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CONNEXI 2016-02 Schmerz

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  • Schmerzkongress
  • Schmerzmedizin
Retrospektive des Deutschen Schmerzkongress 2015

Wunsch oder

Wunsch oder Wirklichkeit? Immunmodulierende Therapien beim Reizdarmsyndrom Paul Enck, Tübingen Die Ursache eines Reizdarmsyndroms ist nach wie vor unklar, die Diagnostik vor allem eine Frage des Ausschlusses anderer Erkrankungen und die Therapie immer noch vor allem symptomatisch und auf die Hauptsymptome der Erkrankung Schmerz, Diarrhö und Obstipation gerichtet. In den vergangenen Jahren wurden jedoch zunehmend Befunde bekannt, die das Reizdarmsyndrom mit dem Immunsystem verbinden. Die Befunde, die das Reizdarmsyndrom (RDS) mit dem Immunsystem verbinden, wurden hauptsächlich über folgende Hinweise bekannt: •• Hinweise auf phänotypische Ähnlichkeiten zwischen entzündlichen und funktionellen Darmerkrankungen, zum Beispiel eine reizdarmähnliche Symptomatik (erhöhte Stuhlfrequenz, Bauchschmerzen) bei Patienten mit Colitis ulcerosa in der Remission und ohne akute Entzündungszeichen; •• Hinweise auf eine erhöhte Inzidenz von funktionellen Magen-Darm-Beschwerden mit anderen immunregulierten Erkrankungen (Asthma, Allergien, Fibromyalgie); •• Hinweise auf immunologische Veränderungen, •• Hinweise auf Entzündungen und entzündliche Prozesse, die sich in der Klinik von RDS-Patienten als mögliche Ursache der Funktionsstörung finden, zum Beispiel eine bakterielle Überwucherung des Dünndarms, eine Glutensensitivität ohne Vorliegen einer Zöliakie und das postinfektiöse Reizdarmsyndrom. Was zählt zu den immunmodulierenden Therapien? Dementsprechend wurden und werden immunmodulierende Therapien vermehrt als mögliche Therapieansätze diskutiert. Dazu zählen die Therapie mit nur lokal wirksamen, nicht resorbierten Die Therapie ist immer noch vor allem symptomatisch und auf die Hauptsymptome des Reizdarmsyndroms ausgerichtet Conferences zum Beispiel niedriggradige Entzündungen im Serum (erhöhte Mastzellzahlen), im Darm (Mikrobiotakeimzahl und -diversität), in der Darmschleimhaut (Infiltrationen von Entzündungszellen) oder im enterischen Nervensystem (In-vitro-Zellreaktionen auf Überstände von Biopsien von RDS-Patienten), die als putative Biomarker des Reizdarmsyndroms gelten könnten; •• Hinweise auf Polymorphismen immunregulierender Gene als potenziell genetische Marker, die beim RDS vermehrt gefunden wurden sowie oder mit systemischen Antibiotika: Bislang liegen fünf randomisierte und placebokontrollierte Studien mit nichtresorbierbaren (Rifaximin) und eine mit einem systemischen Antibiotikum (Metronidazol) vor. Für Rifaximin ist die Wirksamkeit in einer Metaanalyse von fünf Studien gut belegt. Dies führte dazu, dass die Food and Drug Administration (FDA) eine Indikation für das Reizdarmsyndrom bestätigte, für systemische Antibiotika nicht. Antientzündliche Medikamente (Budesonid, Mesalazin) wurden bislang nicht direkt bei Patienten mit Reizdarmsyndrom eingesetzt, führten 16

Wunsch oder Wirklichkeit? aber – wenn ihre Einnahme wegen anderer Gründe erfolgte – zu einer Risikoreduktion, ein Reizdarmsyndrom zu entwickeln. Biologika mit antientzündlicher Wirkung werden vor allem mit Blick auf pflanzliche Produkte der traditionellen chinesischen (oder asiatischen) Medizin zur Behandlung rheumatischer Beschwerden diskutiert, bislang jedoch ohne Wirksamkeitsnachweis beim Reizdarmsyndrom. Demgegenüber wurde Pfefferminzölprodukten sowohl eine spasmolytische wie eine antientzündliche Wirkung zugeschrieben. Hier liegen bislang neun randomisierte placebokontrollierte klinische Studien beim Reizdarmsyndrom vor. Sie zeigen in einer Metaanalyse insgesamt eine gute Wirksamkeit, was jedoch die Frage nicht beantwortet, ob diese Wirksamkeit eher über die spasmolytische oder die antiinflammatorische Wirkweise zustande gekommen ist. Immunmodulierende Therapien spielen bislang keine zentrale Rolle Weiterhin zählen die pre- und probiotischen Therapien dazu: mit einzelnen Bakterienstämmen (Lactobazillen, Bifidobakterien) oder Mischpräparaten, als Nahrungsergänzung oder als Pharmakon. Hier ist die Datenlage besser. Insgesamt finden sich 56 placebokontrollierte klinische Studien. Allerdings ist die Studienlage so, dass manchen Autoren einen Vorteil von Probiotika beim Reizdarmsyndrom sehen, andere hingegen nicht [1]. Insgesamt erscheint aber die Befundlage nicht dafür zu sprechen, dass solche immunmodulierenden Therapien beim Reizdarmsyndrom eine zentrale Rolle spielen, und wenn dann nur für eine kleine Untergruppe von Patienten. Prof. Dr. Dipl.-Psych. Paul Enck paul.enck@uni-tuebingen.de Referenz 1. Mazurak N, Broelz E, Storr M, Enck P. Probiotic therapy in the irritable bowel syndrome – why is the evidence for clinical efficacy still poor and what can be done about it? J Neurogastroenterol Motil 2015; 21(4): 471–85. Erstveröffentlichung in Current Congress vom Deutschen Schmerzkongress 2015, mit freundlicher Genehmigung des Karl Demeter Verlages im Theime Verlag. Conferences 17

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