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CONNEXI 2015-05 Nephrologie Dialyse Transplantation

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Retrospektive vom Nephrologischen Seminar in Heidelberg, Erfurter Dialysefachtage, Expertenmeeting Dialyse in Erfurt, ERA EDTA in London 2015

HemoControl Durch

HemoControl Durch Blutvolumen-gesteuertes Feedback kreislaufschonend Flüssigkeit entziehen Trotz der vielen in den vergangenen Jahren erzielten Fortschritte hinsichtlich Qualität und Effizienz der Hämodialysebehandlung bestimmen dialysebedingte Komplikationen wie die intradialytische Hypotonie (IDH) nach wie vor den klinischen Alltag auf vielen Dialysestationen. Hypotone Episoden verschlechtern die kurzfristigen und langfristigen Behandlungsergebnisse der Patienten erheblich und beanspruchen auch Ärzte und Pflegepersonal. Mit innovativen Biofeedbackverfahren wie der Therapieoption HemoControl-Modul des Artis Physio Dialysesystems (Gambro Hospal GmbH) kann die Ultrafiltration zur Vermeidung einer IDH an die individuellen physiologischen Bedürfnisse eines Dialysepatienten angepasst werden, wie Dialyse- Experten anlässlich des Symposiums „Trockengewicht und patientengerechte Blutvolumensteuerung“ am 7. Mai im Rahmen der Erfurter Dialysefachtagung anschaulich darstellten. 24. Erfurter Dialysefachtagung Education Bei der Hämodialyse werden den Patienten große Volumen intravasaler Flüssigkeit entzogen. Aus einem Zustand der Flüssigkeitsüberladung kurz vor Beginn einer Dialyse wird die überschüssige Flüssigkeit innerhalb von 3 bis 5 Stunden durch hohe Ultrafiltrationsraten entzogen. Eine Prozedur, die auch für Menschen mit einem gesunden Herz-Kreislauf-System eine nicht unerhebliche Kreislaufbelastung darstellen würde, wie Dr. med. Sebastian Koball, Universitätsklinikum Rostock, mit dem Vergleich eines langen Saunagangs mit hohem Flüssigkeitsverlust veranschaulichte. Dialysepatienten sind jedoch in den meisten Fällen kardiovaskulär vorerkrankt. Das dem Blutkreislauf entzogene Wasser wird nur langsam durch Refilling aus dem Interstitium kompensiert. Dies führt in der Regel zu einer moderaten Reduzierung des Indikationen für die HemoControl-Therapie • hämodynamisch instabile oder kardial beeinträchtigte Patienten • überwässerte Patienten mit hohen UF-Volumina und/oder hohe UF-Raten • Patienten mit subklinischer und symptomatischer IDH • Diabetiker • hypertensive Patienten zirkulierenden Blutvolumens. Wird Wasser jedoch schneller entzogen, als es nachfließen kann, kommt es zu einem schnellen Abfall des Blutvolumens. Hämodynamische Instabilität und kardiovaskuläres Risiko „Waren es früher insbesondere Patienten mit Diabetes mellitus, die einen großen Anteil an den Dialysepatienten stellten, kommen heute viele Patienten aufgrund eines kardiorenalen Syndroms in die Dialysepflicht“, wie Koball ausführte. „Diese Patienten sind in der Regel älter, haben eine eingeschränkte kardiale Pumpfunktion und können den Gefäßtonus nur noch unzureichend regulieren.“ Doch auch alle anderen Dialysepatienten sind bereits allein aufgrund ihrer renalen Grunderkrankung einem deutlich erhöhten kardiovaskulären Risiko ausgesetzt. Niereninsuffizienz gilt heute als ein unabhängiger kardiovaskulärer Risikofaktor und ca. 50 % aller Todesfälle unter den Dialysepatienten sind kardial und/oder vaskulär bedingt. Zu den spezifischen hämodynamischen, immunologischen und toxischen Auswirkungen einer Niereninsuffizienz, die für sich gesehen bereits für eine hämodynamische Instabilität prädestinieren, zählen linksventrikuläre Hypertrophie durch Volumenbelastung, arterielle Hypertension, gestörter Calcium-Phosphat-Haushalt, autonome Dysregulation, Mediasklerose und MIA-Syndrom 44

Hemocontrol (Malnutritions-Inflammations-Arteriosklerose- Syn drom). Aufgrund der mannigfaltigen atherogenen Faktoren leiden Dialysepatienten in der Regel an einer rasch fortschreitenden Arteriosklerose (KHK, pAVK) und/oder haben veränderte Herzklappen, sie sind nicht selten Schrittmacherpatienten, und damit den physiologischen Regulationsmechanismen der Herzfrequenz entzogen, oder sie nehmen Betablocker oder andere blutdrucksenkende Medikamente ein, was zusätzlich die Fähigkeit einschränkt, den Blutdruck trotz der erheblichen Volumenschwankungen bei der Ultrafiltration in den Grenzen konstant zu halten, in denen eine ausreichende Perfusion des Gewebes in optimaler Weise gewährleistet ist. Intradialytische Hypotonie Die intradialytische Hypotonie (IDH) gehört zu den häufigen Komplikationen während einer Hämodialysebehandlung [1]. Oft sind IDHs subklinisch und machen sich lediglich durch Gähnen oder Müdigkeit bemerkbar. Auch diese führen Vorteile der automatischen Blutvolumenregelung durch HemoControl • optimierte Flüssigkeitsentfernung • weniger IDH-bedingte Ereignisse [3] • Verbrauch von Albumin und Plasmaexpandern geht zurück • ruhiger Behandlungsverlauf • verbessertes Wohlbefinden der Patienten • weniger Interventionen des Personals Hypotone intradialytische Phasen mit Krämpfen, Übelkeit, Erbrechen und Schwindel sind nicht nur äußert unangenehm und belastend für die Patienten, sie bergen auch ein erhöhtes Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko. Zu den gefürchteten Komplikationen der IDH zählen kardiale, neurologische oder mesenteriale Ischämien, Arrhythmien sowie Thrombosen. Wird eine IDH symptomatisch, erfordert sie Dialysemodifikationen wie die Reduktion der UF oder Die HemoControl-Funktion optimiert die Behandlungs effektivität und es kommt zu deutlich weniger IDH-Ereignissen. langfristig zu beträchtlichen Einschränkungen der kognitiven Funktion, des kardiovaskulären Systems sowie der enteralen Perfusion. Eine IDH, deren Häufigkeit in der Literatur mit 20–55 % [2] angeben wird, kann episodisch oder auch chronisch persistierend verlaufen und wird definiert als ein intradialytischer Abfall des systolischen Blutdrucks um 20 mmHg oder des mittleren arteriellen Blutdrucks um 10 mmHg. ein UF-Stopp, ein höheres Dialysenatrium (fördert die Plasma-Refilling-Rate), eine verlängerte Dialysezeit (zum schonenderen Flüssigkeitsentzug) oder die Senkung der Temperatur der Dialysierflüssigkeit (begünstigt die Venodilatation). Bei einer akuten IDH müssen Gegenmaßnahmen wie die Verabreichung von Flüssigkeit, die Gabe von Plasmaexpandern und/oder Albumin oder die Verordnung vasopressorischer Medikamente getroffen werden. Education 45

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