Aufrufe
vor 5 Jahren

CONNEXI 2014-06 AIDS und Hepatitis

  • Text
  • Patienten
  • Therapie
  • Hepatitis
  • Versorgung
  • Conferences
  • Diskriminierung
  • Menschen
  • Deutschland
  • Kombination
  • Berlin
Retrospektive des dagnä-Workshops 2014, AIDS und Hepatitis

Ambulante Versorgung

Ambulante Versorgung und Gesundheitspolitik Was bringen die Reformen? Jürgen Wasem, Essen Mit dem GKV-Versorgungsstärkungsgesetz (GKV-VSG) wird die ambulante Versorgung erneut modifiziert. Gesundheitsökonom Prof. Jürgen Wasem beleuchtet die Reformideen und ordnet sie in einen größeren Kontext ein. Conferences Die ambulante Versorgung in Deutschland steht vor gewichtigen Herausforderungen: Die ambulante Leistungserbringung wird durch die Alterung der Bevölkerung wie auch die Verlagerung von Dienstleistungen aus dem stationären Sektor zukünftig absehbar stärker nachgefragt – dies geschieht zu einem Zeitpunkt, an dem die Zahl der Vertragsärzte selbst eher abnehmen wird. Eine mitunter sehr große regionale Ungleichverteilung des Angebotes („Landärztemangel“) wie der Nachfrage verschärft das Problem. Unklare Abgrenzungen zum Krankenhausbereich helfen ebenfalls nicht weiter. Neue Reform mit einer Vielzahl an Maßnahmen Mit dem GKV-Versorgungsstärkungsgesetz (GKV-VSG) will die Bundesregierung Abhilfe schaffen: Ziel ist, die bedarfsgerechte, flächendeckende und gut erreichbare medizinische Versorgung weiterhin auf einem hohen Niveau sicherzustellen und die Rahmenbedingungen der Versorgung an sich wandelnde Strukturen anzupassen. Für dieses unterstützenswerte Ziel schlägt der Gesetzgeber einen bunten Strauß an Instrumenten vor: •• Zu den bedeutsamsten – und in der Ärzteschaft heftig kritisierten – zählen sicherlich die geplanten Terminservicestellen: Die Servicestelle soll Versicherten mit Facharztüberweisung innerhalb einer Woche einen Termin vermitteln. Beträgt die Wartezeit auf den Termin mehr als vier Wochen, muss der Patient einen Termin bei einem zugelassenen Krankenhaus angeboten bekommen. Bei Augen-, Frauen- und Kinderärzten ist eine Überweisung nicht erforderlich. Hier greift die Politik ein Thema auf, dass in der Bevölkerung sehr emotional besetzt ist. Die wohnortnahe Versorgung wird hieran gemessen. Aus der Perspektive der Gesundheitsökonomie ist jedoch zu sagen: Die Wartezeiten auf einen Arzttermin in Deutschland sind im interna- Bei der ASV droht durch eine Rolle tionalen Vergleich sehr kurz. Fraglich ist auch, ob eine flächendeckende Strategie notwendig ist, denn die Problemlage ist im Vergleich der Regionen sehr unterschiedlich. In jedem Fall schaffen die Terminservicestellen keine neuen Behandlungskapazitäten. Es bleibt also völlig unklar, welche Abhilfe die neue Regelung schaffen soll, wenn es sowohl im stationären wie im ambulanten Bereich nicht genügend Spezialisten gibt. Nicht zu vergessen: Wartezeiten sind häufig ebenso Folge eines wenig effizienten Praxis- und auch Honorarmanagements. •• Spannend wird es bei den angedachten Maßnahmen gegen den „Ärztemangel“: Die Gemengelage ist insgesamt kompliziert und auch finanzielle Anreize haben nur begrenzt zu einem geänderten Niederlassungsverhalten geführt. Immer wieder wird als Instrument zur Bekämpfung von Unterversorgung die weitergehende 18

Was bringen die Reformen? Prof. Dr. rer. pol. Jürgen Wasem juergen.wasem@medman.uni-due.de ambulante Öffnung der Krankenhäuser diskutiert. Der Gesetzgeber hat in der Vergangenheit schon einige Maßnahmen beschlossen. Nun geht er einen Schritt weiter: Herrscht oder droht Unterversorgung, muss der Zulassungsausschuss zukünftig interessierte Kliniken zur ambulanten Versorgung ermächtigen. Ein solcher Schritt ist grundsätzlich nachvollziehbar. Die im internationalen Vergleich immer noch starre Trennung der Sektoren muss sich weiter auflösen. Es ist umso bedauerlicher, dass durch den geplanten Bestandsschutz für bereits nach altem Recht den Bestandsschutz rückwärts. zugelassene Krankenhäuser bei der Ambulanten Spezialfachärztlichen Versorgung (ASV) eine Rolle rückwärts droht. Unverzichtbar scheinen ferner weitere Schritte in Richtung Delegation und Substitution: Auch hier zeigt der internationale Vergleich noch Potenziale – bei deren Hebung allerdings Behutsamkeit geboten ist. ist nicht zu bestreiten, dass Innovationshemmnisse in der Versorgung bestehen. Skeptisch macht aber die angedachte Umsetzung: Erneut wird die zentrale Rolle des G-BA gestärkt. Insbesondere bei Innovationen ist es aber kontraproduktiv, einem zentral gesteuerten Gremium die alleinige Entscheidung zu überlassen. Aus gesundheitsökonomischer Sicht ist eine dezentral-wettbewerbliche Lösung über einzelne Krankenkassen als Manager und Entscheider über die finanziellen Mittel eindeutig zu bevorzugen. •• Neues gibt es auch bei den Wirtschaftlichkeitsprüfungen: Die bundeseinheitlichen Vorgaben für Wirtschaftlichkeitsprüfungen von ärztlich verordneten Leistungen sollen aufgehoben und bis zum 1. Januar 2017 durch regionale Vereinbarungen zwischen den Landesverbänden der Krankenkassen und den Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) ersetzt werden. Zwar ist es nachvollziehbar, dass die konkreten Versorgungsbedingungen regional vor Ort angepasst werden müssen. Bundesweite Rahmenvorgaben sind aber notwendig, um einem regionalen Flickenteppich vorzubeugen. Eine sachgerechte bundeseinheitliche Regelung wäre deshalb einer Verlagerung auf die Regionalebene vorzuziehen. •• Ambivalent muss auch der anvisierte Innovationsfonds betrachtet werden. Was ist geplant? Beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) soll ein Geldtopf zur Förderung innovativer sektorenübergreifender Versorgungsformen und für die Versorgungsforschung geschaffen werden. Dafür werden jährlich insgesamt 300 Millionen Euro von den Krankenkassen und aus dem Gesundheitsfonds zur Verfügung gestellt. Zwar ist es grundsätzlich sinnvoll, in größerem Umfang finanzielle Mittel zur Erprobung von Innovationen zur Verfügung zu stellen, denn es •• Ein grundsätzlich notwendiger Schritt war das Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) von 2011: Der dort eingeschlagene Weg der Nutzenbewertung – also Preise und Nutzen stärker in Relation zu bringen – sollte, bei allen Unterschieden, nicht nur bei neuen Arzneimitteln gelten, sondern grundsätzlich auch bei Medizinprodukten und Hilfsmitteln. Der Gesetzentwurf greift dies auf und sieht vor, dass in den Fällen, in denen ein Krankenhaus ein Entgelt für eine neue Untersuchungs- und Behandlungsmethode mit einem Medizinprodukt der Conferences 19

connexi Jahrgänge

connexi Themen