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CONNEXIPLUS 2020-4 Kardiorenale Achse

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Anzahl der Nephrone in

Anzahl der Nephrone in der Niere und der Expression renaler Harnsäuretransportproteine ab [2]. Nachdem sowohl eine verminderte Nephronenzahl (Niereninsuffizienz) als auch genetische Varianten in Harnsäuretransportern in der Bevölkerung häufig sind, handelt es sich bei der Hyperurikämie um ein prävalentes Phänomen. Ob und wann dies auch ein medizinisches Problem ist, und gegebenenfalls sogar mit Harnsäure-senkenden Therapien behandelt werden muss, ist seit Jahrzehnten Gegenstand andauernder Kontroversen. Asymptomatische Hyperurikämie und Progression der Niereninsuffizienz Dr. Stefanie Steiger, PhD stefanie.steiger@med.uni-muenchen.de connexiplus Die Hyperurikämie ist durch einen erhöhten Harnsäurespiegel gekennzeichnet (≥6,5 mg/dl) und verläuft in 60 % bis 70 % der Fälle asymptomatisch ohne Anzeichen einer klinischen Symptomatik. Früher oder später kann eine persistierende asymptomatische Hyperurikämie in eine manifeste Gichtarthritis oder Urat-Nephropathie übergehen als Folge des Ausfallens der Harnsäure in Form von Kristallen in Gelenken und den Nieren. Dass ein kausaler Zusammenhang zwischen asymptomatischer Hyperurikämie und Gichtarthritis besteht, gilt als unbestritten [3–5]. Diskutiert wird, inwieweit die asymptomatische Hyperurikämie mit Komorbiditäten wie Niereninsuffizienz, metabolischem Syndrom, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen [6–10] assoziiert ist. Eine eindeutige Evidenz für einen kausalen Zusammenhang gibt es bisher nicht. Die Harnsäure ist unter anderem auch als Gefahrensignal des Immunsystems bekannt. In-vitro-Studien zeigen, dass die Harnsäure pro-entzündliche Signalwege aktiviert [11, 12], zur Freisetzung proentzündlicher Zytokine beiträgt [13], oxidativen Stress verursacht [14, 15] und die Zellproliferation fördert [16, 17]. Tiermodelle, die auf der intraperitonealen Injektion hoher Harnsäurekonzentrationen [18, 19], oraler Kaliumoxonat-Gabe [15, 20], chirurgisch-induzierter oder diabetischer Nephropathie [13, 21] basieren, zeigen, dass die Hyperurikämie (2–5 mg/dl) einen Nierenschaden verursacht und zur Progression beiträgt. Im Gegensatz dazu stehen Arbeiten, die der Harnsäure eine protektive Wirkung im Hinblick auf neurodegenerative Erkrankungen [22, 23] sowie auf kardiovaskuläre Komplikationen, Alterung und Krebserkrankungen zuschreiben, da die Harnsäure als Scavenger für Sauerstoffradikale agiert [24–29]. Kontroverse Rolle der Harnsäure Die entscheidende Frage ist, wie diese kontroversen Daten zur funktionellen Rolle der Harnsäure zustande kommen. Zum einen könnte dies an den Harnsäure-Präparationsmethoden liegen, die für In-vitro-Experimente verwendet werden. In der Literatur werden bisher zwei Wege beschrieben, um die Harnsäure in Lösung zu bringen, entweder das Erwärmen bei 37°C [11, 12, 14, 30, 31] oder das Auflösen mittels Natriumhydroxid (NaOH) [32]. Zum 42

HARNSÄUREKRISTALLE IM URIN a b Abbildung 1: Vergleich von Harnsäure-Präparationsmethoden für In-vitro-Studien. Lichtmikroskopie zeigt Harnsäure-Mikrokristalle nach Erwärmen der Harnsäurelösungen (50 mg/dl, links), aber nicht nach Auflösen der Harnsäure mittels Natriumhydroxid (NaOH, 50 mg/dl, rechts) (a). Harnsäurekonzentration der hergestellten Lösungen beider Präparationsmethoden im Vergleich zur erwarteten Harnsäurekonzentration (Grafik links) und pH-Wert der Lösungen beider Präparationsmethoden (Grafik rechts) (b) [33]. anderen, könnte das Fehlen eines geeigneten Tiermodells zur asymptomatischen Hyperurikämie mit klinisch relevanten Harnsäurespiegeln der Grund sein. Um diese Diskrepanzen zu überwinden, haben wir uns beide Erklärungsmöglichkeiten angeschaut. Unsere In-vitro-Daten zeigen, dass die Harnsäurelösungen nach Erwärmen bei 37°C Mikrokristallverunreinigungen aufweisen, nicht aber nach Auflösen der Harnsäure mittels NaOH (Abbildung 1a) [33]. Darüber hinaus waren die Harnsäurekonzentrationen und pH-Werte der Lösungen nach Erwärmen im Vergleich zu den erwartenden Konzentrationen (nur 30 % bei der höchsten Konzentration) sowie den Präparationen mit NaOH (Abbildung 1b) viel niedriger. Es liegt connexiplus 43

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