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CONNEXI 2015-07 AIDS und Hepatitis

HIV und

HIV und Komorbiditäten Education Patienten, die lange genug fit und somit therapiefähig sind, zur Folge. Dieses Phänomen habe für HIV-Therapeuten insofern besondere Bedeutung, weil das Durchschnittsalter der Patienten heute bereits bei 48 Jahren liegt und diese Patientenpopulation damit in naher Zukunft in die Risiko- Phase der onkologischen Erkrankungen kommt. Hauptaugenmerk bei heute verfügbaren Präventions-Optionen gelte der Sekundärprävention im Sinne von Früherkennung, da sich nur sehr wenige Erkrankungen durch eine Primärprävention, also Vorsorge durch Veränderungen des Lebensstils (z. B. UV-Schutz und Vermeidung inhalativer Noxen), tatsächlich verhindern lassen, wenn überhaupt. Die Datenlage zum Nutzen primärpräventiver Maßnahmen bzgl. der Verhinderung eines Karzinoms und damit Reduktion des Mortalitätsrisikos sei nicht sehr aussagekräftig. Aber auch bei Screeningmaßnahmen, die zur frühzeitigen Entdeckung von malignen Veränderungen in heilbaren Frühstadien als Kassenleistung angeboten werden, müssen Nutzen und möglicher Schaden, z. B. durch falsch positive Befunde, genau abgewogen und eine Über- bzw. Untertherapie vermieden werden, betonte Overkamp. Operationen auf der Basis falsch-positiver Ergebnisse können z. T. körperliche und psychische Belastungen nach sich ziehen, was nicht Sinn von Früherkennungsmaßnahmen sein könne. Jeder individuelle Fall sei deshalb einzeln zu bewerten. Insbesondere MSM haben für die Entwicklung einiger ausgewählter Krebserkrankungen ein besonders hohes Risiko: Neben klassischen AIDS-definierenden Erkrankungen wie Non-Hodgkin-Lymphom und Karposi Sarkom sind es das Anal- und Kolorektale –, das Bronchialkarzinom, maligne Melanome, Lymphome und das Prostatakarzinom. Dafür sollten dem Patienten verfügbare Testverfahren empfohlen und, sofern vorhanden, etablierte Screeningprogramme (Kolorektalkarzinom, malignes Melanom, Prostatakarzinom) genutzt werden, um die Patienten frühzeitig zu identifizieren und ggf. in fachärztliche Hände zu geben. Eine sorgfältige Familienanamnese kann Verdachtsdiagnosen erhärten, da das Auftreten von Krebs-assoziierten Erkrankungen bei Verwandten das Risiko deutlich erhöht. Um ggf. ein Bronchialkarzinom, wofür z. B. keinerlei etabliertes Screeningprogramm existiert, zu entdecken, sollten weitere (erworbene) Risikofaktoren wie Strahlenexposition, Rauchen oder auch eine berufliche Schadstoff-Exposition gecheckt werden. Eine gründliche ganzheitliche visuelle und palpatorische Untersuchung kann auffällige Hautveränderungen und gleichzeitig suspekte Auffälligkeiten an den Lymphknoten detektieren, gab Dr. Overkamp den HIV-Behandlern als praktischen Tipp. Angesichts der wenig überzeugenden Datenlage und der bestehenden Unsicherheiten in der Sekundärprävention sieht Dr. Overkamp die Perspektive der Krebsfrüherkennung in der Biomarkerforschung. Seine Prognose ist, dass in der nächsten Dekade wahrscheinlich Bluttests, auch im Sinne von Mutationstest in die Routine der Früherkennung einziehen werden. Über den aktuellen Stand der Früherkennung informiert www.onkopedia.com Nachsorge ist mehr als apparative Untersuchungen Wenn eine Krebserkrankung ausbricht, haben HIV-Patienten nicht nur eine erhöhte Inzidenz für Krebserkrankungen, sondern auch eine massiv erhöhte Tumor- und Infektions-assoziierte Mortalität, demonstrierte Dr. Güldenzoph anhand aktueller Daten aus den USA, wie sie im Journal of Clinical Oncology publiziert wurden. Dafür kommen unterschiedliche Ursachen in Betracht. Große Bedeutung haben dabei u. a. die Immunsuppression durch die Infektion und vermutlich auch durch die Therapie, die niedrige Zahl tumorinfiltrierender Lymphozyten oder die HIV-Transkription mit ihren proangiogenetischen und proliferativen Eigenschaften. Als erstaunlich und 40

HIV und Komorbiditäten Rehabilitation (ambulant oder stationär) Raucherentwöhnung, Suchtberatung Sozialberatung, Wiedereingliederung Psychoonkologie Selbsthilfegruppen, (Lungen-)sport Abbildung 2: Vor der eigentlichen Nachsorge erschütternd zugleich wertete Dr. Güldenzoph die Tatsache, dass es Daten darüber gibt, dass HIV-Patienten unzureichende onkologische Therapien erhalten. Hat ein HIV-Patient eine Krebserkrankung erlitten und wurde er behandelt, sollte die anschließende Betreuung mit einem Nachsorgekonzept erfolgen, das mehr als die technischen Untersuchungen (Bildgebung, Labor) in bestimmten Zeiträumen oder rein medizinische Maßnahmen wie z. B. die Therapie von Risikofaktoren (Blutdruck, Diabetes, Schilddrüsenfunktion) umfasst. Unbedingt dazu gehören eine ambulante oder stationäre Rehabilitation sowie Programme für Raucherentwöhnung bzw. Suchtberatung. Dem Patienten sollten sozial- und psychoonkologische Beratungen sowie Sport- und Selbsthilfegruppen angeboten werden, um die Wiedereingliederung in seinen beruflichen und privaten Alltag zu unterstützen. Unabhängig von der Tumorart, mit Nachsorgekonzepten jeweils unterschiedlicher Evidenz und Erfolgsaussicht, gibt es keine speziell auf HIV- Patienten ausgerichteten Nachsorgeempfehlungen für die besonders gehäuft auftretenden Entitäten. Grundsätzlich gelte, betonte Dr. Güldenzoph, dass sowohl Vor- und Nachsorge stets den individuellen Patientenrisiken − Alter, Dauer der HIV-Erkrankung, Koinfektionen, Begleiterkrankungen, Nikotin/Noxen − anzupassen seien. Dabei müsse außerdem berücksichtigt werden, dass HIV-Patienten ein erhöhtes Risiko für Rezidive und Zweitneoplasien haben. Aufgrund dessen benötigen sie ggf. engmaschigere Untersuchungen in kürzeren Kontrollintervallen und häufigere Konsultationstermine zu Beratungsgesprächen. Darüber hinaus wird eine weitere Teilnahme an etablierten Krebsvorsorgeuntersuchungen empfohlen. Wichtig für den HIV-Behandler sei, so fasste Dr. Güldenzoph zusammen, dass er ein gutes Vertrauensverhältnis zu seinem Patienten habe und gut vernetzt sei mit anderen Fachärzten, die bei Fragen zu eventuellen (onkologischen) Begleiterkrankungen auf kurzen Dienstwegen zur Verfügung stehen. Bericht: Elke Klug, Redaktion Quelle: Symposium „Vorsorge, Nachsorge, Früherkennung“ im Rahmen des 25. dagnä-Workshops 2015 am 25.09.2015 in Köln. Mit freundlicher Unterstützung der Hexal AG. Education 41

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