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CONNEXI 2015-02 AIDS und Hepatitis

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Retrospektive der 6. Münchner AIDS und Hepatitis Werkstatt 2015

Relevanz in Zeiten

Relevanz in Zeiten Interferon- und Ribavirin-freier Therapien selten ins Gewicht. Insbesondere stellen sie dann einen kritischen Faktor dar, wenn sie in Kombination mit weiteren Resistenzmutationen gegen weitere eingesetzte Substanzklassen auftreten. Diese Erkenntnisse beruhen größtenteils auf Erkenntnissen beim HCV-Genotyp 1. Der Kenntnisstand bei anderen Genotypen ist derzeit noch gering. Inwiefern sich eine Retherapie von Patienten mit persistierender Mehrklassenresistenz tatsächlich realisieren lässt, bleibt daher weiterhin fraglich. Eine Resistenz-Analyse vor erneutem Start einer kostenintensiven Therapie erscheint insbesondere bei Patienten mit vorliegendem Relapse oder virologischem Durchbruch unter DAA-Regimen sinnvoll. Referenzen 1. Jacobson IM, Dore GJ, Foster GR et al. Simeprevir (TMC435) with peginterferon/ribavirin for treatment of chronic HCV genotype 1 infection in treatment-naive patients: efficacy in difficult-to-treat patient sub-populations in the QUEST 1 and 2 phase III trials. 64th Annual Meeting of the American Association for the Study of Liver Diseases (AASLD 2013). Washington, DC, November 1-5, 2013. Abstract1122. 2. Molina JM et al. All-oral therapy with sofosbuvir plus ribavirin for the treatment of HCV genotypes 1, 2, 3 and 4 infection in patients co-infected with HIV (PHOTON-2). 20th International AIDS Conference, abstract MOAB0105LB, Melbourne, 2014. 3. Krishnan P et al., EASL 2014, #P1230 P1230 – Lack of Impact of Baseline Resistance- Associated Variants (RAVS) on Treatment Outcome in the Aviator Study with ABT-450/r, ABT-333, and ABT-267 +/- Ribavirin.4. Feld JJ, Kowdley KV, Coakley E, Sigal S, Nelson DR, Crawford D, Weiland O, Aguilar H, Xiong J, Pilot-Matias T, DaSilva- Tillmann B, Larsen L, Podsadecki T, Bernstein B Treatment of HCV with ABT-450/r-ombitasvir and dasabuvir with ribavirin. N Engl J Med. 2014 Apr 24;370(17):1594-603. Zu einer HCV-Resistenztestung wird geraten: 1. grundsätzlich vor Therapiestart 2. bei bekanntem Relapse oder virologischem Durchbruch 3. bei Infektionen mit dem Genotyp 1a 4. bei Infektionen außer Genotyp 1 Die Lösung finden Sie auf Seite 64. Conferences 28

Der natürliche Verlauf der Hepatitis C: Immer alle behandeln? Die Anti-D-Kohorte 35 Jahre später Manfred Wiese, Leipzig* Es existieren nur wenige prospektive Untersuchungen zum natürlichen Verlauf der chronischen HCV- Infektion. Jetzt gibt es nach 35 Jahren neue Verlaufsdaten von 718 Patientinnen der deutschen HCV (1b) AntiD Kohorte, die Aufschluss geben können über das Ausmaß der Chronifizierung mit drohender Zirrhose- oder eine HCC-Entwicklung. Die Kohorte setzte sich 1978/79 zusammen aus 2.867 jungen ostdeutschen Frauen, die durch eine Anti-D Immunprophylaxe iatrogen mit HCV infiziert wurden. Die wissenschaftlichen Untersuchungen der AntiD-Kohorte haben deshalb eine so große Bedeutung, weil es weltweit kaum HCV-Geschehen gibt, die von einer Quelle ausgingen und in denen der Infektionszeitpunkt exakt bekannt ist. Nur so ist es möglich, Aussagen über das Ausmaß der Chronifizierung mit drohender Zirrhose- oder HCC-Entwicklung zu machen. In unseren früheren Analysen unter 1.980 betroffenen Frauen konnte nach 20 bzw. 25 Jahren festgestellt werden, dass knapp die Hälfte der Infizierten das Virus spontan eliminiert und nur 0,5 % bereits eine Zirrhose entwickelt hatten. Wichtig war es nun, weitere Daten zum Langzeitverlauf zu erhalten, um festzustellen, ob mit zunehmendem Lebensalter ein stärkeres Zirrhoserisiko besteht und welchen Einfluss eine erfolgreiche Therapie auf das Risiko der Zirrhoseentwicklung und die Überlebenswahrscheinlichkeit besitzt. Im 35. Jahr nach Injektion der HCV(1b)-kontaminierten Anti-D-Chargen konnten wir 718 Frauen der ursprünglichen Anti-D-Kohorte nachuntersuchen (Abbildung 1). Patientinnen mit spontan oder therapeutisch ausgeheilter HCV-Infektion (n=189 bzw. 149) wurden mit denen verglichen, die weiterhin HCV-positiv waren (n=380, davon 197 Therapie-naive und 183 Nonresponder). Ergebnisse Abbildung 2 zeigt die Endpunkte der Studie: Zahl der Leberzirrhosen (HCV- und ethylisch bedingt) und Anzahl der Todesfälle in den Gruppen spontane Heilung, Therapie-naiv, erfolglose (NR) und erfolgreiche (SVR) Therapie nach 35 Jahren. 20 Verstorbene waren HCV-positiv, aber nur bei Prof. Dr. med. Manfred Wiese manfred.wiese@web.de neun ist die Hepatitis C als Todesursache anzusehen. Andere Todesursachen umfassen Herztod, Unfälle, Apoplex usw.. Abbildung 3 zeigt die Überlebenswahrscheinlichkeit 35 Jahre nach HCV(1b)-Infektion für Therapie-naive, erfolgreich (SVR) und nicht erfolgreich Therapierte (NR). Insgesamt ergab sich in der Kohorte der bei Anti- D-Prophylaxe HCV(1b)-infizierten Frauen nach 35 Jahren eine signifikante, aber im Vergleich mit anderen Kohorten nur milde Progression. Aktuell zeigten 9,3 % der Patienten klinische Anzeichen einer Leberzirrhose. Die Progression zur Zirrhose war wesentlich von der Persistenz der Hepatitis- C-Virämie abhängig: Patientinnen mit spontaner Conferences 29

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