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CONNEXI 2016-02 Schmerz

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  • Schmerzkongress
  • Schmerzmedizin
Retrospektive des Deutschen Schmerzkongress 2015

Kognitive

Kognitive Verhaltenstherapie Maßgeschneiderte Psychotherapie für Patienten mit Fibromyalgie? Kathrin Bernardy, Bochum Die kognitiven Verhaltenstherapien sind gegenwärtig die am meisten genutzten psychologischen Therapien für ein weites Feld von Gesundheitsproblemen, inklusive chronischer Schmerzen [1]. Sie werden auch von Patienten mit einem Fibromyalgie-Syndrom häufig genutzt, da psychosoziale Faktoren eine wesentliche Rolle in Prädisposition, Auslösung und Verlauf dieses Syndroms spielen [2]. Zur Wirksamkeit von Verhaltenstherapien für Patienten mit Fibromyalgie-Syndrom (FMS) liegen zahlreiche randomisiert-kontrollierte Studien vor. Ein Cochrane-Review zur Beurteilung der Effektivität [3] zeigte kleine Effekte der kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) auf die FMS-Kernsymptome Schmerzintensität und Müdigkeit, welche jedoch kontrollgruppenspezifisch waren: Realisierten die Kontrollgruppen auch aktive Therapien (vor allem Bewegungstherapien), waren sie kurz- und langfristig genauso wirksam wie die Psychotherapien alleine. Dieses Ergebnis hatte sich bereits in einem früheren Cochrane-Review zu psychologischen Therapien bei chronischen Schmerzsyndromen gezeigt [4, 5]. Eine Netzwerk-Metaanalyse [6] zu FMS-Therapien offenbarte auch keine Überlegenheit der kognitiven Verhaltenstherapie gegenüber dem Ausdauertraining und den multimodalen Therapien. Komorbide psychische/psychiatrische Störungen Conferences Patienten mit einem Fibromyalgie-Syndrom zeigen teilweise eine deutliche Heterogenität in der Ausprägung von psychischen/psychiatrischen Komorbiditäten. So finden sich beispielsweise bei einem Teil der Patienten depressive Erkrankungen und/oder Traumafolgestörungen [7, 8]. Die jetzigen Psychotherapien für Schmerzpatienten fokussieren vor allem auf Mechanismen der Schmerzbewältigung und der Schmerzakzeptanz und weniger auf die komorbide psychische Störung einer Schmerzerkrankung. Dies mag für Fibromyalgie-Patienten mit dysfunktionaler Krankheitsverarbeitung 18

Kognitive Verhaltenstherapie ausreichend sein, nicht aber für solche, welche z. B. auch zusätzlich unter einer Traumafolgestörung leiden. Dies unterstreicht auch die Datenlage: Werden Fibro myalgie-Patienten mit komorbiden psychischen/psychiatrischen Stö rungen eingeschlossen, sinkt die Effektivität der kognitiven Verhaltenstherapie [3]. Die Entwicklung und Evaluation maßgeschneiderter Psychotherapien für Fibromyalgie-Subgruppen könnte also ein Schlüssel zur Erhöhung der Effektivität sein. In den letzten Jahren wurden einige Untergruppenstudien publiziert, in welchen kognitive, psychosoziale, klinische, neurobiologische und sensorische Variablen in Selbst- und Fremdeinschätzung einbezogen wurden. Zusammengefasst zeigt sich bezüglich psychologischer Faktoren in allen Studien eine Untergruppe, welche unauffällig zu sein scheint, d. h. wenig psychische Komorbiditäten und zugleich adäquate Schmerzbewältigungsstrategien aufweist. Dementsprechend finden sich in Dr. Kathrin Bernardy kathrin.bernardy@rub.de FMS-Gruppen handelt. Vorstellbar wäre auch, dass dieses Bündel an klinischen Beschwerden und Störungen eher den Grad der Chronifizierung anzeigt, Die Entwicklung maßgeschneiderter Psychotherapien könnte ein Schlüssel zur Erhöhung der therapeutischen Effektivität sein dieser Gruppe auch niedrigere Schmerzwerte und Beeinträchtigungen sowie eine höhere Rate an Patienten, die erwerbstätig sind (vgl. [9–19]). In allen Studien (vgl. ebd.) finden sich auch psychisch hoch beeinträchtigte Fibromyalgie-Patienten, mit komorbiden psychischen Störungen, depressiven und ängstlichen Symptomen, mit einer dysfunktionalen Schmerzbewältigung, ausgeprägtem Schmerzverhalten und hohen Schmerzwerten. Zudem zeigen die Studien in diesen Untergruppen auch erhöhte Kindheitsbelastungen, kognitive Einschränkungen sowie hohe sozialmedizinische Belastungen. Unklar ist, ob es sich hierbei um eine oder mehrere distinkte und weniger in krankheitsspezifischem Zusammenhang steht. Aufgrund der Vielzahl und Variabilität der erhobenen Merkmale, Variablen und Skalen in den FMS-Untergruppen-Studien ist diese Frage zurzeit nicht zu beantworten. Subgruppenspezifische „maßgeschneiderte “ Psychotherapie In Bezug auf eine subgruppenspezifische „maßgeschneiderte“ Psychotherapie für FMS-Patienten zeigt diese Datenlage vor allem die Notwendigkeit einer differenzierten psychologischen Diagnostik an, um die Conferences 19

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