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CONNEXI 2015-02 AIDS und Hepatitis

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Retrospektive der 6. Münchner AIDS und Hepatitis Werkstatt 2015

Eine weltweite Epidemie:

Eine weltweite Epidemie: Homophobie Florian Friedrich, Salzburg, Österreich Homophobie ist die Angst vor gleichgeschlechtlicher Sexualität und Liebe und äußert sich in Scham, Ekel, Aggression und Gewalt. Sie hat historische, soziale, kulturelle und psychologische Ursachen und wird von homo- und bisexuellen Menschen oft verinnerlicht, wenn diese in einem homophoben Umfeld aufwachsen [1, 2]. Homophobie ist im Laufe des 20. Jahrhunderts zu einem weltweiten Problem geworden [3]. Afrika: Erbe des Kolonialismus Das Beispiel Afrika führt uns vor Augen, dass Homophobie in zahlreichen Regionen ein Erbe des Kolonialismus ist. Zudem wird Homophobie in vielen Ländern geschürt und politisch instrumentalisiert. So sind homo- und bisexuelle Menschen ein beliebter Sündenbock, wenn es darum geht, von Korruption und Machtmissbrauch abzulenken [4]. Hinzu kommen evangelikale Gruppierungen aus den USA, welche gegen LGBTs (Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender/Transidente) mobil machen und Volksverhetzung begehen. Mit dieser Volksverhetzung stoßen jene „christlichen“ Hassprediger auch bei Machthabern der Politik auf offene Ohren [5, 6]. Trotz dieser Radikalisierung gibt es in vielen afrikanischen Staaten auch Gegenbewegungen von Aktivistinnen und Aktivisten, die sich für die Rechte von LGBTs einsetzen [7]. Es darf nicht vergessen werden, dass Homophobie kein rein afrikanisches Problem ist, sondern von Politikern/Politikerinnen und Hasspredigern bewusst geschürt und gesteuert wird. Tatsächlich ist diese feindliche Haltung ein junges Phänomen und wurde im Zuge des Kolonialismus und der christlichen Mission künstlich erschaffen. Zuvor gab es in Afrika über 40 Ethnien, die etwa die Ehe zwischen Frauen oder eine transidente Lebensweise akzeptierten [8, 6, 9]. Die Doppelmoral ist heute freilich groß, etwa dann, wenn lesbische und bisexuelle Frauen mit dem Vorwand, sie zur Heterosexualität konvertieren zu wollen, vergewaltigt werden [10]. Indien: Importierte Homophobie Auch das Beispiel Indien veranschaulicht die Radikalisierung der Homophobie im Laufe des 20. Jahrhunderts, selbstredend vor einem völlig anderen kulturellen Hintergrund. Indien ist ein Musterbeispiel für importierte Homophobie, ist doch gerade der Hinduismus eine tolerante Religion. In Indien wird Homosexualität seit der britischen Kolonialzeit bestraft. Während im Vereinigten Königreich dieses Strafgesetz 1967 aufgehoben wurde, blieb es in Indien bestehen. Des Weiteren herrscht im Kastenwesen eine streng heteronormative, männerdominierende Ordnung, welche heute einem selbstbestimmten homosexuellen Leben entgegensteht. LGBTs stehen 52

Homophobie in Indien häufig ratlos und allein gelassen ihren eigenen Gefühlen gegenüber und wissen diese nicht einzuordnen. Nur wenigen gelingt es, eine selbstbewusste Identität als LGBT zu entwickeln [11, 12]. Islamische Staaten: Lebensgefährliche Situation Äußerst problematisch ist die Situation in einigen islamistisch geprägten Ländern, in denen auf Homosexualität die Todesstrafe steht. Dies ist u.a. im Iran, in Saudi Arabien im Jemen und im Sudan der Fall [13]. Im Iran wurden seit der Revolution im Jahr 1979 4.000 LGBTs hingerichtet. Zugleich finden dort nach Thailand die meisten Angleichungen an das Gegengeschlecht statt, da diese als mit der Scharia vereinbar gelten. Aus diesem Grund werden viele schwule und bisexuelle Männer in die Transsexualität gezwungen, obwohl dies nicht ihrem inneren Empfinden entspricht. Die Betroffenen werden häufig schwer depressiv oder begehen Suizid [14]. Auch hier gilt, dass die Homophobie ein Import aus dem Westen ist. Die Diskriminierungen wurden vom Westen übernommen und dann verschärft, um sich gegenüber dem heute toleranteren Westen abzugrenzen [15]. Deutschland, Österreich: Diskriminierung Homosexueller Der Blick in weit entfernte Länder darf jedoch nicht davon ablenken, dass auch in Deutschland und Österreich Homo- und Transphobie ein großes gesellschaftliches Problem darstellen. Noch immer sind Diskriminierungen im Rechtssystem, in der Arbeitswelt, in den Schulen, den Ausbildungsstätten, den verschiedenen Institutionen und in zahlreichen Familien an der Tagesordnung. Florian Friedrich florian.friedrich@aidshilfen.at Homophobie ist tief in unserer Kultur verankert. Darüber hinaus wird in der Politik Homophobie aktiv durch Volksverhetzung oder durch Passivität und Nichtstun betrieben (etwa durch die Verweigerung der rechtlichen Gleichstellung von Seiten der Österreichischen Volkspartei). Fazit Homophobie ist ein großer Gegner im internationalen Kampf gegen HIV/AIDS und verhindert die Aufklärung und effiziente Behandlung von HIV-positiven MSM (Männer, die Sex mit Männern haben). Gerade unter stigmatisierten Minderheiten kommt es jedoch zu einer besonders raschen Ausbreitung von HIV [16]. Zudem darf die Psychodynamik bei diskriminierten schwulen und bisexuellen Männern [1], die HIV-positiv sind, nicht vergessen werden: Scham- und Schuldgefühle sowie die Selbstablehnung der eigenen Homosexualität hindern viele Betroffene, sich einer HIV-Therapie zu unterziehen. Zudem fördert die verinnerlichte Homophobie bzw. Heteronormativität selbstschädigendes Verhalten und das Eingehen von sexuellen Risikopraktiken [17]. Conferences 53

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