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CONNEXI 2015-01 Schmerz und Palliativmedizin

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Retrospektive vom Deutschen Schmerzkongress 2014

Einfluss von visuellem

Einfluss von visuellem Feedback und visuellen Illusionen auf die Schmerzwahrnehmung Conferences Abbildung 1: Experimenteller Aufbau des Echtzeitfeedbacks des Reizortes: Der Rücken der Probanden wird von hinten gefilmt und auf einem Monitor vor den Probanden dargeboten. Die Darbietung der schmerzhaften Reize kann in Echtzeit beobachtet werden. Das Sehen des Rückens reduziert die Schmerzwahrnehmung im Vergleich zum Sehen der Hand. der visuelle Eindruck entsteht, man sehe die amputierte Hand, kann eine verbesserte Bewegungsfähigkeit des Phantomgliedes sowie ein verringertes Schmerzempfinden erreicht werden. Bei Patienten mit Amputation eines Beines zeigte sich bei Bewegungen vor einem Spiegel eine signifikant bessere Kontrolle von Bewegungen im Phantom [7]. Eine einmalige Spiegelintervention führte zu einem lebhafteren Bewusstsein des Phantoms und einer neuen oder verbesserten Fähigkeit dieses zu bewegen [8]. Neben Bewegungen vor einem Spiegel zeigte sich auch bei Bewegung ohne Spiegel eine Verringerung des Phantomschmerzes sowie der Phantomempfindungen [9]. Im Gegensatz zu diesen Ergebnissen, die auf einer einmaligen Intervention beruhen, zeigte sich nach vier Wochen Spiegeltraining ein signifikanter Rückgang des Phantomschmerzes im Vergleich zu einem Training mit einem verdeckten Spiegel oder mentaler Visualisierung bei beinamputierten Patienten [6]. Dies lässt schlussfolgern, dass visuelles Feedback den Phantomschmerz beeinflussen kann. Das Sehen hat Vorrang Weitere Arbeiten bestätigen: Wenn sich visuelle Informationen mit denen eines anderen Sinnes widersprechen, dann hat das „Sehen“ Vorrang vor den anderen Sinnesinformationen, das gilt auch für Berührungen [10, 11]. Wir konnten zeigen, dass amputierte Patienten mit Phantomschmerz den sensorimotorischen Kortex kontralateral zum amputierten Körperteil nicht aktivierten, wenn sie die intakte Hand vor einem Spiegel bewegten [12]. Dies gelang Patienten ohne Phantomschmerz und gesunden Kontrollen. Außerdem war das Ausmaß des Phantomschmerzes negativ mit der Aktivierung des sensorimotorischen Kortex kontralateral zur Amputation korreliert. Darauf aufbauend konnten wir in einer Längsschnittstudie zeigen, dass ein Spiegeltraining Phantomschmerz und das Ausmaß der kortikalen Reorganisation reduziert [13]. Aktuell haben wir das Spiegeltraining in eine erweiterte Realität weiterentwickelt [14] und testen dies gerade an Patienten. Mit dem neuen Aufbau haben wir die Möglichkeit, Aufgaben mit spezifischen Bewegungen zu integrieren und das Training für die Patienten spannender zu machen und ihre Motivation zu trainieren zu erhöhen. Ein vielfältiger visueller Input kann also dafür genutzt werden, um experimentellen und auch habituellen Schmerz zu reduzieren und wird in der Behandlung chronischer Schmerzen eingesetzt. 12

Einfluss von visuellem Feedback und visuellen Illusionen auf die Schmerzwahrnehmung Abbildung 2: Aufbau für das Spiegeltraining: Bewegungen der intakten Hand werden im Spiegel beobachtet und erwecken den Eindruck, auf die amputierte oder beeinträchtigte Hand zu schauen. Referenzen 1. Moseley GL. I can‘t find it! Distorted body image and tactile dysfunction in patients with chronic back pain. Pain 2008; 140: 239–43. 2. Longo MR, Betti V, Aglioti SM et al. Visually induced analgesia: seeing the body reduces pain. J Neurosci 2009; 29: 12125–30. 3. Moseley GL, Parsons TJ, Spence C. Visual distortion of a limb modulates the pain and swelling evoked by movement. Curr Biol 2008; 18: R1047–8. 4. Diers M, Zieglgänsberger W et al. Site-specific visual feedback reduces pain perception. Pain 2013;154(6): 890-6. 5. Wand BM, Tulloch VM, George PJ et al. Seeing it helps: movement-related back pain is reduced by visualization of the back during movement. Clin J Pain 2012; 28: 602–8. 6. Chan BL, Witt R, Charrow AP et al. Mirror therapy for phantom limb pain. N Engl J Med 2007; 357: 2206–7. 7. Brodie EE, Whyte A, Waller B. Increased motor control of a phantom leg in humans results from the visual feedback of a virtual leg. Neurosci Lett 2003; 341: 167–9. 8. Hunter JP, Katz J, Davis KD. The effect of tactile and visual sensory inputs on phantom limb awareness. Brain 2003; 126: 579–89. 9. Brodie EE, Whyte A, Niven CA. Analgesia through the looking-glass? A randomized controlled trial investigating the effect of viewing a “virtual” limb upon phantom limb pain, sensation and movement. Eur J Pain 2007; 11: 428–36. 10. Halligan PW, Hunt M, Marshall JC et al. When seeing is feeling; acquired synaesthesia or phantom touch? Neurocase 1996; 2: 21–9. 11. Rock I, Victor J Vision and touch: an experimentally created conflict between the two senses. Science 1964; 143: 594–6. 12. Diers M, Christmann C, Koeppe C et al. Mirrored, imagined and executed movements differentially activate sensorimotor cortex in amputees with and without phantom limb pain. Pain 2010; 149: 296–304. 13. Foell J, Bekrater-Bodmann R, Diers M et al. Mirror therapy for phantom limb pain: Brain changes and the role of body representation. Eur J Pain 2014; 18: 729–39. 14. Trojan J, Diers M, Fuchs X et al. An augmented reality home-training system based on the mirror training and imagery approach. Behavior research methods 2014; 46: 634–40. Conferences 13

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