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CONNEXI 2015-02 AIDS und Hepatitis

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Retrospektive der 6. Münchner AIDS und Hepatitis Werkstatt 2015

Epidemiologie der

Epidemiologie der Hepatitis A, B und C in Deutschland Conferences Unter 1.515 JVA-Insassen lag die Anti-HBc-Prävalenz bei 11,0 % (10,6−11,3 %), die Anti-HCV-Prävalenz bei 20,6 % (20,1−21,0 %) [5,6]. Migranten In Deutschland sind laut statistischem Bundesamt 12 % der Bevölkerung Migranten, und etwa 20 % der Bevölkerung haben einen Migrationshintergrund (https://www.destatis.de/DE/ ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Bevoelkerung/MigrationIntegration/MigrationIntegration.html) [7]. Personen mit Migrationshintergrund wurden im Kindergesundheitssurvey (KIGGS1, 2003−2006) repräsentativ eingeschlossen. Unter den 13.065 untersuchten Kindern hatten Kinder mit Migrationshintergrund ein signifikantes Risiko für eine HBV-Infektion: Anti-HBc betrug bei Migranten der 1. Generation 2,4 % (0,3–4,5 %), bei zweiseitigem Migrationshintergrund 2,1 % (1,4–2,9 %), wohingegen bei Kindern ohne Migrationshintergrund Anti-HBc bei 0,2 % (0,1–0,3 %) lag [8]. Auch eine andere kürzlich in 51 Allgemeinarztpraxen bei 21.008 Patienten durchgeführte Studie des Universitätsklinikums Leipzig zeigt Ergebnisse, die auf die besonders hohe Vulnerabilität von Migranten in Bezug auf Hepatitis B und C hinweisen [9]. In dieser Studie wurden alle Patienten, die zum „Check up 35“ kamen, sowohl auf serologische Marker von Hepatitis B und C, auf das Vorliegen erhöhter Transaminasen untersucht, als auch gebeten, einen kurzen Fragebogen zu den Indikationsstellungen für eine HBV- oder HCV-Diagnostik entsprechend der Leitlinien zu beantworten. Hier zeigten sich neben erhöhten HBV- und HCV-Prävalenzen und hohen Anteilen undiagnostizierter Infektionen bei Personen mit Migrationshintergrund auch eine deutliche Assoziation von HBV und HCV mit bestimmten Merkmalen: Migrationsstatus (OR 4,4 (2,9; 6,7)), Haushaltskontakt mit einer HBV-positiven Person (2,5 (1,2; 4,5)) und männliches Geschlecht (1,6 (1,1; 2,4)) zeigten sich als assoziiert mit HBV. Insbesondere männliche Migranten hatten eine hohe Prävalenz von HBsAg (2,1 %) und 80 % waren sich ihrer Infektion nicht bewusst. Für HCV zeigten sich i.v.- Drogengebrauch (384 (233; 644)), Bluttransfusion vor 1992 (5,3 (3,5; 7,9)) und Migrationsstatus (2,4 (1,5; 3,6)) als assoziiert mit HCV [9]. Schlussfolgerungen Deutschland zählt weltweit zu den Niedrig- Prävalenzregionen für HBV und HCV, allerdings sind beide Infektionen in Risikogruppen stärker verbreitet. IVD und Migranten, insbesondere aus Hochprävalenzländern, haben häufig schlechteren Zugang zur Diagnostik, so dass von einer höheren tatsächlichen Prävalenz ausgegangen werden muss. Wie in anderen Ländern mit einer konzentrierten HCV-Epidemie in Hochrisikogruppen ist zu 24

