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CONNEXI 2015-07 AIDS und Hepatitis

HIV und

HIV und AIDS im Wandel der Zeit ungenaue Replikation der Viren mit einer Fülle neuer genetischer Varianten, die gegen jeden neu entwickelten Impfstoff unempfindlich sind. Zurzeit wird an Strategien geforscht, die eine Heilung der HIV-Infektion ermöglichen sollen. Das Problem dabei ist, die circa 20.000 latent infizierten Zellen, die das genetische Material des Virus enthalten, zu zerstören oder das genetische Material aus den menschlichen Genen herauszuschneiden. Diese sehr komplexe Aufgabe zu lösen wird noch viele Jahre Forschung erfordern. Conferences Dr. med. Jörg Gölz goelz@snafu.de 2003 und 2007 kam mit den beiden Entry-Inhibitoren ein zusätzliches Therapieprinzip hinzu: Der Eintritt des Virus in die Zelle wurde verhindert. Seit 2008 konnte endlich das dritte Vermehrungsenzym – die Integrase – gestoppt werden. So steht heute ein breit gefächertes medikamentöses Instrumentarium zu lebenslanger Unterdrückung der Virusvermehrung zur Verfügung. Mit vier oncedaily-Regimes sind inzwischen auch die Anforderungen an die Compliance des Patienten erheblich gesunken. Standard ist heute, die antiretrovirale Therapie unmittelbar nach der Diagnose zu beginnen. Während durch die antiretrovirale Therapie kaum noch opportunistische Erkrankungen auftreten, häufen sich jetzt bei den behandelten Patienten andere Erkrankungen: Herzinfarkte, Apoplexe, Fettstoffwechselstörung, Diabetes mellitus, anale und kolorektale Karzinome, Lungentumore und Leberzirrhose bei gleichzeitiger chronischer Hepatitis C. Dieses letzte Problem dürfte aber durch die Hepatitis-Therapie mit zwei DAA allmählich verschwinden. In 30 Jahren konnte kein wirksamer Impfstoff gegen HIV entwickelt werden. Der Grund ist die Weitere Entwicklung der Epidemie In Afrika sinken die Neuansteckungen und die Todesfälle seit der Verbreitung der antiretroviralen Therapie deutlich. Erstaunlich ist, dass in Europa, in den USA und in Asien die Neuinfektionsraten nicht zurückgehen oder sogar weiter ansteigen, obgleich die antiretroviral Behandelten nicht mehr ansteckend sind. Dafür sind mehrere gesellschaftliche Gründe verantwortlich. Aus Angst vor der Diskriminierung lassen sich in Europa z. B. 30 % der HIV-Infizierten nicht testen und erhalten die Diagnose erst mit dem Auftreten der ersten opportunistischen Infektion oder dem ersten HIV-assoziierten Tumor. Diese „ late presenter“ stecken während ihrer jahrelangen Verleugnungsphase andere Menschen mit HIV an. Die Veränderungen der Sexualität durch die postmoderne Karnevalisierung des Lebens ist ein weiterer Grund für den Anstieg sexuell übertragbarer Krankheiten. Sexualität wird zunehmend nicht mehr nur als ein Element einer stabilen Partnerbeziehung gelebt, sondern wird zunehmend als kurzfristiges Erlebnis wie eine Ware konsumiert. Die digitalen Medien mit hunderten von Partnerbörsen erlauben einen raschen Wechsel der Sexualpartner. Eng damit verbunden ist der Anstieg des Konsums der Partydrogen Crystal-Meth, GHB und Ketamin: 12

HIV und AIDS im Wandel der Zeit Diese dopaminergen Substanzen erzeugen eine gesteigerte Lust nach sexueller Aktivität, Kritiklosigkeit und ein überhöhtes Selbstempfinden. Drei Wirkungen, die bei sexuellen Begegnungen die Übertragung von STI begünstigen. Mehrere sehr unterschiedliche gesellschaftliche Entwicklungen tragen ebenfalls erheblich zur Übertragung von STI und HIV bei: die asymmetrischen Kriege in 45 Ländern mit gehäuften Vergewaltigungen, jetzt vor allem durch IS und Boko Haram dokumentiert. Nach einer globalen 30-jährigen Landflucht in Asien, Afrika und Südamerika wohnen 1,2 Milliarden Menschen in den Slums der „arrival cities“. Der überwiegende Teil der Jugendlichen dort findet nur durch Konsum von und Dealen mit Drogen ein Auskommen. Im Jahr 2020 werden 1,6 Milliarden Menschen pro Jahr in andere Länder reisen. 40−45 % haben neue sexuelle Kontakte bei ihren Auslandsreisen. Kontraproduktiv sind auch Versuche die Prostitution zu verbieten. Sie wird dann unkontrolliert in der Hand des organisierten Verbrechens fortgesetzt. Der jährliche Umsatz der Prostitution beläuft sich weltweit auf 100 Milliarden US-Dollar. Unveränderte Diskriminierung HIV-Infizierter Im Gegensatz zu den immensen medizinischen Erfolgen bei der Behandlung der HIV-Infektion hat sich die Diskriminierung der HIV-Infizierten kaum verändert. Die moralischen Vorurteile über illegale Drogen, Sexualität mit wechselnden Partnern, Homosexuelle und Migranten sind in den letzten 30 Jahren in großen Teilen der Bevölkerung gleich geblieben. Es ist auch nicht verwunderlich, wenn man sich vergegenwärtigt, dass der Mensch seit Urzeiten zur Diskriminierung Andersartiger neigt. Dieser Mechanismus stärkt das Selbstwertgefühl, lässt auf niedriger Ebene zwischen Gut und Böse unterscheiden und besitzt deshalb eine fundamentale Rolle bei der Bildung eines sozialen Gemeinschaftsgefühls. Dieses anthropologische Grundbedürfnis macht es notwendig, den Kampf gegen Diskriminierung ganz allgemein und speziell gegen HIV-Infizierte dauerhaft durchzuhalten. Nur so lässt sich die Wahrung der fundamentalen Menschenrechte für diese Menschengruppe aufrechterhalten. Aktueller künstlerischer Beitrag zum gesellschaftlichen Diskurs Krankheits-, Aktivismus- und Kulturgeschichte von AIDS im DHMD In einer Sonderausstellung AIDS − NACH EINER WAHREN BEGEBENHEIT“ zeigt das Deutsche Hygienemuseum Dresden (DHMD) mehr als 200 Poster von internationalen Aufklärungskampagnen seit Beginn der 1980er Jahre. Die Retrospektive dokumentiert den gesellschaftlichen Umgang mit HIV/AIDS und zeigt wie sich parallel zur Verbreitung des HI-Virus die Kommunikation über die Krankheit entwickelt und gewandelt hat. Wenn es um AIDS geht, sind seit jeher auch unhinterfragte Gewissheiten und tief sitzende Vorurteile mit im Spiel. Auf AIDS-Plakaten aus der ganzen Welt sind unterschiedlichste Darstellungen und Metaphern des HI-Virus zu finden. Sie zeigen oft eine Darstellung der Gefahr, die von dem Virus ausgeht - das Virus als Minenfeld und Zeitbombe, todbringende Giftschlange oder parasiten- und monsterhafte Fantasiegestalt. Doch es gibt auch ein anderes Sprechen über diese Krankheit: das der Aktivisten und Kampagnen, Conferences 13

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