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CONNEXI 2014-05 Hämatologie Onkologie

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Hämatologie und Onkologie 2014 Von den Grundlagen bis zu neuen Therapieansätzen Über 6.000 Teilnehmer zählten die Veranstalter am Ende der Jahrestagung 2014 der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und Medizinische Onkologie, die vom 10. bis 14. Oktober in Hamburg stattfand. Der Kongress, der damit zu den größten deutschsprachigen Medizinkongressen überhaupt gehört, bot neben 36 wissenschaftlichen Symposien, 24 Meet-the-Expert- Sitzungen, 44 Freien Vortrags- und 26 Postersitzungen ein breites und fundiertes Angebot qualifizierter Fortbildung und vermittelte in seiner Programmvielfalt in einmaliger Form einen Überblick über aktuelle Aspekte und Entwicklungen in der klinischen Onkologie und Hämatologie. Themenschwerpunkte in diesem Jahr waren die malignen Lymphome und die Immuntherapie. In Deutschland sterben mehr Menschen an Herz- Kreislauf-Erkrankungen als an Krebs. Jeder zweite Krebspatient kann heutzutage geheilt werden und die Krebsheilungsraten steigen weiter an. Fragt man die Deutschen jedoch, vor welcher Krankheit sie am meisten Angst haben, so wird Krebs am häufigsten genannt – mit einem deutlichen Abstand vor den Demenzerkrankungen (57 % vs. 12 %). Fragt man weiter, bei welchen Krankheiten sie von aktuellen Therapiefortschritten gehört haben, stehen wiederum die Krebserkrankungen ganz oben auf der Antwortliste. Solche Zahlen belegen die besondere Bedeutung, aber auch die ambivalente Wahrnehmung der Krebserkrankungen in der Bevölkerung, sagte Professor Carsten Bokemeyer, Direktor der Klinik für Onkologie und Hämatologie am Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) und Präsident des Kongresses. Fortschritte bei der Immuntherapie – ein zentrales Thema „Es spricht in der Tat einiges dafür, dass wir am Beginn einer neuen Ära in der Tumortherapie stehen. Wir sind optimistisch, dass wir bald zahlreichen Patienten neue, effektive Behandlungen anbieten können.“ Professor Carsten Bokemeyer of the Year“ ausgezeichnet. Neue und sehr unterschiedliche Therapieansätze, wie BiTE-Antikörper (Bi-specific T-cell engagers), immunregulatorische Antikörper, Tumorvakzinierung oder genmodifizierte T-Lymphozyten u. a., haben bereits oder werden in absehbarer Zeit Einzug in den klinischen Alltag halten und als Monotherapie, in Kombination miteinander oder zusammen mit klassischen Chemotherapeutika eingesetzt werden. Mit Checkpoint-Inhibition die Bremse lösen Conferences In den letzten beiden Jahren hat sich die Immunonkologie von einem langjährigen Hoffnungsträger zu einem klinischen Forschungsfeld mit großem Potenzial entwickelt. Immuntherapeutische Ansätze werden die Behandlungsmöglichkeiten onkologischer Erkrankungen in den kommenden Jahren nachhaltig verändern. Bereits 2013 hatte das Wissenschaftsmagazin Science die Immuntherapie bei der Behandlung von Krebs zum „Breakthrough Ein derzeit mit am intensivsten diskutierter Ansatz in der Immuntherapie ist die Hemmung zentraler Schaltstellen bei der Immuntoleranz. Um überschießende Abwehrreaktionen von T-Lymphozyten zu verhindern, verfügt das Immunsystem über Immunkontrollpunkte, sogenannte Checkpoints. Tumoren verfügen ihrerseits über vielfältige Strategien, um einer gegen sie gerichteten Immunantwort zu entgehen. Neben der aktiven 8

