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CONNEXI 2015-01 Schmerz und Palliativmedizin

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Retrospektive vom Deutschen Schmerzkongress 2014

Trigeminoautonome

Trigeminoautonome Kopfschmerzen im Kindes- und Jugendalter Paroxysmale Hemikranie im Kindesund Jugendalter Eine Fallserie aus einer deutschen Kopfschmerzsprechstunde bestätigt: Die Erkrankung zeigt im Kindesalter die gleiche Symptomatik wie bei Erwachsenen, es kam im Mittel zu acht Attacken täglich. Alle betroffenen Kinder sprachen auf Indometacin an, nach Abklingen der Symptomatik konnte die Indometacintherapie beendet werden oder musste als Erhaltungstherapie in niedriger Dosis fortgesetzt werden [5]. Fazit •• Trigeminoautonome Kopfschmerzerkrankungen können auch im Kindes- und Jugendalter auftreten. •• Bildgebende Diagnostik zum Ausschluss einer sekundären Kopfschmerzerkrankung ist zwingend notwendig. •• Die Behandlung sollte alters- und gewichtsadaptiert in Anlehnung an die Therapieleitlinien für das Erwachsenenalter erfolgen und nicht verzögert werden. •• Die Therapie orientiert sich an der exakten Diagnose. •• Eine Vorstellung in einem spezialisierten Zentrum ist zu empfehlen. Referenzen 1. Wöber-Bingöl C. Epidemiology of migraine and headache in children and adolescents. Curr Pain Headache Rep 2013; 17: 341. 2. Committee of the International Headache Society (IHS). The International Classification of Headache Disorders, 3rd edition (beta version). Cephalalgia 2013; 33: 629–808. 3. Mariani R, Capuano A, Torriero R et al. Cluster Headache in Childhood: Case series from a pediatric headache center. J Child Neurol 2014; 29: 62-5. 4. Lambru G, Matharu M. Management of trigeminal autonomic cephalalgias in children and adolescents. Curr Pain Headache Rep 2013; 17: 323. 5. Blankenburg M, Hechler T, Dubbel G et al. Paroxysmal hemicrania in children – symptoms, diagnostic criteria, therapy and outcome. Cephalalgia 2009; 29: 873–82. Andere trigeminoautonome Kopfschmerzerkrankungen Conferences Die Hemicrania continua, SUNCT und SUNA sind im Kindes- und Jugendalter nur kasuistisch beschrieben. Die berichteten Patienten scheinen von einer Behandlung ähnlich der im Erwachsenenalter zu profitieren. 18

Oft ein verdrängtes Thema Chronifizierung bei Tumorschmerz? Stefan Wirz, Bad Honnef Chronifizierung ist ein Begriff, der ein komplexes Krankheitsbild schmerzkranker Patienten beschreibt. Hierbei kommt es neben einer „Chronizität“ anhaltender Schmerzen zu einem von sowohl somatischen als auch psychologischen Faktoren unterhaltenem Krankheitsbild, welches Auswirkungen auf die soziale Komponente aufweist und das aufgrund eines sich selbst unterhaltenden Prozesses schwierig therapierbar ist. Bekannte Beispiele sind die sogenannte Fibromyalgieerkrankung oder der chronifizierte Wirbelsäulenschmerz, Erkrankungsbilder also, welche häufig zu einer Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit führen. Chronifizierter Schmerz beginnt mit einem akuten Schmerz, entweder als zeitlich eng umgrenztes Schmerztrauma oder sich kontinuierlich entwickelnder Schmerz. Dabei setzt sich ein Prozess in Gang, dessen Prädiktoren gut untersucht sind. Als somatische Ursachen wurden folgende Befunde identifiziert: •• vorbestehender bzw. anhaltender Schmerz vor Akutschmerztrauma, •• eine unzureichende initiale Schmerzkontrolle nach Akutschmerz, •• repetitive Schmerzerfahrungen, z. B. im Rahmen von operativen Folgeeingriffen, •• neuropathischer Schmerz nach Nervenläsion, •• demographische Faktoren wie Alter, Geschlecht und genetische Ursachen. Psychische Störungen sind Risikofaktoren aber auch häufig Folgen einer Schmerzchronifizierung. Außerdem tragen periphere und zentrale Sensibilisierungsphänome zur Schmerzchronifizierung unter Vermittlung von NGF (nerve growth factor), Zytokinen, Interleukinen und Tumornekrosefaktor-α (TNFα) bei [1, 2] (Abbildung 1). Als psychologische Prädiktoren liegen Körperschema- oder Somatisierungsstörungen, Traumata, das Vorliegen von Depression- und Angsterkrankungen und biographische Ereignisse vor, welche mit psychosozialen Problemen und Rückzugsverhalten assoziiert sind. Das Konzept der fear-avoidance beliefs beschreibt Kognitionen, die zu einer Vermeidung körperlicher Aktivität, Dekonditionierung und einem Vermeidungsverhalten führen, was wiederum den Prozess der Schmerzchronifizierung im Sinne eines Circulus vitiosus mit psychosozialen Folgen unterhält. Ebenso spielen Aspekte wie Krankheitsbewältigung bzw. Coping-Verhalten eine große Rolle bei der Schmerzchronifikation [4–6]. Gemäß dem Modell nach Gerbershagen lassen sich nach zeitlichen und topischen Aspekten sowie weiterer Variablen wie Schmerzverhalten, i. S. von Medikamenteneinnahmeverhalten, Therapeutenwechsel, psychosozialen Belastungsfaktoren und Inanspruchnahme des Gesundheitssystems, drei Stadien differenzieren [7] (Tabelle 1). Psychische Störungen können als Risikofaktoren für eine Schmerzchronifizierung angesehen werden. Andererseits sind sie aber auch häufig Folge einer Chronifizierung. Im biopsychosozialen Modell des chronifizierten Schmerzes werden die o. g. Prozesse zusammengefasst. Therapeutisch wird eine solche Schmerzerkrankung im Rahmen eines multimodalen Konzeptes behandelt, bei dem neben medikamentösen aktive physiotherapeutische, ergotherapeutische und psychologische Verfahren eingesetzt werden [8]. Conferences 19

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