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CONNEXI 2019-3 Neurologie

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EPILEPSIE Therapeutische

EPILEPSIE Therapeutische Weichenstellungen beim Übergang von Adoleszenz ins Erwachsenenalter Andreas Schulze-Bonhage, Freiburg CONFERENCES Mit dem Übergang von jungen Epilepsiepatienten ins Erwachsenenalter treten eine Reihe von Änderungen auf, die teils durch die Epilepsien, weit mehr jedoch durch Aspekte der Patientenführung, erweiterter medikamentöser und nichtmedikamentöser Behandlungsoptionen und durch neue soziale Aspekte bedingt sind. In dieser Transitionsphase ist daher eine enge Zusammenarbeit der behandelnden Ärzte (Neuropädiater und Neurologen) erforderlich, um sicherzustellen, dass Patienten eine ihrem Alter und Entwicklungsstand entsprechende optimale Therapie erhalten und neue Aspekte, die mit dem Erreichen des Erwachsenenalters relevant werden, in die Therapieplanung einfließen. Für die Übergabe des Patientenmanagements zum Erwachsenen-Neurologen und -Epilep tologen ist zunächst eine umfassende Epikrise der Grundlagen der Syndromklassifikation sowie bisheriger Behandlungsansätze, ihrer Wirksamkeit und Verträglichkeit wichtig. Dies vermeidet eine erneute Wahl bereits als nicht sinnvoll erkannter Therapieansätze und ermöglicht eine erneute Gesamt-Eva- 38

EPILEPSIE luation der Behandlungssituation, auch in Hinsicht auf bislang nicht eingesetzte medikamentöse oder nichtmedikamentöse Behandlungsoptionen. Medikamentöse Therapie Neue medikamentöse Optionen können sich etwa aufgrund der Zulassungssituation ergeben, da mit dem Alter von 16 bzw. 18 Jahren neue Medikamente für Kombinationsbehandlungen oder auch in Monotherapie neu verfügbar werden. Der Wechsel ins Erwachsenenalter bietet auch Gelegenheit, spezifische Medikationen des Kindesalters erneut kritisch zu hinterfragen. So haben manche Medikamente wie Stiripentol eine Wirkung auf bestimmte GABA-Subrezeptoren, die im Kindesalter wesentlich stärker exprimiert werden als im späteren Leben, so dass ein Wechsel auf ein anderes Antiepileptikum auch unter pharmakodynamischen Aspekten sinnvoll sein kann. Eine große Rolle spielt bei weiblichen Patienten die Frage nach einer Medikation, die eine wirksame orale Verhütung erlaubt (insbesondere die Vermeidung starker Enzyminduktoren), sowie im Falle eines Kinderwunsches eine frühzeitige Evaluation geeigneter Monotherapien. Insbesondere stellt sich bei vielen Patientinnen die Frage, ob ein Verzicht auf Valproat möglich ist, das im Kindesalter weiterhin breit eingesetzt wird, bei Patientinnen im gebärfähigen Alter jedoch nicht nur aufgrund eines höheren Risikos teratogener Wirkungen, sondern auch wegen einer Gefährdung der Hirnreifung und der intellektuellen Entwicklung des Fetus problematisch ist. Während Valproat bei Vorliegen einer fokalen Epilepsie meist ohne größere Probleme gegen ein gleich wirksames anderes Antiepileptikum ausgetauscht werden kann, ist es bei generalisierten Epilepsien weiterhin wesentlich wirksamer als mögliche Ersatzoptionen etwa durch Lamotrigin oder Levetiracetam. Hier ist ein Andreas Schulze-Bonhage andreas.schulze-bonhage@uniklinik-freiburg.de frühzeitiges Austarieren möglicher Ersatzoptionen erforderlich, gegebenenfalls unter zeitweiser Inkaufnahme einer unvollständigen Kontrolle milder Anfallstypen, um eine optimale Vorbereitung auf eine Schwangerschaft zu gewährleisten. Nichtmedikamentöse Behandlungsansätze Insbesondere bei nicht zufriedenstellend kontrollierten fokalen Epilepsien bietet der Arztwechsel eine Gelegenheit, erneut über die korrekte Syndromklassifikation nachzudenken und bildgebende oder EEG-Befunde unter Einsatz moderner Technologien (3T-Scanner mit der Option der Gewinnung hochauflösender dreidimensionaler Datensätze; ggf. Anfallsaufzeichnungen im Video- EEG-Monitoring) zu erweitern, um auch nichtmedikamentöse Behandlungsoptionen auszutarieren. Bei Pharmakoresistenz ist die Epilepsiechirurgie die nachgewiesen wirksamste Behandlungsmöglichkeit; an erfahrenen Epilepsiezentren erzielen 50−80 % der operativ behandelten Patienten CONFERENCES 39

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