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CONNEXI 2014-06 AIDS und Hepatitis

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Retrospektive des dagnä-Workshops 2014, AIDS und Hepatitis

Interview mit Dr. med.

Interview mit Dr. med. Knud Schewe Revolution in der HCV-Therapie und ehrgeizige Ziele für die HIV-Behandlung 24. dagnä-Workshop in Köln: Die chronische Hepatitis C (HCV)-Infektion stand im Mittelpunkt – welche medizinischen Implikationen gibt es? Was sind aktuelle Schwerpunkte der dagnä? connexi-Interview mit Tagungsleiter und dagnä-Vorstand, Dr. Knud Schewe. Conferences Herr Dr. Schewe, die Keynote Lecture widmete sich in diesem Jahr der „HCV-Revolution“: Es gibt viele positive Nachrichten. Wie sehen die neuen Behandlungsstrategien aus? In der Therapie der chronischen Hepatitis C kann gegenwärtig von einer Revolution gesprochen werden: Die im vergangenen Jahr neu in den Markt gekommenen bzw. die ab 2015 verfügbaren antiviralen Mittel ermöglichen völlig neue Behandlungen. Wir sprechen erstmals von einer vollständigen Heilung bei 90−95 % der Patienten – und das bei guter Verträglichkeit mit deutlich reduzierten Nebenwirkungen. Auch bei den schwierigen Genotypen 1 und 4 gibt es endlich vielversprechende Optionen. Folgebehandlungen – wie Lebertransplantationen – können vermieden werden. Aus ärztlicher Sicht sind die therapeutischen Verbesserungen eindeutig. Zu Recht hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) den neuen Wirkstoffen bisher einen teilweise beträchtlichen Zusatznutzen im Vergleich zu den bisherigen Therapiestandards attestiert. Die HCV-Infektion bleibt aber eine spezielle Erkrankung: Betreuung und Behandlung von HCV-infizierten Patienten stellen nach wie vor eine ärztliche Herausforderung dar und gehören in Spezialistenhände. Was ist zu berücksichtigen bei der HIV/HCV- Ko- Infektion? Aufgrund teilweise gleicher Übertragungswege ist die HCV-Infektion eine sehr häufige Begleiterkrankung bei HIV-Infizierten. Die bisherigen Therapien waren leider bei Koinifzierten deutlich weniger wirksam als bei HCV-Monoinfizierten. Mit den neuen Therapiekombinationen scheint es keine Unterschiede in den Ansprechraten bei HIV/ HCV-Koinfizierten im Vergleich zu den Monoinfizierten zu geben. Auch gibt es erstmals Heilungschancen für Patienten, die auf eine vorangegangene Therapie nicht angesprochen haben oder solche mit fortgeschrittener Lebererkrankung und Zirrhose. Dies ist ein echter Fortschritt in der Medizin. HIV scheint gegenwärtig weniger im Rampenlicht zu stehen. Dennoch wurde auf der Welt-Aids- Konferenz 2014 in Melbourne intensiv diskutiert: Wie realistisch ist die Strategie 90-90-90, die in Australien präsentiert wurde? Das Ziel der Vereinten Nationen, bis 2030 die Aids-Epidemie zu beenden, ist wichtig. Voraussetzung hierfür ist die 90-90-90 Regel, also Verhinderung von 90 % der Neuinfektionen, Absenkung von Diskriminierung und Stigmatisierung sowie der Aids-Sterblichkeit um 90 %. Um diese Ziele HCV-infizierte Patienten stellen Herausforderung dar und geh zu erreichen, muss der Zugang zu HIV-Tests, der Zugang zu medizinischer Versorgung und die Verfügbarkeit antiretroviraler Therapien für alle Infizierte ermöglicht werden. Das ist sehr ehrgeizig, aber zumindest teilweise umsetzbar, erfordert allerdings große Anstrengungen. Eine auf der Konferenz veröffentlichte Studie konnte am Beispiel von afrikanischen und OECD- Staaten erneut zeigen, dass sich die HIV-Neuinfektionen und Todesfälle mit Aids-Bezug signifikant verringern, desto mehr Patienten sich in Therapie 8

Interview mit Dr. med. Knud Schewe Dr. med. Knud Schewe schewe@dagnae.de befinden. Die ärztliche Behandlung des HI-Virus hilft also nicht nur den Betroffenen, sondern auch gesamtgesellschaftlich. Allerdings ist neben der Reichweite der HIV-Behandlung auch die Qualität entscheidend – in beidem gilt Deutschland international als vorbildlich. Es bleiben aber gewichtige Herausforderungen, so sind z. B. viele HIV-Infizierte schlicht nicht diagnostiziert: Präventionsarbeit bleibt wichtig, Betroffene müssen zudem durch Testangebote besser erreicht werden. Da gibt es auch in Deutschland noch einiges zu tun. dagnä SCHRIFTENREIHE 02 PRAXISLEITFADEN HIV-BEGLEITERKRANKUNGEN Welche Neuheiten gab es aus medizinischer Sicht? Hier gab es in Melbourne vergleichsweise wenig Neues: Die MODERN-Studie hat gezeigt, dass wir bis auf Weiteres in der Primärtherapie nicht auf Nukleosidanaloga (NRTI) verzichten können. Es konnte gezeigt werden, dass die Therapie mit einem CCR5 Blocker in Kombination mit einem geboosteten Proteasehemmer der Standardtherapie unterlegen ist. nach wie vor eine ärztliche ören in Spezialistenhände. Stichwort Chrystal Meth: Neue psychoaktive Substanzen machen ebenfalls von sich reden. Was ist neu? Welchen Stellenwert haben sie? Welche Nebenwirkungen? Die Verfügbarkeit von neuen Drogen hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Bestimmungen des Betäubungsmittelgesetzes werden durch leichte chemische Modifikation der Drogen-Moleküle umgangen. Diese werden über das Internet als „legal highs“, Badesalze, Dünger oder Reinigungsmittel verkauft. Die Substanzen werden Download verfügbar unter: www.dagnae.de (DocCheck) in der Szene eher verharmlost, dennoch bestehen erhebliche gesundheitliche Risiken bei den Drogen- Gebrauchern: Neben den körperlichen Schäden durch den Konsum dieser Substanzen und den psychischen Auswirkungen sind Wechselwirkungen mit der antiretroviralen Therapie und Adhärenzprobleme bei Drogengebrauchern Anlass zu großer Sorge. Die dagnä hat eine neue Versorgungsstudie initiiert. Was ist das Ziel? Es handelt sich um die sogenannte PROPHET- Studie: Prospective clinical and pharmacoeconomic outcomes study of different first-line antiretroviral treatment strategies. Sie wird anhand nicht selektionierter HIV-infizierter Patienten den Therapieerfolg und die Krankheitskosten verschiedener Primärtherapiestrategien in Deutschland repräsentativ abbilden. Denn: Es existieren in Deutschland aktuell keine Studien, die die aktuell empfohlenen antiretroviralen Primärtherapien im klinischen Alltag prospektiv hinsichtlich ihrer klinischen und pharmaökonomischen Konsequenzen untersucht haben: Welche Primärtherapie ist wann, Conferences 9

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