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CONNEXI 2013-05 Nephrologie Dialyse Transplantation

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Retrospektive der DGfN 2013

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News Mit SGLT2-Inhibitoren über die Niere Diabetes Typ 2 behandeln Industry Fördert Gewichtsverlust Verbesserung in Blutdruck-­‐ und Gewichtskontrolle, unterstützt andere kardiovaskuläre Maßnahmen Es ist ein pathologisches Phänomen der Niere, sogenannter „Honigurin“, das amerikanische Grundlagenforscher um E. M. Wright in Los Angeles, USA, zur Entwicklung einer neuen Medikamentenklasse für die Diabetesbehandlung animierte. Die neuen SGLT2-Inhibitoren nutzen gewissermaßen den Filtrationsmechanismus der Niere, um die Glukoseausscheidung über den Urin deutlich zu steigern und somit den Blutzuckerspiegel zu senken. Am 22. November 2013 erfolgte die EU-Zulassung für Canagliflozin (Invokana®, Janssen). Korrigiert eine pathologische Störung Typ 2 Diabetes Opmierte Therapie Bessere Kontrolle Geringes Hypoglykämierisiko Glykämische Kontrolle, ergänzender Wirkmechanismus zu anderen Medikamenten Abbildung 1: SGLT2 Inhibition: ein neues Therapiekonzept im Überblick. [3]. Nach Schätzungen der WHO leiden 90 % aller Diabetespatienten an Typ 2-Diabetes. Das sind mehr als 300 Mio. Patienten weltweit. Unbehandelt kann die Erkrankung bekanntermaßen zu schweren mikro- und makrovaskulären Komplikationen mit erhöhtem Mortalitätsrisiko führen. Trotz vielfältiger Behandlungsmöglichkeiten lässt sich aktuell noch immer einer von 10 Todesfällen bei Erwachsenen in der EU auf Diabetes zurückführen (2011 ca. 600.000 Personen), und nicht alle Betroffenen sind optimal eingestellt. Es bestehen also nach wie vor Defizite und ein hoher Bedarf an Diabetes- Medikamenten mit innovativen Wirkmechanismen. Neben Insulin sind die SGLT2-Inhibitoren eine weitere neue Medikamentenklasse zur Behandlung des Diabetes mellitus Typ 2, dessen Prävalenz in Europa nach wie vor ansteigt. Canagliflozin ist ein einmal täglich, oral einzunehmendes Medikament, das zu der neuen Klasse der Natrium-Glukose- Co-Transporter 2 (sodium glucose co-transporter 2–SGLT2)-Inhibitoren gehört und von der FDA seit Anfang 2013 bereits zugelassen ist. Erfreulich und mit neuer Hoffnung für viele, vor allem übergewichtige Diabetes-Patienten verbunden ist deshalb, dass Janssen-Cilag International im November die EU-Zulassung für einen neuen SGLT2-Inhibitor bekannt geben konnte. SGLT2-Inhibition: Ein insulinunabhängiger Wirkmechanismus bei Typ 2-Diabetes Die Nieren sind maßgeblich an der Regulierung des Blutzuckers beteiligt. Die aus dem Blut in die Nieren gefilterte Glukose wird in den Blutstrom reabsorbiert. Während dieser Mechanismus bei Gesunden gewollt ist, wäre es für Menschen mit ohnehin zu hohem Blutzuckerspiegel besser, wenn dieser Prozess unterbunden würde, weil beim Diabetiker eine verstärkte Glukosereabsorption die Hyperglykämie noch verstärkt. Ein wichtiger Transporter, der für diese Reabsorption verantwortlich ist, ist der sogenannte Natrium-Glukose-Co-Transporter 2 (SGLT2). Er ist das target für den neuen Therapieansatz. Canagliflozin hemmt selektiv SGLT2, senkt damit die tubuläre Glukose-Reabsorption und fördert infolgedessen die Ausscheidung von Glukose über 48

News den Urin. Auf diese Weise erfolgt eine HbA1c- Reduktion bei Erwachsenen mit Typ 2-Diabetes. Weitere, aufgrund des Wirkmechanismus von SGLT2-Inhibitoren erwartete klinische Effekte sind Gewichtsverlust (Kalorienverlust durch die Glukoseausscheidung) und Blutdrucksenkung. Außerdem ist das Hypoglykämierisiko deutlich geringer als bei anderen Wirkstoffen. Wirksamkeit durch klinische Phase-III- Studien gestützt Mehr als 10.300 Patienten in insgesamt neun Studien wurden in ein globales Phase III-Studien- Programm aufgenommen. Untersucht wurden die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Canagliflozin über das Spektrum der Behandlung des Typ 2-Diabetes bei Erwachsenen, als Monotherapie bei Patienten, die eine weitere Blutzuckerregulierung benötigten, in Kombination mit Metformin und in Kombination mit anderen Antidiabetika, einschließlich Insulin. In drei Studien wurde Canagliflozin mit gegenwärtigen Standardbehandlungen verglichen. Das Phase III-Programm umfasst außerdem drei große Studien in speziellen Populationen: ältere Typ 2-Patienten, Patienten mit Typ 2-Diabetes und mittelschwerer Nierenfunktionsstörung sowie Typ 2-Patienten, von denen angenommen wurde, dass sie ein hohes Risiko für kardiovaskuläre Krankheiten besitzen. Insgesamt waren die Ergebnisse sehr viel versprechend. Lediglich bei schwer Nierenkranken, also bei einer GFR von unter 30 mm/min, sollten diese Präparate momentan nicht eingesetzt werden, empfehlen Nephrologen. Insgesamt wurde Canagliflozin in den Studien gut vertragen. Für SGLT2-Inhibitoren typische UAW wurden auch für dieses Präparat beobachtet. Die Abbruchrate war jedoch niedrig und die Inzidenz von UAWs war vergleichbar mit der Kontrollgruppe. Elke Klug Redaktion Referenzen 1. Definition, diagnosis and classification of diabetes mellitus and its complications. Part 1: diagnosis and classification of diabetes mellitus. Geneva, World Health Organization, 1999 (WHO/NCD/NCS/99.2) 2. International Diabetes Federation. About Diabetes. Verfügbar unter http://www.idf.org/about-diabetes. Letzter Aufruf: Feb.2013 3. Seufert J Präsentation Frühe Effekter der SGLT2-Inhibition DDG-Herbsttagung 2013 Quellen: Pressemitteilung von Janssen vom 24.09.2013 Präsentation Univ. Prof. Dr. med. Jochen Seufert, FRCPE, Freiburg, im Rahmen des Janssen-Satellitensymposiums zur DDG-Herbsttagung „Diabetesbehandlung neu gedacht“ am 16.11. 2013 in Berlin Fazit Mit der neuen Klasse der SGLT2-Hemmer steht dem Behandler eine weitere Optionen zur Therapie seiner Typ 2-Diabetes-Patienten zur Verfügung, die den Blutzucker zu senken vermag und zudem positive Nebeneffekte wie eine Gewichtsreduktion hat. Industry 49

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