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CONNEXI 2013-05 Nephrologie Dialyse Transplantation

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Retrospektive der DGfN 2013

5. Jahrestagung der DGfN

5. Jahrestagung der DGfN Gute Qualität braucht solide Finanzierung Prof. Dr. med. Jan Galle j.galle@klinikum-luedenscheid.de Vom 5. bis 8. Oktober 2013 fand unter der Präsidentschaft von Prof. Dr. Helmut Geiger und Prof. Dr. Josef M. Pfeilschifter, beide Frankfurt/Main, die 5. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie in Berlin statt. Rund 1.500 Teilnehmer hatten den Weg in das Estrel Convention Center im Süden der Bundes-Hauptstadt gefunden – zur wissenschaftlichen Fortbildung, zum klinischen Erfahrungsaustausch und berufspolitischen Diskussionen. Als neue Programminhalte waren Pro- und Contra-Diskussionen zu wissenschaftlichen Fragestellungen und hochschulpolitische Themen integriert. Conferences Klare Kriterien für Überweisung zum Nephrologen Die Schere zwischen „Übertherapie“, also einer zu frühen oder unnötigen Behandlung, und „Untertherapie“, d. h. wenn eine zu spät einsetzende Therapie die Prognose beeinträchtigt, ist in der Nephrologie ein großes Problem. Beides schade dem Patienten, erklärte Prof. Dr. Jan Galle, Pressesprecher der DGfN. Um diese Schere zu schließen, hat die DGfN einen Praxisratgeber für Allgemeinmediziner entwickelt, der die Indikationsstellung für die Überweisung differenzierter beschreibt als in der bisherigen Regelung, die zu weit gefasst war und zu viele Patienten als behandlungsbedürftig einstufte. Im Rahmen der Jahrestagung wurde der Entwurf dieses Praxisratgebers für Allgemeinmediziner präsentiert, der die Kriterien für eine Überweisung zum Nephrologen klarer definiert und damit helfen soll, Über- und Untertherapie zu vermeiden. In dem neuen Ratgeber orientiert sich die DGfN an der neuen Stadieneinteilung der chronischen Nierenerkrankung (CKD) [1]. Als „Faustregel“ wird empfohlen, Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion ohne Begleitkomplikationen wie Albuminurie oder Hämaturie erst ab einer GFR unter 45 ml/min/ 1,73 m 2 zum Nephrologen zu überweisen. Damit sei eine Überdiagnostik ausgeschlossen, gleichzeitig aber sichergestellt, dass Patienten, die einer fachärztlichen Mitbehandlung bedürfen, rechtzeitig zum Nephrologen kommen und alle therapeutischen Möglichkeiten ausgeschöpft werden, um den terminalen Nierenfunktionsverlust möglichst lange hinauszuzögern. Dies diene dem Wohle des Patienten und trage zur effizienten Nutzung knapper Ressourcen bei. Senkung der Sachkostenpauschale: Gefährdung eines gut funktionierenden Versorgungssystems Insgesamt ist die nephrologische Versorgung in Deutschland (noch) sehr gut. Die größte aktuelle Bedrohung dieser Qualität stellt die Entscheidung der KBV und des GKV-Spitzenverbandes zur Senkung der Dialysesachkostenpauschale dar. Die Pauschale wurde seit gut zehn Jahren nicht mehr nach oben angeglichen, obwohl sich der Aufwand für die immer älter werdenden Dialysepatienten erhöht, die Kosten für das Pflegepersonal sich fast verdoppelt haben, allgemeine Kosten für Wasser, Energie, Dialyse-Technik etc. gestiegen sind und zudem Abbildung 1: Estrel Convention Center Berlin. 6

Prof. Dr. med. Reinhard Brunkhorst reinhard.brunkhorst@krh.eu Prof. Dr. med. Josef Martin Pfeilschifter pfeilschifter@em.uni-frankfurt.de auch der wachsende Mehraufwand z. B. für Dokumentation und Umsetzung der Hygieneverordnung über die Pauschale abgedeckt werden muss. Mit dem Ziel, die Kosten „um jeden Preis“ zu senken, seien durch diesen Beschluss nephrologische Zentren nun zum drastischen Sparen gezwungen. Spätestens mit der zweiten Stufe der Kürzungen Anfang 2015 werde sich die nephrologische Versorgungslandschaft dramatisch ändern, und zwar mit erheblichen Konsequenzen für die Patienten“, konstatierte der Präsident der DGfN Prof. Dr. Reinhard Brunkhorst (siehe auch S. 12). Drängendes Problem: Finanzierung der Hochschulmedizin – mehr als 100 Mio. EUR Defizite Die Universitätsmedizin hat in ihrer engen Verknüpfung von Krankenversorgung, Forschung und Lehre eine essenzielle Bedeutung für die Qualität der Patientenversorgung in Deutschland. Allerdings, so betonte Prof. Dr. Pfeilschifter, die einzelnen Länder können sich mit ihren finanziellen Engpässen den vielfältigen aktuell anstehenden Aufgaben nicht mehr adäquat stellen. Deshalb, so fordert er, brauchen wir 1. generell den Wiedereinstieg des Bundes in die Hochschulfinanzierung, speziell in die Unterstützung der Universitätsmedizin, und 2. Investitionszuflüsse für alle Krankenhäuser, um die gravierenden Rückstände aufzuholen. Vor allem die Sonderaufgaben der Universitätsmedizin im deutschen Gesundheitswesen, wie die Unterhaltung von Innovationszentren für neue Therapien, Hochschulambulanzen, die Behandlung komplizierter (Extremkosten)-Fälle und seltener Erkrankungen, die Angebote für fachärztliche Weiterbildung sowie die kostenintensive Notfallversorgung, seien nur unzureichend finanziert. Aufgrund der dramatischen Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage der deutschen Universitätsklinika, von 33 Universitätsklinika in Deutschland schreiben nur noch sechs „schwarze Zahlen“, plädiert Pfeilschifter für die Einführung eines Systemzuschlags zur Finanzierung der Sonderbelastungen der Universitätsmedizin, um Zusatzinvestitionen adäquat zu finanzieren. Damit müsse auch verhindert werden, dass, wie zurzeit in Halle zu erleben, eine alte medizinische Fakultät mit großer Tradition aus rein finanziellen Gründen zur Disposition gestellt wird, während sog. „neue“ Universitätsklinika mit im Ausland ausgebildeten Ärzten unter Missachtung des deutschen Zulassungs-, Ausbildungsund Prüfungsrechts ohne Qualitätssicherung aus dem Boden schießen. Elke Klug 5. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie 5. bis 8. Oktober 2013 in Berlin Tagungsleitung Prof. Dr. Helmut Geiger, Prof. Dr. Josef M. Pfeilschifter Tagungssekretär PD Dr. Oliver Jung Veranstalter Aey Congresse GmbH, Angela Aey www.aey-congresse.de Pressearbeit albersconcept, Dr. Bettina Albers www.dgfn.eu Redaktion Referenzen 1. http://www.kdigo.org/clinical_practice_guidelines/pdf/ CKD/KDIGO_2012_CKD_GL.pdf Conferences 7

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