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CONNEXI 10-2016 Aids Hepatitis

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Neue Erkenntnisse und

Neue Erkenntnisse und aktuelle Kontroversen Top 10 Paper HIV Matthias Stoll, Hannover Anhand von zehn ausgewählten Publikationen zum Thema HIV/AIDS sollen Streiflichter auf neue Erkenntnisse und aktuelle Kontroversen seit dem vorangegangenen dagnä-Workshop geworfen werden. Fallbericht: Exitus durch Hymenolepsis nana „Das Böse ist nur die Abwesenheit des Guten“ (A. v. Hippo, 4. Jhdt. n. Chr.). Circumcision des Mannes Was macht den beträchtlichen protektiven Effekt der Circumcision des Mannes im Hinblick auf die HIV-Transmission aus? Conferences Dieser Satz charakterisiert das Dilemma, welches AIDS auslöst, wenn ein intaktes Immunsystem im Verlauf durch das HI-Virus zerstört wird. Ein beispielloser Fallbericht [1] aus Kolumbien berichtet von einem HIV-Infizierten mit fortgeschrittenem Immundefekt, der an einem disseminierten metastasierenden und − in einem doppelten Sinne − opportunistischen Tumor verstarb: Ursprung der Erkrankung, die in Lymphknoten und zahlreiche Organe gestreut hatte, war nicht etwa der Wirt, sondern der Bandwurm (Hymenolepsis nana), von dem der Patient zuvor befallen war. Partner-Studie zu TrasP Treatment as prevention (TrasP) – Wie weit schützt die ART des HIV-positiven dauerhaften Partners vor einer Übertragung von HIV in einer serodiskordanten Partnerschaft? Diese Frage untersuchte die Partner-Studie [2] an 1.166 Paaren mit einem Follow-Up von 1.238 PY. Im Mittel hatte, obwohl zur Kondomprävention geraten wurde, jedes Paar knapp 40 ungeschützte Kontakte pro Jahr. Es gab neun Übertragungen von HIV, von denen jedoch keine einen phylogenetischen Link zum HI-Virus des Partners hatte. TrasP schützt somit – auch ohne Kondom – recht sicher vor HIV, dies aber nicht bei Gelegenheitskontakten außerhalb der Beziehung, und sie schützt auch nicht vor anderen STIs (Inzidenz: 6−17 %). Diese Frage untersuchten Esra et al. [3] in einem Review anhand von alten und neuen Hypothesen: Demnach ist nur ein Teil der Protektion auf die Metaplasie des Epithels der Glans penis direkt zurückzuführen. Ein bisher unterschätzter Anteil dürfte durch eine Änderung des Mikrobioms an der Glans verursacht sein. Die alte Hypothese, dass die Protektion vor HIV durch eine relative Resistenz gegen STIs bedingt ist, wird von den Autoren eher als ein Confounding und weniger als eine Ursache interpretiert. Somit könnte es sein, dass der in jüngster Zeit mehr auf das Screening allgemeiner STIs verlegte Fokus in den Präventionskampagnen weniger Einfluss als erhofft auf die HIV-Prävention hat. Mikrobiomvergleich Mütter und Kinder Bisher nicht eindeutig zu erklären ist die Beobachtung, dass sich die Mikrobiome der Brustwarzen, des Geburtskanals und der Brustmilch zwischen HIV-positiven und HIV-negativen Müttern nicht unterschieden, wohl aber die Mikrobiome (Haut und Darm) von deren neugeborenen (HIV-negativen) Kindern in Abhängigkeit des HIV-Status der Mutter [4]. Eine Hypothese ist, dass der Effekt getrieben sein könnte durch von der ART veränderte probiotisch wirksame Oligosaccharide in der Muttermilch bei stillenden HIVpositiven Müttern. 12

Neue Erkenntnisse und aktuelle Kontroversen bNABs Breit neutralisierende monoklonale Antikörper (bNAbs) gegen HIV sind nach subcutaner Gabe in niedrigen Konzentrationen über mehrere Wochen in der Lage, die HIV-Replikation in vivo beim Menschen zu unterdrücken [5]. Solche Antikörper könnten möglicherweise künftig als Elemente einer PrEP oder ART Einsatz finden. % unter 200 Kopien/ml 100 75 50 25 No bNAb + 3BNC117 0 5 10 15 20 Wochen der analytischen Therapieunterbrechung Abbildung 1: HIV-positive Probanden unter wirksamer ART wurden einer „analytischen“ Therapieunterbrechung (ATI) unterzogen. Der Wiederanstieg der Viruslast erfolgt danach im Mittel binnen drei Wochen (blaue Linie). Bei den Probanden, welche den bNAB 3BNC117 (rote Linie) erhielten, verzögerte sich der virologische Rebound um 9–19 Wochen. Rebound- Virusstämme wiesen in 8/13 Fällen eine relative Resistenz gegen den Antikörper 3BNC117 auf. (modifiziert nach [5]) Einflussfaktoren auf den viralen Setpoint Was bestimmt den viralen Setpoint, dessen Höhe ein wichtiger Prognosemarker des individuellen Progressionsrisikos der HIV-Infektion darstellt? Obwohl in jüngster Zeit mehrere HIV-Vakzina tionsstudien insgesamt enttäuschend verlaufen wa ren, boten die hohen Serokonversionsraten aber eine Gelegenheit, nennenswerte Zahlen an frühen HIV- Professor Dr. med. Matthias Stoll stoll.matthias@mh-hannover.de Serokonvertern systematisch zu analysieren [6]. Es stellte sich heraus, dass in der akuten Serokonversion die HIV-Infektion in 25 % bzw. 32 % nicht nur auf ein, sondern auf mehrere phylogenetisch verwandte Founderviren zurückzuführen war. Der Nachweis von multiplen Founderviren war in beiden Studien mit einem signifikant höheren viralen Setpoint verknüpft. Eine andere Studie untersuchte die – mutmaßlich wirtsseitig genetisch prädeterminierte – Fähigkeit mit breit überlappender CTL-Immunantwort auf das beherbergte Virus zu antworten. Die Höhe des viralen Setpoints korrelierte negativ mit der Breite der Immunantwort und war weniger stark vom Ausmaß der Adaptation der CTL-Antwort gegen das individuelle HI-Virus abhängig [7]. HOPE-Studie zum Einfluss von Belohnung auf die Adhärenz Ein finanzieller Anreiz für den Patienten war kein ein geeignetes Mittel zur Verbesserung der Adhärenz: In der HOPE-Studie [8] wurden gut 800 HIV-positive Drogengebraucher in verschiedene Conferences 13

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