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CONNEXI 10-2016 Aids Hepatitis

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Chronische

Chronische Hepatitis C Genotyp 1 oder 4 Neue Fixkombination Elbasvir/Grazoprevir jetzt auch in Deutschland verfügbar Nachdem die Europäische Kommission die Fixkombination Elbasvir 50 mg/Grazoprevir 100 mg (Zepatier®) für die Behandlung erwachsener Patienten mit einer chronischen Infektion mit dem Hepatitis C-Virus (HCV) der Genotypen 1 oder 4 in Kombination mit oder ohne Ribavirin für alle Mitgliedsstaaten der EU bereits im Sommer 2016 zugelassen hatte, ist die Kombinationstablette ab sofort in Deutschland verfügbar (PZN 11320392). Bei einmal täglicher Einnahme ohne Ribavirin erreichten diese Patienten in klinischen Studien hohe Heilungsraten, unabhängig vom Therapiestatus und davon, ob eine Zirrhose vorlag oder nicht. Die Kosten für eine zwölfwöchige Therapie mit Zepatier® betragen knapp 35.400 Euro. Die Tablette wird zur einfacheren Einnahme in einem praktischen Wochentags-Blister angeboten. Education Für praktisch alle Hepatitis C-Patienten habe sich durch die Einführung der Direct Acting Antivirals (DAAs) eine Therapieoption eröffnet, konstatierte Prof. Claus Niederau, Oberhausen, im Rahmen der Launchpressekonferenz anlässlich der europäischen Zulassung von Zepatier im August in Berlin. Unbehandelt kann sich die chronische HCV-Infektion zu einer Leberzirrhose und in der Folge zu einem Lebertumor entwickeln. In Europa ist eine HCV-Infektion bei rund zwei Drittel der Fälle der Grund für eine Lebertransplantation [1]. Die Behandlungserfolge der Hepatitis C waren lange Zeit wenig zufriedenstellend. Seit Einführung der DAAs ist die Therapie der Hepatitis C für die meisten Patienten einfacher, kürzer und verträglicher geworden. Die Chancen auf Heilung nahezu aller Patienten haben sich enorm verbessert − inzwischen werden Heilungsraten von mehr als 90 % erreicht. Obwohl immer bessere therapeutische Optionen zur Verfügung stehen, sind noch nicht alle Probleme gelöst: Nicht identifizierte und damit unbehandelte Patienten in Risikogruppen, zu späte Diagnostik und Therapie, mangelnde Compliance, unterschiedliches Ansprechen bei bestimmten Genotypen, Resistenzen und das Reinfektions risiko sind nach wie vor aktuelle Herausforderungen des klinischen Alltags. Da eine größere Auswahl an Medikamenten eine individuellere Behandlung ermöglicht, können Neuzulassungen dazu beitragen, dem Ziel der vollständigen Eliminierung von Hepatitis C näher zu kommen. Die Palette der Substanzen, die in unterschiedlichen Kombinationen an verschiedenen viralen therapeutischen Zielstrukturen, NS3/4A- Protease, NS5B-Polymerase oder dem NS5A- Replikationskomplex ansetzen, ist jetzt um ein neues Präparat reicher. Seit Anfang Juli 2016 hat Zepatier® zur Behandlung erwachsener Patienten mit oder ohne kompensierter Zirrhose die EMA- Zulassung, und am 23. November gab MSD die Verfügbarkeit des Medikamentes in Deutschland bekannt. Es enthält den NS5A-Inhibitor Elbasvir (50 mg) und den NS3/4A-Protease-Inhibitor Grazoprevir (100 mg) und kann ohne Ribavirin als 12-wöchige Therapie bei Patienten mit Genotyp 1a und 1b sowie Genotyp 4 eingesetzt werden. Sehr gute Evidenzlage Die einmal täglich einzunehmende Fixkombination wurde in einem breit angelegten Studienprogramm bei verschiedenen Patientengruppen untersucht, dessen Ergebnisse die Basis für die Zulassung waren [2]. In acht klinischen Phase-IIund III-Studien (C-EDGE TN, C-EDGE COINFEC- TION, C-SURFER, C-WORTHY, C-SCAPE, C-EDGE TE, C-SALVAGE und C-EDGE CO-STAR) waren ca. 2.000 therapienaive und vorbehandelte Patienten mit und ohne kompensierte Zirrhose eingeschlossen, bei denen die Wirksamkeit und Sicherheit von Elbasvir/Grazoprevir untersucht wurde. Darunter waren auch Patientengruppen mit speziellen individu- 42

Chronische Hepatitis C Genotyp 1 oder 4 Abbildung 1: Hepatitis C-Virusreplikation Während der HCV-Replikation wird aus positiven und negativen RNA-Strängen ein Doppelstrang-Zwischenprodukt (rot dargestellt in der Mitte des Partikels) gebildet, das als Vorlage zur Produktion tausender Kopien des Virusgenoms dient. Nach der Replikation wird die HCV-RNA in neue Viruspartikel (Virionen) verpackt und aus der Wirtszelle freigesetzt. Kontinuierlich werden weitere Kopien des Virus produziert (etwa eine Billion Kopien pro Tag). ellen Kofaktoren ihrer Erkrankung. Den primären Endpunkt (SVR12) erreichten unter einer zwölfwöchigen Therapie insgesamt 93 % der Pa tienten mit einer Infektion mit dem GT1a, 96 % der Patienten mit dem GT1b und 94 % der Patienten mit dem GT4*. Für die meisten erwachsenen Patienten mit einer chronischen HCV-Infektion vom Genotyp 1 oder 4 mit bzw. ohne kompensierte Zirrhose (Child-Plugh A) wird eine zwölfwöchige Therapie mit Zepatier empfohlen [3]. Bei GT 1a und 4 sollten zusätzlich Ribavirin und eine Therapiedauer von 16 Wochen in *GT1a und 1b: Integrierte Auswertung der Studien C-EDGE TN, C-EDGE Coinfection, C-EDGE TE, C-WORTHY und C-SURFER. GT4: Integrierte Auswertung der Studien C-EDGE TN, C-EDGE Coinfection, C-EDGE TE und C-SCAPE Betracht gezogen werden, falls der Patient eine hohe Ausgangsviruslast (>800.000 IE/ml) (GT 1a und 4) und/oder bestimmte resistenz assoziierte Varianten des GT 1a aufweist. Wirksamkeit und Verträglichkeit auch bei schwer zu behandelnden Patienten belegt Das umfangreiche Studienprogramm, in dem Elbasvir/Grazoprevier evaluiert wurde, schloss auch Patientengruppen ein, bei denen es bisher besonders schwierig war, sie erfolgreich zu behandeln. C-SURFER ist die erste Phase-III-Studie, in der ein DAA-Regime bei HCV-Patienten (GT 1) mit einer fortgeschrittenen chronischen Niereninsuffizienz im Stadium 4 oder 5 und z. T. Dialysepflicht Education 43

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