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CONNEXI 2015-05 Nephrologie Dialyse Transplantation

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Retrospektive vom Nephrologischen Seminar in Heidelberg, Erfurter Dialysefachtage, Expertenmeeting Dialyse in Erfurt, ERA EDTA in London 2015

Arbeiten, wo andere

Arbeiten, wo andere Urlaub machen Dialyse auf Schiffen Karl Wagner, Hohenfelde, und Peter Rittich, Hamburg Versorgungsqualität zu gewährleisten, gepaart mit dem Primat den Dialysepassagier ins Zentrum aller Bemühungen zu stellen. Zurzeit werden von „Kreuzfahrten mit Dialyse“ die Schiffe MS Astor (Fahrgebiet Europa), MS Europa 1 und MS Europa 2 (weltweit), sowie die Flusskreuzfahrtschiffe MS Bellejour (Rhein-Main-Mosel) und MS Belvedere (Donau) betreut. Ausstattung und Personal 24. Erfurter Dialysefachtagung Conferences Kreuzfahrten bieten eine ideale Gelegenheit unvergessliche Urlaubseindrücke zu gewinnen. Das Hotel ist immer dabei, die Verpflegung ist auf deutsche Bedürfnisse angepasst und das Schiff liegt fast jeden Tag in einem anderen Hafen, dessen Umgebung es durch geführte Ausflüge zu entdecken gilt. Weltweit wird Schiffsdialyse von drei Organisationen angeboten: Eine US-amerikanische Gesellschaft (ab San Diego bzw. Miami, in 2015 vier Abfahrten ab Europa), eine französische Gruppe, die aktuell fünf Dialysereisen anbietet und die deutsche Einrichtung „Kreuzfahrten mit Dialyse“, die zurzeit 53 Reisen in ihrem Programm hat. Um Dialysepatienten die faszinierende Reisemöglichkeit einer Kreuzfahrt zu eröffnen, sind einige Voraussetzungen notwendig. Oberster Grundsatz dabei ist es, eine optimale medizinische Im Schiff wird – meist im Schiffshospital – ein Dialysezentrum nach deutschem Standard eingerichtet. Es werden zwei bis acht Dialyseplätze vorgehalten. Isolierdialysen (HbS-AG) sind zum Teil möglich. Umkehrosmoseanlage (zur Ausfallssicherheit häufig doppelt ausgelegt), Ringleitung und robuste Bikarbonatdialysegeräte mit SN- und DN-Möglichkeit, die auch bei hohem Wellengang einwandfrei funktionieren, sind selbstverständlich. Neben den technischen Voraussetzungen ist erfahrenes Personal mit hoher technischer und sozialer Kompetenz die Basis für den Erfolg der Reise. In der Regel sind unabhängig von der Patientenzahl zwei Dialysefachkräfte und ein in Dialysebehandlung erfahrener Arzt an Bord. Deren langjährige Berufserfahrung ist Voraussetzung, um Dialysekomplikationen, die an Land als auch an Bord auftreten können, zu bewältigen. Defibrillator-Einrichtung, Notfallkoffer mit Intubationsbesteck, Absaugmöglichkeit, Anlagemöglichkeit für einen Shaldon- Katheter und Labor in Trockenchemie ergänzen die Sicherheitsvorhaltungen. Die Dialysedaten Dauer, Blutflussgeschwindigkeit und Dialysat-Kalium richten sich nach den Vorgaben der Heimatdialyse. Mehrheitlich Passagier sein Die Dialysetermine werden je nach Reiseverlauf vorab so festgelegt, dass der Patient im Zeitverlauf 28

Arbeiten, wo andere Urlaub machen mehrheitlich Passagier ist und an Landausflügen bzw. besonderen Veranstaltungen (z. B. Kapitänsempfang, Galadinner) teilnehmen kann. Die Dialyse erfolgt in der Regel in zwei Schichten. Auf Grund der besonderen Bedingungen an Bord – gutes Essen und viel Gelegenheit zur Flüssigkeitsaufnahme in Bordrestaurants und Bars wird jeden zweiten Tag dialysiert. Ein komplikationsträchtiges langes Intervall gibt es nicht. Das Dialyseabschlussgewicht sollte deshalb auch nach einer Woche an Bord um 0,5 bis 1 kg hochgesetzt werden. Finanzierung und medizinische Voraussetzungen Priv.-Doz. Dr. med. Karl Wagner wagner-akb@t-online.de Unabdingbare Voraussetzung für den Erfolg der Reise ist die Kooperation mit der Heimatdialyse. Diese liefert aussagekräftige medizinische Übergabeberichte und ein Dialyseübergabeprotokoll. Auch von Seiten der Borddialyse wird ein Übergabebericht erstellt. Nicht alle Spezialmedikamente können an Bord vorgehalten werden. Der Patient muss sein Epo-Präparat und bei Bedarf Orgaran bzw. Hirudin und weitere individuelle Spezialmedikamente mitbringen. Auch der Bedarf an oralen Medikamenten für die Reisedauer muss mitgebracht werden. Eine vorherige Abstimmung mit der Schiffsdialyse ist sinnvoll. Die Finanzierung der Schiffsdialyse ist sehr unterschiedlich. Dialysis at Sea (USA) verlangt 550 Euro pro Dialyse, Gerad Pons (Frankreich) 340 Euro. Bei „Kreuzfahrten mit Dialyse“ (Deutschland) kostet die Einzeldialyse 299 Euro. Der Betrag setzt sich zusammen aus der Kostenzusage der Krankenkasse für eine Einzeldialyse und einer Zuzahlung des Patienten in Höhe von ca. 120 Euro pro Dialyse. Im Gegenzug erhält der Patient eine meist erhebliche Reduktion auf die Schiffspassage, so dass die finanzielle Belastung des Patienten durch die Dialyse limitiert ist. Die Vorstellung, dass nur „ansonsten gesunde“ Dialysepatienten auf Kreuzfahrtdialyse gehen, ist nicht mehr zeitgemäß. Kontraindikationen, eine Schiffsreise zu unternehmen, sind sehr selten und dann auch sehr individuell ausgeprägt. Das Klientel bei einer Schiffsdialyse unterscheidet sich in Alter, Grunderkrankung und Komorbiditäten nicht vom üblichen Klientel einer Dialyse an Land. Achtzigjährige, gehbehinderte Dialysepatienten mit Zustand nach ACVB und Demers-Katheter sind somit keine Ausnahmen unter den Schiffsdialysepatienten. Aussicht Die nephrologische Gemeinschaft ist in zweierlei Hinsicht gefordert. Zu einem sind die Bedingungen an Bord so gut, dass mehr Patienten die Möglichkeit zur Schiffsreise eingeräumt werden kann. Zum anderen muss sich die Gemeinschaft dafür einsetzen, dass mehr Reedereien, z. B. die AIDA-Gruppe, bereit sind, ihr Happy-Life-Konzept auf Großkreuzfahrtschiffen zugunsten einer Inklusion auch von Dialysepatienten zu ändern. Conferences 29

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