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CONNEXI 10-2016 Aids Hepatitis

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Hohe Akzeptanz und

Hohe Akzeptanz und bereits einige Erfahrungen dagnä-Umfrage zur PrEP 2016 Ivanka Krznaric, Berlin Die Prä-Expositionsprophylaxe (PrEP) wird aktuell in der HIV-Prävention heiß diskutiert. Die „Pille davor“ wirft dabei Fragen auf: Was wissen HIV-negative Menschen überhaupt über die PrEP? Gibt es bereits Erfahrungen und Präferenzen? Eine dagnä-Umfrage bringt Licht ins Dunkel. Um mehr über den Bedarf und die Einstellung insbesondere von Männern, die Sex mit Männern haben (MSM), zur PrEP zu erfahren, startete die dagnä im März 2016 eine Online-Umfrage. Bereits im Jahr 2013 gab es eine ähnliche Untersuchung mit rund 340 Teilnehmern. An der neuen Umfrage nahmen bis Ende Juni 2016 über 1.200 Menschen teil. Die Ergebnisse von 948 HIV-negativen Personen konnten schließlich ausgewertet werden. Hiervon waren 95 % Männer und von diesen wiederum 91 % MSM. Im Median waren die Teilnehmer 40 Jahre alt. hatten (fast 78 %). Zudem konnten einige Erfahrungen festgestellt werden: Bereits jetzt nutzen fast 7 % der Interessierten die PrEP, davon sogar über 43 % kontinuierlich. 20 % hatten die PrEP einmalig genutzt. Auch hier waren Personen mit vorherigen Risikokontakten und/oder STI stark repräsentiert. Woher beziehen die PrEP-Nutzer die Medikation? 50 45 2013 2016 Conferences Würden die Befragten eine PrEP nehmen? 85 % der Teilnehmer zeigten sich über die PrEP informiert. Im Jahr 2013 waren es nur 53 %. Zudem können sich mehr als 63 % vorstellen, die PrEP auch zu nutzen. Mit fast 70 % wird dabei jedoch die „on demand“-Einnahme unmittelbar vor und in den Tagen nach einem Risikokontakt bevorzugt (Tabelle 1). Die PrEP-Akzeptanz ist besonders in der Gruppe der 25- bis 39-jährigen MSM mit Risikokontakten (77 %) hoch sowie bei Menschen, die bereits eine oder mehr sexuell übertragbare Infektionen (STI) Tabelle 1: Einstellungen gegenüber der PrEP (n=948) mit PrEP- Erfahrung ohne PrEP- Erfahrung würden PrEP nicht nutzen 4,6 % 39,2 % insgesamt 36,8 % würden PrEP nutzen kontinuierlich „on demand“ 95,4 % 52,3 % 47,7 % 60,8 % 29,1 % 70,9 % 63,2 % 30,7 % 69,3 % 40 35 30 25 20 15 10 5 0 Arzt Freunde Internet Sonstiges Abbildung 1: Bezugsquellen der PrEP. Zum Zeitpunkt der Umfrage gab es für die PrEP in Deutschland noch keine Zulassung. Dennoch nimmt bereits ein Teil der Befragten die PrEP, wobei offenbar von einem gewissen Graubereich ausgegangen werden muss: Nur ca. 30 % erhielten die Medikation durch Ärzte verschrieben, fast 28 % jedoch aus dem Internet und 33 % bezogen die PrEP von Freunden. Im Vergleich zur Untersuchung von 2013 (14,3 %) spielt vor allem der Bezug über das Internet eine zunehmende Rolle (Abbildung 1). 24

Hohe Akzeptanz und bereits einige Erfahrungen Was wissen wir über die Teilnehmer? 66 % der Befragten gaben an, in den letzten zwölf Monaten einen HIV-Test gemacht zu haben. Bei 16 % wurde in den letzten sechs Monaten eine STI diagnostiziert, am häufigsten Gonorrhö. Gefragt nach dem sexuellen Risikoverhalten, also ungeschütztem Geschlechtsverkehr, berichteten 23,7 % von mehr als fünf Risikokontakten in den letzten sechs Monaten. Bei 2,4 % existierte intravenöser Drogengebrauch. Besonders hoch war das Risikoverhalten in der Altersgruppe der 25- bis 39-Jährigen und bei Personen, die bereits eine STI hatten. Was soll die PrEP kosten? Gegenwärtig kosten die der PrEP zugrunde liegenden Arzneimittel monatlich ca. 820 Euro. Die Mehrheit will – oder kann – eine solche Summe aus eigener Tasche nicht schultern: Gefragt, welchen Betrag sie bereit wären, privat pro Monat für eine PrEP-Behandlung zu bezahlen, ergab sich von allen Befragten, die eine PrEP nutzen würden, eine durchschnittliche Summe von 93 Euro im Monat. MSM mit PrEP-Akzeptanz machten hier keinen Unterschied. Werden nur die mittleren 50 % gemessen, um statistische Verzerrungen auszuschließen, ergibt sich eine Spannbreite von 50−100 Euro monatlich. Insgesamt würden nur neun Personen mehr als 1.000 Euro zur PrEP selbst beisteuern. Relative Klarheit bei der Frage, ob die PrEP durch die Kostenträger im Gesundheitssystem bezahlt werden soll: Von allen Befragten befürworteten 49 % eine Übernahme sämtlicher Kosten durch die Krankenversicherungen, bei den Personen, die die PrEP nutzen (wollen), sind dies sogar 60 %. Bei den vermuteten Kosten der PrEP zeigte sich hingegen ein sehr gemischtes Bild: 40 % der Befragten waren der Meinung, dass die monatlichen Kosten einer PrEP bei unter 200 Euro liegen sollten – zugleich gingen weitere 40 % von Kosten von mehr als 500 Euro aus. (Abbildung 2) Fazit Dr. med. Ivanka Krznaric krznaric@zibp.de 40 36 32 28 24 20 16 12 8 4 0 2013 2016 < € 200 € 200-500 > € 500 Abbildung 2: Vermutete Kosten der PrEP. Die Umfrage zeigt einen hohen Bekanntheitsgrad (85 %) und eine breite Akzeptanz (63 %) der PrEP. Dies gilt nicht zuletzt bei Männern mit häufigem Risikoverhalten, die auch von anderen sexuell übertragbaren Erkrankungen berichten. Die PrEP scheint außerdem bereits jetzt in einem gewissen Umfang (7 %) genutzt zu werden – und dies offenbar ohne ärztliche Begleitung. Eine Erstattung durch einen Kostenträger käme vor allem den PrEP-Interessierten entgegen, da die zu erwartenden Kosten die eigenen Möglichkeiten oder die Bereitschaft als Selbstzahler übersteigen. Dr. Ivanka Krznaric ist Fachärztin für Allgemeinmedizin/Infektiologie (DGI) im Zentrum für Infektiologie Prenzlauer Berg. Conferences 25

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