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CONNEXI 2018-9 AIDS Hepatitis

DIFFERENZIERTE

DIFFERENZIERTE PATIENTENKOLLEKTIVE Die ART speziellen Bedürfnissen anpassen Symposiumsbericht Aktuelle Informationen von der Welt-AIDS-Konferenz sowie spezielle Bedürfnisse von älteren HIV-positiven Menschen standen im Mittelpunkt eines assoziierten Symposiums im Rahmen des 28. dagnä-Workshops 2018. Dr. Nils Postel, München, präsentierte in einem IAC-Update 2018 ausgewählte Studienergebnisse und Dr. Annette Haberl, Frankfurt, beschäftigte sich in ihrem Vortrag mit HIV-positiven Frauen in der Menopause. EDUCATION Noch unter den Eindrücken der 22. Internationalen AIDS-Konferenz, die im Juli in Amsterdam mit rund 16.000 Teilnehmern aus 160 Ländern stattgefunden hatte, hob Dr. Postel „den Geist“ dieses größten Medizin-Kongresses der Welt hervor, der vor allem auch durch die Teilnahme und die Auftritte der Community geprägt ist. Betroffene vermittelten Erfahrungen, Probleme und Konflikte „aus erster Hand“, die so manche Erkenntnis und Interpretation von Studien-Daten in einem anderen Licht erscheinen lassen als Wissenschaftler, Mediziner und Betroffene in Westeuropa sie sehen. So erwähnte er beispielsweise eine Studie aus Botswana (TSEPAMO-Studie [1]), die sich seit längerem mit schwangeren HIV-positiven Frauen und Nebenwirkungen beschäftigt und unter Dolutegravir häufigere Neuralrohrdefekte verzeichnete (alle ART-Schwangerschaften ohne DTG 0,12 %, unter DTG 0,94 %, EFV 0,05 %). Bei der Entscheidung, welche Substanz in der Schwangerschaft geeignet ist, gebe es in Deutschland allerdings keine Zweifel, „da unsere Leitlinie Dolutegravir und Efavirenz in der Schwangerschaft ohnehin nicht empfiehlt, und nach guter Datenlage sichere und sehr verträgliche Substanzen wie Raltegravir für Schwangere zur Verfügung stehen“, betonte Frau Dr. Haberl. In Afrika gehe es um die Nutzen/Risiko-Abwägung zwischen DTG und EFV, diese Frage stellt sich bei uns nicht, demonstriere jedoch unterschiedliche Sichtweisen. Selbstverständlich müsse man entsprechende Signale aus den Studien aufmerksam verfolgen. Besonders beeindruckt hatte Dr. Postel eine ältere Afrikanerin, die berichtet hatte, dass man sich auf ihrem Kontinent bereits Gedanken mache über die „vierte 90“ der 90-90-90-Ziele, nämlich, wie man Patienten, die unter der Nachweisgrenze sind und älter werden, mit möglichst wenig Koerkrankungen würdevoll alt werden lassen könne. Diesen Gedanken griff Postel auf: „In wenigen Jahren werden unsere Praxen aussehen wie heute schon die Hausarztpraxen 70-, 80-jährige Patienten sind die Hauptklientel. Wir werden es mit Demenz, Immobilität, Pflegebedürftigkeit, Polypharmazie, Inadhärenz, Einsamkeit und verschärften Formen von Diskriminierung (alt, schwul, HIV-positiv – eine gefährdete Mischung) zu tun bekommen. Ich bezweifle, dass wir in Deutschland, abgesehen von der guten medikamentösen Versorgung, darauf vorbereitet sind. Wir brauchen Konzepte, wie wir damit umgehen wollen“, so sein Appell. Als eines der wichtigsten Ergebnisse der Konferenz schätzt Postel die der zweiten Phase der PARTNER-Studie [2] ein: Diese bestätigte die Ergebnisse der PARTNER 1, die zeigten, dass es bei diskordanten MSM-Paaren auch bei kondomlosem Sex nicht zur Ansteckung kommt, wenn der HIV- Positive adäquat behandelt ist. Wichtig für den Beratungsalltag sei, dass sich diejenigen, bei denen es zu einer Ansteckung gekommen war, bei einem „Seitensprung“ infiziert hatten. Aus den Ergebnissen einer australischen Studie [3] mahnte Postel mehr Aufmerksamkeit für die anale Gesundheit der Patienten an. Die digitale rektale Untersuchung stieß in dieser Studie auf eine sehr hohe Akzeptanz. Mit einer jährlichen Zytologie, wie sie auch in der deutschen Leitlinie verankert ist, aber zu wenig beachtet werde, könn- 28

