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CONNEXI 2015-02 AIDS und Hepatitis

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Retrospektive der 6. Münchner AIDS und Hepatitis Werkstatt 2015

Hohe Dunkelziffern

Hohe Dunkelziffern Epidemiologie der Hepatitis A, B und C in Deutschland Ruth Zimmermann, Berlin Die Hepatitisviren A (HAV), B (HBV) und C (HCV) können zu akuten und chronischen (nur HBV und HCV) Infektionen der Leber führen. Im Fall einer chronischen Hepatitis kann der klinische Verlauf über Jahre unspezifisch und symptomarm sein, so dass die Diagnose häufig erst im Stadium der Folgeerkrankungen gestellt wird. Die tatsächliche Prävalenz chronischer Hepatitiden in Deutschland ist unklar, da sie bei teils schwer erreichbaren Risikogruppen um ein Vielfaches höher als in der Allgemeinbevölkerung ist. Neben den Meldedaten nach Infektionsschutzgesetz (IfSG) für laborbestätigte akute HAV- und HBV-Infektionen sowie erstdiagnostizierte HCV- Infektionen liegen dem RKI Daten aus dem bevölkerungsbezogenen Gesundheitssurvey bei 7.047 Erwachsenen (DEGS1, 2008−2011), darüber hinaus aus Seroprävalenzstudien bei Risikogruppen vor. Hepatitis A Migrationshintergrund auftraten, und dass unter den minderjährigen Personen mit einer inzidenten Hepatitis A sogar 79 % einen Migrationshintergrund hatten, wobei die am häufigsten berichteten Herkunftsländer die Türkei und Ex-Jugoslawien waren. Der Großteil dieser importierten Fälle betraf Kinder, die in den Herkunftsländern ihrer Eltern Freunde oder Familie besucht hatten. Nur selten traten inzidente HAV-Fälle im Zusammenhang mit Pauschaltourismus auf. Daraus ergibt sich, dass existierende HAV-Impfempfehlungen für Reisende in Endemiegebiete besser kommuniziert werden müssen, insbesondere im Kontext von Besuchen bei Freunden und Familie. In den kommenden Jahren ist in Deutschland eine deutliche Zunahme Hepatitis C-bedingter Folgeschäden zu erwarten. Conferences In DEGS1 betrug die HAV-Prävalenz 48,6 % (47,0–50,2 %), wobei sie mit dem Lebensalter auf über 80 % bei 70−79-Jährigen anstieg [1]. Im Vergleich zu Daten des Bundesgesundheitssurveys 10 Jahre zuvor, ist in DEGS1 die bei jüngeren Altersgruppen gegenüber der älteren Untersuchung verbesserte Immunität gegen Hepatitis A wahrscheinlich eher auf verstärkte Impfungen im Rahmen von Fernreisen zurückzuführen als auf eine natürlich erworbene Immunität. Weil die Meldedaten allein nicht zur Beurteilung der epidemiologischen Lage ausreichen, wurde 2007−2008 die Hepatitis A-Surveillance intensiviert. Dabei wurden inzidente Fälle mit einem Fragebogen zu Umständen der Infektion und demografischen Markern befragt. Es zeigte sich, dass 42 % der Fälle bei Personen mit Hepatitis B und C In Deutschland besteht eine Meldepflicht für Labore (§ 7 IfSG) und Ärzte (§ 6 IfSG) zur Meldung von Fällen akuter Hepatitis B sowie neu diagnostizierter Hepatitis C an das zuständige Gesundheitsamt. Im Jahr 2013 wurden insgesamt 1.947 akute Hepatitis-B-Fälle übermittelt, von denen 35 % der Referenzdefinition (klinische und labordiagnostische Kriterien erfüllt) entsprachen. Die Inzidenz der Hepatitis B in Deutschland betrug 0,8 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner [2]. 22

Epidemiologie der Hepatitis A, B und C in Deutschland Die Zahl der an das RKI übermittelten HCV-Fälle betrug 2013 insgesamt 5.156. Dies entsprach einer bundesweiten Inzidenz von 6,3 Erstdiagnosen pro 100.000 Einwohner [3]. Es ist anzunehmen, dass nur ein Teil der Infizierten einen Arzt aufsucht und eine Diagnostik initiiert wird, und dass daher eine unbekannt hohe Dunkelziffer besteht. Daher müssen die Informationen der Meldedaten ergänzt werden durch Studien. In DEGS1 betrug die HBsAg-Prävalenz als Indikator für eine aktuelle (akute oder chronische) Infektion in der Allgemeinbevölkerung 0,3 % (95 % KI 0,2; 0,6 %) und ist im Vergleich zur HBsAg-Prävalenz vor 10 Jahren von 0,8 % deutlich gesunken [1]. Die Anti-HBc-Prävalenz als Indikator für einen zurückliegenden oder aktuellen Kontakt mit HBV lag in DEGS1 bei 5,1 %. Bei den unter 40-Jährigen zeigt sich in DEGS1 deutlich die seit 10 Jahren angestiegene HBV-Impfprävalenz, die auch in der Gesamtpopulation mit 22,9 % (95 % KI: 21,5–24,5 %) signifikant höher als vor 10 Jahren liegt. Die HCV-Antikörper-Prävalenz betrug in der deutschen Allgemeinbevölkerung in DEGS1 0,3 % (0,1–0,5 %), 10 Jahre zuvor 0,4 % [1]. Risikogruppen Die Prävalenzen aus den Gesundheitssurveys müssen als untere Prävalenz für die Gesamtsituation in Deutschland gewertet werden, da Gruppen mit einer höheren Prävalenz wie Menschen mit Migrationshintergrund, Drogengebraucher, Haftinsassen usw. nicht oder nicht ausreichend eingeschlossen wurden. Das RKI hat bei verschiedenen Risikogruppen daher Studien durchgeführt, die die um ein Vielfaches höhere Prävalenz von HBV und HCV in diesen Gruppen zeigen: Aus der HIV1- Serokonverterstudie wurden 1.945 Proben von HIV-koinfizierten Männern, die Sex mit Männern haben (MSM), auf HBV und HCV untersucht. HBV Dr. med. Ruth Zimmermann MPH ZimmermannR@rki.de und HCV-Koinfektionen lagen in dieser Gruppe bei 25,7 % (Anti-HBc) und 8,2 % (Anti-HCV) vor. 48,6 % hatten Anti-HBs als Zeichen einer Impfung [4]. Drogengebraucher/innen (IVD) In einem Sero- und Verhaltenssurvey bei 2.077 injizierenden Drogengebraucher/innen (IVD) in acht Städten (DRUCK-Studie 2011−2014) wurden Seromarker für HBV, HCV und HIV und gekoppelte Daten zum infektionsbezogenen Risiko- und Präventionsverhalten erhoben. IVD wiesen in der DRUCK-Studie eine Anti-HBc-Prävalenz von bis zu 23 % und eine Anti-HCV-Prävalenz zwischen 42 und 75 % je nach Studienstadt auf. Anti-HBs als Marker für eine Impfung wurde bei 15−52 % nachgewiesen. 15−69 % der IVD waren suszeptibel für eine HBV-Infektion (http://www.rki.de/DE/ Content/InfAZ/H/HIVAIDS/Studien/DruckStudie. html; unveröffentlichte Daten). Haftinsassen Eine Studie in sechs Haftanstalten erhob 2006/2007 ähnliche Daten bei 1.515 Haftinsassen. Conferences 23

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