Epidemiologie der Hepatitis A, B und C in Deutschland erwarten, dass künftig die Gesamtzahl der Neuinfektionen weniger stark ansteigt als in früheren Jahren. Hingegen muss mit einer steigenden Krankheitslast insbesondere von Hepatitis-C-bedingten Folgeschäden gerechnet werden. So ist einer aktuellen Modellierung für europäische Länder zufolge in den kommenden zehn Jahren in Deutschland eine deutliche Zunahme der Hepatitis-C-bedingten Leberzirrhose- und Leberkarzinomfälle und der Lebertransplantationen zu erwarten [10]. Trotz bestehender Hepatitis B-Impfempfehlung [11]. für Indikationsgruppen wie IVD, Haftinsassen und HIV-Koinfizierte sind die Seroprotektionsraten niedrig und zeigen die Notwendigkeit intensivierter Präventionsstrategien und verstärkter Impfangebote. Verschiedene Studien zeigen die deutlich höhere HBV und HCV-Prävalenz als in der Allgemeinbevölkerung bei Migrantengruppen, z. T. ist die Datenlage unzureichend. Entsprechende Studien, auch zur Erreichbarkeit, die Fokussierung und Umsetzung von Präventionsmaßnahmen sowie die konsequente HBV-Impfung im Kindesalter sind von Nöten. Referenzen 1. Poethko-Muller C. et al. Die Seroepidemiologie der Hepatitis A, B und C in Deutschland : Ergebnisse der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1). Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz, 2013. 56(5-6):707−15. 2. Robert Koch-Institut (RKI) Zur Situation bei wichtigen Infektionskrankheiten in Deutschland. Virushepatitis B und D im Jahr 2013. Epid Bull, 2014(30):259−74. 3. Robert Koch-Institut (RKI) Zur Situation bei wichtigen Infektionskrankheiten in Deutschland: Virushepatitis C im Jahr 2013. EpiBull, 2014. 31(2014):275−88. 4. Jansen K et al. P3. 196 High Prevalence of Hepatitis B (HBV) Coinfections, and Low Rate of Effective HBV-Vaccination in MSM with Known Date of HIV-1 Seroconversion in Germany. Sex Transm Infect, 2013. 89(Suppl 1):A209−A209. 5. Radun D et al. Cross-sectional Study on Seroprevalence regarding Hepatitis B, Hepatitis C, and HIV, Risk Behaviour, Knowledge and Attitudes about Bloodborne Infections among adult Prisoners in Germany - Preliminary Results. 2007, European Scientific Conference on Applied Infectious Disease Epidemiology (ESCAIDE). 6. Radun D, Weilandt C and Hamouda O. Querschnittsstudie zur Prävalenz von Hepatitis B, Hepatitis C, HIV und infektionsrelevantem Risikoverhalten unter Insassen ausgewählter Justizvollzugsanstalten in Deutschland in Verbindung mit einer Befragung von Justizbediensteten zu Wissen, Einstellungen, Risikobewußtsein und Verhalten zu Hepatitis B, Hepatitis C, HIV und Drogenkonsum. Abschlussbericht an das BMG 2007, Robert Koch-Institut, Wissenschaftliches Institut der Ärzte in Deutschland (WIAD e.V.). 7. Marschall T et al., Erhöhen Migrationen aus hohen und mittleren Endemiegebieten die Hepatitis-B-Prävalenz in Deutschland. Epidemiologische Schätzung der HBsAg- Prävalenz bei verschiedenen erwachsenen Bevölkerungsgruppen. Dtsch Med Wochenschr 2005. 130:2753−2758. 8. Cai W et al. Hepatitis B virus infections among children and adolescents in Germany: migration background as a risk factor in a low seroprevalence population. Pediatr Infect Dis J, 2011. 30(1):19−24. 9. Wolffram I et al. Prevalence of elevated ALT values, HBsAg, and anti-HCV in the primary care setting and evaluation of guideline defined hepatitis risk scenarios. Journal of Hepatology, (0) Journal of Hepatology 2015, http://dx.doi. org/10.1016/j.jhep.2015.01.011 10. Razavi H et al. The present and future disease burden of hepatitis C virus (HCV) infection with today‘s treatment paradigm, 2014, Journal of Viral Hepatitis 21:34—59. 11. Robert Koch-Institut (RKI) Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut, 2013, Epid Bull 34:314—344 Conferences 25

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