialysewasser ist zweimal jährlich zu testen, neben einer Keimzahl von < 100 CFU/L ist auf Abwesenheit von Coliformen und Pseudomonas zu testen, beim Dialysewasser kommt im Gegensatz zum Trinkwasser noch der Test auf Endotoxin hinzu. Referenzen 1. Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen (Infektionsschutzgesetz – IfSG) in der Fassung vom 28. Juli 2011. Bundesgesetzblatt I: 2011 2. Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN). Hygieneleitlinie als Ergänzung zum Dialysestandard 2006. http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Krankenhaushygiene/Kommission/Downloads/Dialyse Standard.html.2008. 3. Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO): Personelle und organisatorische Voraussetzungen zur Prävention nosokomialer Infektionen. Bundesgesundheitsblatt 52:951-962, 2009 Patienten eines Hämodialysezentrums sollten nicht routinemäßig auf Vancomycin-resistente Enterokokken (VRE) abgestrichen werden, weil ... 1. die Prävalenz von VRE in Deutschland so gering ist. 2. VRE kein Risiko für Dialysepatienten darstellen. 3. keine sinnvolle Sanierungsmöglichkeit für kolonisierte Patienten besteht. 4. VRE zur normalen Darmflora des Nierenkranken gehören. Conferences Die Lösung finden Sie auf Seite 45. 37

connexi Jahrgänge

connexi Themen