Prof. Dr. med. Carsten Bokemeyer Direktor der Klinik für Onkologie und Hämatologie am Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) Kongresspräsident Prof. Dr. med. Andreas Mackensen Direktor der Medizinischen Klinik 5 – Hämatologie und Internistische Onkologie am Universitätsklinikum Erlangen. Immunsuppression gelingt es Krebszellen u. a. auch, ihre „maligne“ Identität zu verschleiern, sie induzieren eine Immuntoleranz und bremsen das Immunsystem damit gewissermaßen aus. An dieser Stelle greifen die Checkpoint-Inhibitoren ein, sie lösen diese Blockaden und hemmen die Signalwege, die eine Aktivierung der antitumorös wirksamen Effektorzellen einschränken. Bekanntester Vertreter dieser auch Immun- Checkpoint-Modifier genannter Substanzen ist der für die Behandlung von Patienten mit fortgeschrittenem malignem Melanom zugelassene Antikörper Ipilimumab, der gegen das zytotoxische T-Lymphozyten-assoziierte Antigen 4 (CTLA-4) gerichtet ist und nachweislich das Überleben bei metastasiertem malignen Melanom verlängern konnte. Zu den neuen Hoffnungsträgern gehören die sogenannten PD-1-Antikörper. Anders als CTLA-4-Inhibitoren wirken sie in der Effektorphase des Immunsystems im peripheren Gewebe und damit an der Kontaktstelle zwischen Tumorzelle und T-Zelle. Unklar ist noch, wie die unterschiedlichen Therapieansätze „Eine CTLA-4-Blockade unterdrückt in der frühen Phase der T-Zellaktivierung im Lymphknoten die Immuntoleranz und löst so antitumorale Effekte aus.“ Professor Andreas Mackensen am besten gemeinsam eingesetzt werden sollten: „Sequenzielle Therapien sind genauso denkbar wie Kombinationsbehandlungen“, betonte Prof. Dr. Andreas Mackensen vom Universitätsklinikum Erlangen im Rahmen der Kongress-Pressekonferenz. Weitere Ansätze der Immuntherapie und Tumorvakzinierung Neben der Checkpoint-Blockade befindet sich derzeit eine ganze Reihe weiterer immuntherapeutischer Ansätze in der klinischen Prüfung. Bispezifische Antikörper binden sowohl an Immunzellen als auch an Tumorzellen, verknüpfen beide miteinander und helfen so dabei die Anti-Tumor-Aktivität der Immunzellen verbessern. Auf eine Stärkung der Immunabwehr zielen auch Versuche ab, patienteneigene Immunzellen gentherapeutisch zu verändern, um die unerwünschte Immuntoleranz gegenüber Tumorzellen zu umgehen. Bei dieser Methode, die in ersten Pilotstudien beeindruckend wirksam war, werden T-Zellen des Patienten entnommen, mit einem chimären Antigenrezeptor (CAR) modifiziert und anschließend reinfundiert. Die gentechnisch veränderte T-Zelle attackiert Tumorzellen und führt zu einer gezielten Proliferation antitumorös wirksamer T-Zellen. Seit Jahrzehnten hoffen Ärzte und Patienten auch auf eine Impfung gegen Krebs. Die therapeutische Vakzinierung ist jedoch schwierig, da das Immunsystem die Tumorzellen vielfach nicht erkennt oder die Tumorzellen sich der Immunüberwachung aktiv entziehen. Ab November 2014 wird nun die erste in Europa zugelassene Vakzine für Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakrebs an vier Zentren in Deutschland verfügbar sein. „Von den Patienten scheinen die immuntherapeutischen Ansätze bisher gut akzeptiert zu werden. Trotzdem müssen wir auch diese neuen Waffen sorgfältig und kritisch einsetzen“, betonte Professor Bokemeyer. Maligne Lymphome Zahlreiche Vorträge auf der Jahrestagung 2014 beschäftigten sich mit neuen Therapieansätzen Conferences 9

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