DIFFERENZIERTE PATIENTENKOLLEKTIVE ten mehr frühe Analkarzinome diagnostiziert werden, so die Schlussfolgerung. In verschiedenen Studien konnte in Amsterdam untermauert werden, dass HIV-Erkrankte häufiger an Depressionen leiden, und Depressive schlechter vor Infektionskrankheiten geschützt sind. Eine UK-Studie [4] identifizierte z. B. 27 % Depressionen in der HIV-positiven Gruppe vs. 12 % in der HIV-negativen Gruppe. Zudem seien Männer bzgl. depressiver Erkrankungen insgesamt unterdiagnostiziert, konstatierte Postel. Außerdem wurde gezeigt, dass Depressionen mit Alkohol und Substanzgebrauch korrelieren, jedoch nicht mit der CD4-Zellzahl und der HIV-Viruslast [5]. Für Dolutegravir, das bei der diesjährigen IAC besonders im Fokus stand, zeigten die Ergebnissen einer französischen prospektiven Kohortenstudie im Vergleich zu geboostetem Elvitegravir und Raltegravir signifikant häufiger neuropsychiatrische Nebenwirkungen. „Signale aus Kohortenstudien“, so Postel, „sollten immer Aufmerksamkeit erregen und Anlass sein, genauer hinzuschauen.“ Eine entsprechende Metaanalyse des Herstellers (n=3.350) bestätigte die französischen Ergebnisse bislang nicht. Beachtenswert ist für Postel die Tatsache, dass die neuropsychiatrischen Nebenwirkungen bei den Menschen erhöht sind, die bereits eine psychiatrische Erkrankung in ihrer Vorgeschichte haben. Es bestehe also noch weiterer Untersuchungsbedarf. Die Analyse läuft noch bis März 2019. Mit der Prevenir-Studie [6] (n=1.600, mittleres Follow-up sieben Monate), in der die Zuverlässigkeit der PrEP optional täglich vs. on demand untersucht wurde, konnte Molina bestätigen, dass PrEP on demand sicher und schnell funktioniert. Auch wenn die Tabletten selten eingenommen werden, besteht bereits nach der 2. anlassbezogen eingenommenen Tablette ein Schutz. Es gab keine einzige HIV-Infektion. Abschließend plädierte Postel für verstärkte Anstrengungen, mehr Menschen, die nichts von ihrer Infektion wissen oder Angst vor der seelischen Belastung einer Diagnose haben, in Behandlung zu bringen. Und zwar, indem alle Möglichkeiten der HIV-Testung ausgeschöpft werden – mehr Aufklärung zum Risikobewusstsein, zuverlässige Verfügbarkeit des Tests, bessere Kampagnen, mehr Werbung, HIV-Test-App, Empfehlung des Heimtests, der seit September in Deutschland in Apotheken, Drogerien und online offiziell verfügbar ist. HIV-Infektion und Menopause Wurde HIV-positiven Frauen bisher recht viel Aufmerksamkeit geschenkt, wenn es um eine Schwangerschaft ging, so standen in Frau Dr. Haberls Ausführungen dieses Mal Frauen in den verschiedenen Phasen der Menopause, also jenseits des gebärfähigen Alters, im Mittelpunkt (vorzeitige -, Prä-, Peri- und Postmenopause; ab ca. dem 45. Lebensjahr). Denn „die HIV-Schwerpunktbehandler werden zunehmend mit diesem Thema zu tun bekommen.“ Das bringe jedoch auch mit sich, dass zu genetischen Dispositionen, Lebensstil, Geschlecht, der chronischen Infektion und der lebenslangen Therapie die „Alterserkrankungen“ noch hinzukommen. Das mache die Behandlung sicher nicht einfacher und fordere die einfühlsame Begleitung der Frauen sowie eine enge Zusammenarbeit mit den gynäkologischen Fachkollegen. Leider gibt es bei uns (noch) keine Studie, die menopausale Frauen fokussiert, bedauert Annette Haberl und greift deshalb auf die Daten einer kürzlich abgeschlossenen Studie in England zurück. Die PRIME-Studie (Positive Transitions Through the Menopause) befragte von 2015 bis 2018 an 21 englischen Schwerpunktzentren unter Einbeziehung der Community mehr als 1.000 Frauen EDUCATION 29

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