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CONNEXI 2016-02 Schmerz

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  • Schmerzkongress
  • Schmerzmedizin
Retrospektive des Deutschen Schmerzkongress 2015

Aus medizinischer

Aus medizinischer Perspektive Tumorschmerztherapie Stefan Wirz, Bad Honnef, und Michael Schenk, Berlin Tumorschmerz ist neben Akutschmerz und chronifiziertem Schmerz eine der primären Aufgabenfelder der Schmerzmedizin. Tumorschmerzpatienten werden allerdings zumeist nicht durch Schmerzmediziner oder Palliativmediziner betreut, denn die primäre Versorgung findet bei den Onkologen und Hausärzten statt. Hierbei befinden sich Patienten häufig in einer widersprüchlichen Situation zwischen kurativem und schmerzmedizinischem Behandlungsansatz. So kann es auf Grund von Missverständnissen zu einem Ausbleiben der Mitteilung von Schmerzen an den kurativ agierenden Arzt kommen. Einzelne Aspekte hierbei sind beispielsweise die Angst, dass die Mitteilung von Schmerzen an den Onkologen das kurative Handeln negativ beeinflussen könnte, oder ein frühzeitiger Einsatz von Analgetika im Behandlungsverlauf zu einer nachlassenden Analgesie führen könnte. Bekannt ist auch das Phänomen der sozialen Gefälligkeit, bei der negativ Vernetzung der Versorgung Der Tumorschmerz nimmt vor dem Hintergrund des längeren Überlebens einen zunehmenden Stellenwert ein Conferences bewertete Äußerungen an den Arzt unterbleiben. Insofern ist die Wahrnehmung von Schmerzen oder Symptomen zwischen Ärzten und Patienten oft divergent, wie es beispielhaft eine Untersuchung zur Wahrnehmung von Symptomen durch Onkologen aufzeigen konnte [1]. Das Hinzuziehen von Schmerz- und/oder Palliativmedizinern bereits zu einem frühen Erkrankungsstadium ist essenziell für eine gute Patientenversorgung. Dass dieses Konzept der early integration neben der Verbesserung der Lebensqualität, der Affektlage und zur Prophylaxe von Schmerzchronifizierung auch einen positiven Einfluss auf Überlebenszeiten aufweist, zeigt unter anderem die Publikation von Temel et al. [2]. Vor diesem Hintergrund ist eine verbesserte Vernetzung von Schmerz- und Palliativmedizinern mit kurativ tätigen Onkologen eine wichtige Voraussetzung für die Verbesserung der schmerzmedizinischen Versorgung von Tumorschmerzpatienten. Schon in einem frühen Tumorstadium könnte die Kombination von kurativ und palliativmedizinisch ausgerichteten Behandlungskonzepten Schwellenängste der Patienten reduzieren. Gerade diese führen regelmäßig zu einer Unterversorgung dieser Patientengruppe durch eine qualifizierte Schmerzmedizin, denn: Schmerzmediziner bieten eine über das WHO-Stufen-Schema hinausgehende Expertise; so können auch therapiebedingte Schmerzen mit ihrer gesamten Spannbreite, beispielsweise von der chemo- oder radiotherapiebedingten Neuropathie bis zu akuten postoperativen Schmerzen nach onkologischen Operationen adäquat behandelt werden. Außerdem beherrschen Schmerzmediziner neben den medikamentösen auch die interventionellen Schmerztherapieverfahren [3, 4]. Tumorschmerz nimmt vor dem Hintergrund der erfreulichen Verbesserung der Überlebensdauer einen zunehmenden Stellenwert ein. Die Neufassung des ICD trägt u. a. diesem Phänomen Rechnung und definiert chronic cancer pain als eigene 22

Aus medizinischer Perspektive Entität im Kanon der chronischen Schmerzerkrankungen ungeachtet der speziellen Ätiologie oder schmerzphysiologischen Mechanismen. Fragen, ob es Chronifizierungsmechanismen oder Suchtproblematik analog dem „Nicht-Tumorschmerz“ gibt, treten zunehmend in den Vordergrund. Stadiengerechte Versorgung Mit der Verschlechterung des Allgemeinzustandes und zunehmender Symptomlast erleben Tumorpatienten einen Wandel der Patientenbedürfnisse, so dass der palliative Ansatz gemäß seiner Definition als Behandlung von Patienten mit einer inkurablen Erkrankung, begrenzter Lebenserwartung und Schmerzen sowie Symptomen in den Vordergrund tritt. Insofern sollte gerade die Koordination der Versorgungsangebote stadiengerecht gestaltet werden. Dazu ist eine intensivierte Kommunikation zwischen Schmerz- und Palliativmedizin zielführend. Die Einteilung in „nicht-palliative“ und „palliative“ Tumorschmerztherapie könnte hierbei hilfreich sein, Patienten in den am besten geeigneten Strukturen zu versorgen. Das Angebot reicht hierbei von der Schmerzambulanz, Schmerzpraxis, medizinisches Versorgungszentrum, stationäre schmerzmedizinische Einrichtung über die AAPV bis zur SAPV und Palliativstation. Dabei ist Dogmatismus hinsichtlich der „Behandlungshoheit“ nicht patientenorientiert, zumal viele Kollegen beide Weiterbildungen aufweisen und traditionell vor Ort eng zusammenarbeiten. Tumorschmerzpatienten stellen die gemeinsame Schnittmenge beider Fachrichtungen dar. Daher ist eine bessere Vernetzung im Sinne der Patienten. Priv.-Doz. Dr. med. Stefan Wirz stefan.wirz@cura.org Referenzen 1. Vogelzang NJ, Breitbart W, Cella D et al. Patient, caregiver, and oncologist perceptions of cancer-related fatigue: results of a tripart assessment survey. The Fatigue Coalition. Semin Hematol 1997: 34(3 Suppl 2): 4–12. 2. Temel JS, Greer JA, Muzikansky A et al. Early palliative care for patients with metastatic non-small-cell lung cancer. N Engl J Med 2010; 363(8): 733–42. 3. Docherty A, Owens A, Asadi-Lari M et al. Knowledge and information needs of informal caregivers in palliative care: a qualitative systematic review. Palliat Med 2008; 22(2): 153–71. 4. Dalgaard K, Bergenholtz B, Nielsen E et al. Early integration of palliative care in hospitals: A systematic review on methods, barriers, and outcome. Palliat Support Care 2014; 12: 495–513. Conferences 23

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