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CONNEXI 2015-01 Schmerz und Palliativmedizin

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Retrospektive vom Deutschen Schmerzkongress 2014

Multimodale Behandlungen

Multimodale Behandlungen bei zentral neuropathischen Schmerzen und komplex regionalen Schmerzsyndromen Komplexität der Schmerzen nach einem Schlaganfall auch multimodale Therapiekonzepte sinnvoll wären. Diesbezüglich herrscht auch ein Konsens in den entsprechenden Fachgesellschaften wie beispielsweise der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. Allerdings ist die Datenlage leider sehr limitiert. Positive Effekte für die Therapie von zentral neuropathischen Schmerzen zeigten sich insbesondere für Amitriptylin, Lamotrigin und Pregabalin. In Studien konnte interessanterweise gezeigt werden, dass sich Schmerzbewältigungsstrategien von Patienten mit einem post-stroke pain nur wenig von Patienten unterscheiden, die nozizeptive Schmerzen haben. In einer randomisierten kontrollierten Studie wurde die Effektivität für Spiegeltherapie bei einem Schlaganfall mit konsekutiven CRPS gezeigt. Es kam zu einer Reduktion von Schmerzen, der Allodynie sowie des Ödems. Auch die motorischen Funktionen verbesserten sich. Eine Cochrane-Analyse zeigte, dass die Spiegeltherapie für die Verbesserung der motorischen Funktion nach einem Schlaganfall benefitär ist. Jüngste Daten, die in bildgebenden Studien generiert wurden, lassen darauf schließen, dass bei Läsionen von Faserverbindungen zwischen den parietalen und präfrontalen Arealen eine schlechtere motorische Erholung durch Spiegeltherapie möglich ist. Zusammengefasst sind damit auch bei Schmerzen nach einem Schlaganfall komplexe multimodale Therapiestrategien unter dem Einbezug von neurorehabilitativen Strategien notwendig. Literatur beim Verfasser Conferences Welche Antwort ist richtig? 1. Chronische neuropathische Schmerzen unterscheiden sich bezüglich psychologischer Funktionen deutlich von chronischen nozizeptiven Schmerzen. 2. Multimodale Therapieansätze sind bei zentral neuropathischen Schmerzen nach Rückenmarksverletzungen nicht wirksam. 3. Die Spiegeltherapie kann nach einem Schlaganfall die motorische Erholung günstig beeinflussen. 4. Beim komplexen regionalen Schmerzsyndrom sind invasive Therapiestrategien Mittel der ersten Wahl. 5. Psychologische Schmerztherapie gehört nicht zu den Elementen der multimodalen Schmerztherapie. Die Lösung finden Sie auf Seite 36. 10

Spiegeltraining Einfluss von visuellem Feedback und visuellen Illusionen auf die Schmerzwahrnehmung Martin Diers, Heidelberg Im täglichen Leben ist der Rücken eine eher wenig beachtete Körperregion. Man kennt und sieht den eigenen Rücken wenig bis gar nicht bzw. nur über einen Spiegel. Die eigenen Hände hingegen sind jedem gut bekannt und sie können auch leicht betrachtet werden. Hände sind in viele Handlungen des täglichen Lebens eingebunden, demgegenüber wird der Rücken insbesondere nur dann beachtet, wenn er Probleme bereitet. Schmerz (akuter aber auch chronischer Schmerz) führt zu einer Aufmerksamkeitslenkung auf die schmerzhafte Region. Für akuten Schmerz ist dies evolutionär sinnvoll, da Schonverhalten hilft ein Ausheilen der Verletzung zu fördern. Bei chronischem Schmerz wird der Schmerz durch die Aufmerksamkeit ins Bewusstsein gerückt und führt zu Schmerzverhalten. Bei Patienten mit chronischem Rückenschmerz führt dies zu einer veränderten Wahrnehmung des Rumpfes und einem gestörten Körperbild [1]. Diese Patienten können den Umriss ihres Rumpfes am Schmerzort nicht genau bestimmen. Visuelles Feedback verbessert chronischen Schmerz Visuelles Feedback kann die Schmerzwahrnehmung beeinflussen. Longo et al. [2] ließen gesunde Probanden so in einen Spiegel schauen, dass ihre linke Hand die Illusion ihrer rechten Hand hervorrief. Dann applizierten sie mit einem Laser an der verdeckten rechten Hand schmerzhafte Reize und konnten zeigen, dass das Spiegelbild der Hand die Intensität des Schmerzes gegenüber einem Spiegelbild von einem braunen Buch reduzierte. Aber visuelles Feedback verbessert nicht nur experimentell induzierten Schmerz sondern auch chronischen Schmerz. Bei Patienten mit chronischem Handschmerz führte eine visuelle Vergrößerung der Hand, während diese Bewegungen ausführte, zu einem erhöhten Schmerzniveau und einem stärkeren Schwellungsgefühl [3]. Eine Verkleinerung reduzierte den Schmerz und das Schwellungsgefühl. Priv.-Doz. Dr. Martin Diers martin.diers@zi-mannheim.de Wie wirkt nun visuelles Feedback einer Region, die im täglichen Leben weniger beachtet wird? Patienten mit chronischem Rückenschmerz und gesunden Kontrollprobanden zeigten während der experimentellen, schmerzhaften Stimulation des Rückens, dem Schmerzort der Patienten, eine geringere Schmerzeinschätzung bei visueller Rückmeldung dieser Region im Vergleich zu einer visuellen Rückmeldung des Handrückens [4]. Bei Patienten mit chronischem Rückenschmerz reduzierte das Sehen des Rückens während der Lendenwirbelbeugung den bewegungsinduzierten Schmerz [5]. Spiegeltraining reduziert Phantomschmerz Nach einer Armamputation kann ein Spiegeltraining Phantomschmerz reduzieren [6]. Wird die intakte Hand vor einem Spiegel so bewegt, dass Conferences 11

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