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CONNEXI 2014-05 Hämatologie Onkologie

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38. Nephrologisches

38. Nephrologisches Seminar in Heidelberg Nierenerkrankung beim multiplen Myelom Hartmut Goldschmidt, Heidelberg Das multiple Myelom (MM) ist die zweithäufigste maligne hämatologische Erkrankung. In Deutschland werden 5.600 Patienten pro Jahr neu diagnostiziert. Die Niereninsuffizienz bedingt durch das multiple Myelom ist ein onkologischer Notfall. Eine sofortige Therapie führt zu einer Prognoseverbesserung der Patienten mit multiplem Myelom und akuter Niereninsuffizienz. Conferences Ca. 20 % der Patienten mit multiplem Myelom haben zum Zeitpunkt der Diagnosestellung eine eingeschränkte Nierenfunktion. Die akute Niereninsuffizienz (meist durch Cast-Nephropathie bedingt) ist ein onkologischer Notfall. Eine interdisziplinäre, zeitnahe Diagnosestellung ist notwendig [1]. Meist ist die akute Niereninsuffizienz durch eine überschießende Leichtkettenproduktion, Hyperkalzämie und/oder Dehydration bedingt. Eine sofortige, umfassende Supportivtherapie mit Flüssigkeitsersatz, Korrektur der Hyperkalzämie und anderen symptomatischen Maßnahmen ist essentiell. Neue Medikamente beim multiplen Myelom sind eingeführt. Als eines der ersten wurde 1998 Thalidomid beschrieben. In Deutschland in der Primärbehandlung als neue Substanz zugelassen ist Bortezomib, ein Proteasomeninhibitor, welcher schnell und wirksam die Aktivität des multiplen Abbildung 2: Mikroskopische Aufnahme von einem mulitplen Myelom. Prof. Dr. med. Hartmut Goldschmidt hartmut.goldschmidt@med.uni-heidelberg.de Myeloms reduziert. Durch die Behandlung mit neuen Medikamenten wie Bortezomib kann die Tumormasse des multiplen Myeloms rasch verringert werden. Die schnelle Senkung der freien Leichtketten im Serum ermöglicht die Verbesserung der Nierenfunktion. Unizentrisch und erstmalig multizentrisch in der HOVON65/GMMG-HD4-Studie konnte gezeigt werden, dass mit einem Proteasomeninhibitor im Vergleich zur Therapie mit „alten“ Substanzen wie Vincristin und Adriamycin die Prognose der Patienten mit akuter Niereninsuffizienz (Kreatinin ≥2 mg/dl)verbessert werden kann (Abbildung 1). Sowohl das progressionsfreie Überleben als auch das Gesamtüberleben konnte durch neue Substanzen bei Patienten mit myelombedingter Niereninsuffizienz verbessert werden und dem Verlauf von Patienten mit geringer oder keiner Niereninsuffizienz angenähert werden. 34

Nierenerkrankung beim multiplen Myelom Progression free survival (A) und overall survival (B) according to baseline creatinine (BLC) and treatment arm. PAD: Bortezomib for induction and maintenance VAD: VAD for induction and thalidomide for maintenance Abbildung 1: Verbesserung des progressionsfreien Überlebens und des Gesamtüberlebens durch die Therapie mit Bortezomib, Adriamycin und Dexamethason. Die Verwendung einer der neuen Substanzen (Protasomen-Inhibitor Bortezomib) verbessert essentiell die Prognose der Patienten mit multiplem Myelom. Im Vergleichsarm wurden die Patienten mit Vincristin, Adriamycin und Dexamethason behandelt. Es handelt sich um Ergebnisse der Multizentrischen HOVON 65/HD4- Studie [2, 3]. Die akute Niereninsuffizienz durch das multiple Myelom ist ein onkologischer Notfall. Fazit Die Therapie von Patienten mit Niereninsuffizienz sollte interdisziplinär erfolgen. Patienten, die dialysepflichtig sind, haben ein hohes Risiko, während der Therapie des Myeloms Komplikationen zu erfahren oder sogar zu versterben. Insbesondere die Immunsuppression durch das multiple Myelom sowie großvolumige zentralvenöse Zugänge zur Dialyse ermöglichen eine hohe Rate von Sepsen. Deshalb sind Patienten mit manifestierter Niereninsuffizienz, welche durch das multiple Myelom bedingt ist, sehr engmaschig zu kontrollieren. Referenzen: 1. Mai EK, Goldschmidt H. Clinical features and treatment of multiple myeloma. Radiologe 2014; 54(6): 538-44. 2. Scheid C, Sonneveld P, Schmidt-Wolf IG et al. Bortezomib before and after autologous stem cell transplantation overcomes the negative prognostic impact of renal impairment in newly diagnosed multiple myeloma: a subgroup analysis from the HOVON-65/GMMG-HD4 trial. Haematologica 2014; 99(1): 148-54. 3. Sonneveld P, Schmidt-Wolf IG, van der Holt B et al. J Clin Oncol. 2012; 30(24): 2946-55. Quelle: Vortrag von Herrn Prof. Dr. med. Goldschmidt, Heidelberg, zum Thema « Neue Einsichten zur Pathogenese und Therapie des Mulitplen Myeloms » am 8. Mai 2014 im Rahmen des 38. Nephrologischen Seminars in Heidelberg 2014. Conferences 35

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