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CONNEXI 10-2016 Aids Hepatitis

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Plenarvortrag

Plenarvortrag Conferences Verfügung hatten, wird auf lange Sicht nicht ausreichend sein. So kalkulieren die Australier z. B. [3], wenn man 40 Jahre lang eine HIV-Therapie bekäme mit den Substanzen, die (bis 2013) auf dem Markt waren, dann wird es bei 30−35 % der Patienten am Ende nach möglichem Wirksamkeitsverlust, Unverträglichkeiten etc. keine adäquate Option mehr geben. Außerdem müsste man sich vielleicht auch von bestimmten „Schubladen“ trennen. CD4-Helferzellen beispielsweise werden in der klinischen Routine an Bedeutung verlieren, während ich in innovativen Technologien wie PCR-Tests oder auch Biomarkern, der Genechip-Technologie sowie der Entwicklung von Therapieansätzen auf Grundlage der Proteomic-Forschung Zukunftspotenzial sehe. HIV-Medizin morgen: Spannend, innovativ oder „nur“ Routine? Waren die HIV-Infektion mit opportunistischen Infektionen und einzelne Krankengeschichten für Mediziner lange Zeit auch eine faszinierende Herausforderung, so benötigt der HIV-Spezialist heute eine spezifische Expertise für nur wenige „schwierige Fälle“. Oft betreut er „nur noch“ eine gut wirksame Therapie, gibt positive Unterstützung und überprüft Routineparameter. Bei aller ärztlichen Herausforderung einer immer noch speziellen medizinischen Betreuung bei HIV/Aids ist das vielen jungen Ärzten heute offenbar zu wenig. Außerdem gibt es aktuell keine überzeugenden Konzepte für die Nachwuchsarbeit im Bereich der klinischen Infektiologie, sowohl ambulant als auch stationär. Karrierewege werden eher in klassischen Disziplinen gesucht, die HIV-Behandlung mehr als „add on“ in Erwägung gezogen. Das ist insofern bedenklich, da einerseits in den nächsten Jahren ein Generationswechsel bei den Behandlern stattfinden wird, andererseits sich jedoch die älter werdenden HIV-Patienten mit diversen Komorbiditäten unter ART verändern und Infektiologen vor ganz neuen Herausforderungen stehen werden. ART − Status quo 2016 HIV ist eine chronische Erkrankung mit lebenslanger Behandlung und inzwischen häufig vergleichbarer Lebenserwartung wie in der HIV-negativen Bevölkerung. Bei der ART-Erstlinientherapie liegt der Fokus heute auf der Senkung der Virusreplikation, der Verhinderung der Erkrankungsprogression und der Prävention einer Resistenzentstehung. Im weiteren Verlauf geht es in der lebenslangen ART + - Therapie um die Begrenzung des Schadens durch die Infektion, durch die Medikamente, um Therapieverschlankung, Komorbiditäten und Alterung sowie maximale Ausweitung der Lebensqualität der Patienten. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, ist es notwendig, der nächsten Generation der HIV- Behandler, d. h. dem akademischen Nachwuchs in der Infektiologie, mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Nur rund 17 Millionen Menschen, gut die Hälfte derer, die aktuell weltweit mit dem HI-Virus leben, haben nach Angaben von UNAIDS Zugang zu einer antiretroviralen Therapie. Um das im Jahr 2014 beschlossene Joint United Nations Programme on HIV/AIDS (UNAids)-Ziel 90-90-90 zu erreichen, liegt noch viel Arbeit vor der Weltgemeinschaft, den politisch Verantwortlichen in den Industrieländern und der Pharmaindustrie. Es gibt in der HIV-Medizin noch viele Schrauben, an denen man drehen kann. Literatur beim Verfasser Prof. Dr. Behrens ist Präsident der Deutschen AIDS-Gesellschaft. 28

3A – Analyse Nr. 6 Vergleich HIV-infizierter Frauen zu HIV-infizierten Männern − antiretrovirale Behandlung und Begleiterkrankungen Nikola Hanhoff, Katja Römer, Susanne Usadel, Gaby Knecht für die 3A-Arbeitsgruppe Ziel der multizentrischen Querschnittsanalyse (Oktober 2014 bis Juni 2016) ist die Beschreibung HIVinfizierter Frauen in Deutschland in Hinblick auf deren Soziodemografik, Krankheitszustand, Begleiterkrankungen und Therapie. Die Ergebnisse wurden mit einem Kollektiv HIV-infizierter Männer sowie einem historischen Kollektiv HIV-infizierter Frauen verglichen. Die Ergebnisse der Studie sollen die Bedürfnisse dieser Patientenpopulation besser charakterisieren und dann entsprechend in der Behandlung Berücksichtigung finden. Eine Einladung zur Teilnahme erhielten alle dagnä-Mitgliedspraxen und Ambulanzen. Daten wurden anhand eines Online-Fragebogens erhoben, welcher einmalig pro Patient/Patientin ausgefüllt wurde. Für den Vergleich mit einem historischen Kollektiv HIV-infizierter Frauen diente die Analyse 3 aus dem Jahr 2007/2008 mit Daten zu 1.557 Frauen. Resultate Es wurden bundesweit Daten zu 781 HIV-positiven Frauen und 200 Männern erhoben. Die Frauenund Männer-Kohorten unterscheiden sich nicht im Alter (durchschnittlich 45 Jahre (w) vs. 44 (m); 2007/8: 36 Jahre). alcohol abuse drug use hepatitis B – acute hepatitis B – chronic hepatitis C – acute hepatitis C – chronic COPD hypertension cardiovascular illness diabetes mellitus renal insufficiency psychiatric illness – depression psychiatric illness – other menopausal symptoms abnormal estrous cycle 0,0 0,3 0,5 0,3 0,0 0,0 4,0 4,0 5,5 4,6 4,5 3,3 men women 5,5 9,5 p=0.09 5,0 4,0 16,6 19,5 p=0.346 2,4 7,5 p=0.002 7,5 3,3 2,5 4,4 21,0 21,8 5,0 8,3 3,8 10,5 0 5 10 15 20 25 % of population Abbildung 1: Begleiterkrankungen. Conferences 29

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