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CONNEXI 2020-3 Infektiologie

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SUCHTERKRANKUNGEN

SUCHTERKRANKUNGEN Psychische, soziale und wirtschaftliche Folgen der Restriktionen in der Coronapandemie können für Suchtkranke in einer Katastrophe enden. CONFERENCES berücksichtigt werden die psychischen, medizinischen, sozialen und wirtschaftlichen Folgen, die durch die restriktiven Maßnahmen verursacht werden, katastrophal sind und auch tödlich sein können. Die medizinischen, sozialen und wirtschaftlichen Folgen wirken sich wiederum auf die Psyche der Menschen aus und führen bei suchtkranken Patienten zu Rückfällen oder Dosissteigerungen. Für Alkoholkranke und viele andere Suchtkranke bedeutete das Verbot Selbsthilfegruppen zu besuchen die Wegnahme einer der wirksamsten Therapien, die ihnen eventuell über Jahre ein abstinentes Leben ermöglicht hat. Die Ärzteschaft muss zur Kenntnis nehmen, dass sie aufgefordert wird, großzügig zu substituieren, wo sie vor der Coronakrise noch Strafanzeigen erhalten hat und, folgt man nur dem Gesetzestext, auch nach wie vor angezeigt werden können. Dennoch bleibt zumindest in Bayern genug Zeit für die Polizei, die stark verunsicherten Opioidabhängigen – die Szene ist praktisch weggebrochen – auf aus der Praxis geschmuggelte Substitutionsmittel zu untersuchen. Welche Verhältnismäßigkeit liegt dem zugrunde? Hoffentlich kehrt bald Vernunft ein, so dass auch diese aktuelle Infektionskrankheit eine positive Erneuerung für die Suchtkranken bringen kann. Davon ist bisher nichts zu sehen. Referenzen: 1. Backmund M, Eichenlaub D, Soyka M. Das Bundesmodellprojekt „Qualifizierte Entzugsbehandlung Drogenabhängiger“ an einem Krankenhaus der Maximalversorgung: Konzept, Inanspruchnahme und klinische Ergebnisse. Gesundheitswesen 1998;60:552−557. 2. Backmund M, Meyer K, Eichenlaub D, Schütz CG. Predictors for completing an inpatient detoxification program among intravenous heroin users, methadone substituted and codeine substituted patients. Drug Alcohol Depend 2001a;64:173−180. 3. Paterson BL, Backmund M, Hirsch G, Yim C. The depiction of stigmatization in research about hepatitis C. Int J Drug Policy 2007;18:364−373. 4. Backmund M, Meyer, K, von Zielonka M, Eichenlaub D. Treatment of Hepatitis C Infection in Injection Drug Users. Hepatology 2001b;34:188−193. 5. Backmund M, Hinrichsen H, Rossol S, Schütz Ch, Sokya M, Wedemeyer H, Reimer J. Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Suchtmedizin: Therapie der chronischen Hepatitis C bei intravenös Drogengebrauchern. Suchtmed 2006; 8: 129-133. 6. Backmund M, Meyer K, Holzke D, Bernhard-Wehmeier W. Suchtverlauf nach Entlassung aus der qualifizierten Entzugsbehandlung am Klinikum Schwabing (2005-2007). Suchtmed 2008;10:215−221. Prof. Dr. med. Markus Backmund Praxiszentrum im Tal (pit), Lehrpraxis der LMU München Tal 9, 80331 München 22

COVID-19 Das Herz in der Pandemie © Stockcrafter/Alamy Stock Foto Die Krankheitsverläufe der Coronavirus-Erkrankung sind wenig spezifisch und variieren stark von symptomlosen Verläufen bis zu schweren Pneumonien mit Lungenversagen und Tod [1]. SARS-CoV-2 verursacht dabei nicht nur eine virale Lungenentzündung, sondern hat auch erhebliche Auswirkungen auf das kardiovaskuläre System. Patienten mit kardiovaskulären Risikofaktoren wie männliches Geschlecht, fortgeschrittenes Alter, Diabetes, hoher Blutdruck und Adipositas sowie Patienten mit etablierten kardiovaskulären Erkrankungen wie arterielle Hypertonie und Herzinsuffizienz wurden als besonders gefährdete Populationen mit erhöhter Morbidität und Mortalität bei COVID-19 identifiziert. Auch wenn die genaue Prävalenz und Ätiologie noch nicht zuverlässig angegeben werden kann, eine kardiovaskuläre Beteiligung bei Patienten mit schwerer COVID-19-Erkrankung ist häufig. In den letzten Wochen hat es immer wieder Berichte von Patienten gegeben, die im Rahmen einer SARS- CoV-2-Infektion schwere Herzmuskelschäden erlitten. Eine Kardiomyopathie kann die Folge einer Myokarditis, einer systemischen Entzündung und/ oder einer mikrovaskulären Dysfunktion sein. Kardiale Beteiligung bei COVID-19 Ein beträchtlicher Anteil der Patienten entwickelt im Zusammenhang mit einer SARS-CoV-2-Infektion eine kardiale Schädigung, was ein erhöhtes Risiko für eine Sterblichkeit im Krankenhaus (in hospital mortality; IHM) zur Folge hat [2]. In den letzten Wochen wurde unter anderem von Medizinern aus Wuhan, dem Zentrum der Pandemie in China, berichtet, dass es bei einem Fünftel aller Patienten zu einem Anstieg des hochsensitiven Troponin T kommt und dass diese Patienten eine deutlich schlechtere Prognose aufweisen. Abgesehen von arteriellen und venösen thrombotischen Der Nachweis einer kardialen Beteiligung ist bei COVID-19 mit einer schlechteren Prognose assoziiert . Komplikationen, die sich als akute Koronarsyndrome (ACS) und venöse Thromboembolien (VTE) manifestieren, spielt die Myokarditis bei Patienten mit akuter Herzinsuffizienz eine wichtige Rolle. Darüber hinaus wurde über ein breites Spektrum CURRENT REPORT 23

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