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CONNEXI 10-2016 Aids Hepatitis

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Gesundheitspolitik unter

Gesundheitspolitik unter der Lupe ausforderungen: „Während bei HIV/Aids eine ambulante Schwerpunktbildung bereits seit Jahren sehr positive Ergebnisse zeigt, existiert in den Strukturen bei der Versorgung von Menschen mit Hepatitis und STI Aufholbedarf“. Er sprach sich für einen „großen Schritt nach vorne“ aus: „Ein gemeinsamer Ansatz für HIV, Hepatitis und STI ist der richtige Weg. Das bedeutet aber auch, den ambulanten Infektiologen zu stärken, um künftigen Herausforderungen wirksam zu begegnen“. Ein Blick ins Ausland sei hilfreich – sowohl für die Stellung der Infektiologie wie auch für sinnvolle Netzwerkstrukturen wie die Londoner Dean Street. Zukünftig werden integrierte und niedrigschwellige Angebote, die Prävention und Versorgung zu bündeln, immer wichtiger. In diesem Punkt war sich die Runde einig. Elfi Scho-Antwerpes kommentierte: „Wir können uns solche Kooperationen von Selbsthilfe und Ärzten sehr gut vorstellen – eigentlich muss dieser Ansatz bundesweit eingeführt werden“. Das BMG fördert deshalb in den nächsten drei Jahren die wissenschaftliche Begleitung des Walk in Ruhr (WIR)- Zentrums in Bochum. Der dort gewählte Ansatz sei eine Möglichkeit der Kooperation unter einem Dach, so Ines Perea. Möglich sei grundsätzlich eine Vielzahl an „passgenauen regionalen Angeboten“. Am Beispiel von Berlin skizzierte Axel Baumgarten ein STI-Konzept, das Prävention, Testung und Behandlung verzahnt: „Eine solche, auch räumlich enge Struktur von Infektiologen, Psychologen und Selbsthilfe ist gerade in einem Hotspot wie Berlin überfällig“. Urteil. An dieser Stelle zeigten sich in der Diskussion dann auch verschiedene Sichtweisen: „Wir müssen bei der PrEP dringend handeln“, forderte Elfi Scho- Antwerpes. Axel Baumgarten pflichtete ihr bei und warnte vor einem entstehenden Schwarzmarkt sowie unkontrollierbarem Wildwuchs. Die Chancen der PrEP sah auch Ines Perea, wies zugleich aber auf rechtliche Hürden bei der Implementierung und offene Fragen der Finanzierung hin – diese seien schwierig zu lösen. Dazu Elfi Scho-Antwerpes: „Wir müssen noch dicke Bretter bohren“. Bericht: Robin Rüsenberg Conferences Chancen und Hürden der PrEP Über den Wert der PrEP als neuer HIV-Präventionsmethode erlaubt sich die HIV/Hepatitis/STI- Strategie der Bundesregierung kein abschließendes 20

The Story Behind® Zeichen der Individualität Michael Kaplan, Edinburgh Das grundlegende Dilemma der Medizin ist immer, dass wir Krankheiten und ihre Behandlung nur aus statistischer Sicht objektiv studieren und bewerten können. Das Erleben von Krankheit und Genesung ist aber rein persönlich und subjektiv. Ja, die Statistik sagt, dass ein bestimmtes Medikament bei 5.579 von 10.000 Patienten „eine Wirkung zeigt“ (bei p < 0,05) – aber für mich als Patient hat das keine Bedeutung. Ich bin krank, habe Schmerzen, habe Angst. Was können Sie für mich tun? Das ist eine ganz natürliche Reaktion: Wir Menschen wollen immer als Individuum wahrgenommen werden; unser Charakter und unsere Bedürfnisse unterscheiden uns von anderen Menschen. Unsere Kleidung, unsere Hobbys und unser Musikgeschmack sollen unsere Individualität ausdrücken – warum dann nicht auch unsere Wahl der Behandlung von Krankheiten? Tatsächlich liegt die vermeintliche Stärke der meisten vorwissenschaftlichen (und unwissenschaftlichen) Ansätze genau darin, dass sie individuell auf den einzelnen Patienten eingehen: Von den Zaubersprüchen und Talismanen des Schamanen über die Tränke der Ärzte im Mittelalter, die die Balance der „Körpersäfte“ wieder herstellen sollten, bis hin zur Irisdiagnostik und den „persönlichen Energiefeldern“ der Pseudomedizin unserer Tage. Betrachten wir eine ganz bestimmte Behandlungspraktik: Sie ist eine der ältesten Methoden überhaupt, schon aus archäologischen Funden bekannt. Nur die Schädeltrepanation ist noch älter. Und doch haben wir das, was dort entdeckt wurde, früher meist falsch interpretiert. Lange, lange vor unserer Zeit wurde diese Methode schon von den Ägyptern angewandt, aber auch von den Persern, den Chinesen, den Germanen und vielen anderen Völkern. Auch heute noch findet man sie in allen Teilen der Welt. Ihr Ruf ist allerdings zwiespältig. In manchen Kulturen ist sie beliebt, in anderen wird sie verachtet. Manche Menschen nutzen diese Methode, um ihre Zugehörigkeit zu einer Gruppe zu betonen, andere wollen gerade zeigen, dass sie nicht dazugehören. Für manche Menschen ist sie eine soziale Notwendigkeit, für andere nur eine Laune. Die Menschen, die sie als medizinische Maßnahme einsetzen, sind gleichzeitig diejenigen, die eine soziale Einstufung aufgrund dieser Maßnahme besonders entschieden ablehnen. Außerdem ist genau diese Behandlungsmethode, die einst zur Heilung eingesetzt wurde, inzwischen selbst zu einem bedeutenden Vektor der Krankheitsverbreitung geworden. Welche Form der Behandlung ist hier gemeint? 1. ein Körperschmuck? 2. ein Ritual? oder 3. ein Ernährungs-Tabu? Senden Sie uns Ihre Antwort über unsere Website Unter den richtigen Einsendungen verlosen wir ein Buch über Wissenschafts- und Medizingeschichte. Conferences 21

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