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CONNEXI 2016-04 Neurologie

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Interview mit Prof. Dr.

Interview mit Prof. Dr. med. Ralf Gold Conferences Hinweise auf die Wirksamkeit auf die Kognition bei Patienten mit leichter bis mittelgradiger Alzheimer-Demenz oder vaskulärer Demenz und bei nichtpsychotischen Verhaltenssymptomen, eine Behandlung könne deshalb erwogen werden. Zur Prävention liegen mit diesem Präparat aber keine ausreichenden Evidenzen vor. Eine mangelnde Evidenz für die Wirksamkeit sehen die Experten für Vitamin E und nichtsteroidale Antiphlogistika sowie für Piracetam, Nicergolin, Hydergin, Phosphatidylcholin (Lecithin), Nimodipin, Cerebrolysin und Selegilin. Auch eine Hormonersatztherapie könne postmenopausalen Frauen zur Verringerung kognitiver Beeinträchtigungen nicht empfohlen werden. Bei einer vaskulären Demenz, die in reiner oder gemischter Form bei einem erheblichen Teil der Patienten vorliegt, ist es gute klinische Praxis, die Risikofaktoren und eventuelle Grunderkrankungen zu behandeln. Dies diene auch dem Ziel, die Symptomatik der Demenz zu stabilisieren bzw. zu verbessern. Über welche neuen Behandlungsoptionen für die Parkinson-Erkrankung wurde im Rahmen des Kongresses berichtet, die bereits in die aktualisierte Leitlinie Eingang gefunden haben? Die neue S3-Leitlinie Parkinson enthält Empfehlungen zu neuen wie zu bestehenden Therapien. Der Schwerpunkt liegt auf der ärztlichen Behandlung, erstmals wurden aber auch Verfahren der Logotherapie, Ergotherapie oder Verhaltenstherapie sowie alternative Behandlungsansätze bewertet. Bei den Behandlungsverfahren sind insbesondere die Tiefe Hirnstimulation sowie die Therapieoptionen für Patienten im fortgeschrittenen Stadium des Parkinson-Syndroms neu bewertet worden. In vier neuen Empfehlungen zur Tiefen Hirnstimulation können behandelnde Neurologen rasch und sicher das derzeitige Wissen für diese Behandlungsform in Erfahrung bringen – einschließlich der Evidenzgrade, auf denen diese Empfehlungen basieren. Zu allen medikamentösen Therapieoptionen sind Empfehlungen in der neuen Leitlinie zu finden. Auch alternative Therapien, wie der Einsatz von Coenzym Q, von Vitaminen u.a. haben Eingang in die Bewertung gefunden. Erstmalig für den deutschen Sprachraum sind auch die Zusatzverfahren wie Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie systematisch aufgearbeitet worden. Außerdem wurden Empfehlungen zur Behandlung von Verhaltens- und psychischen Symptomen bei Parkinson- Patienten aufgenommen. Was hat Sie in den Präsentationen aus der Forschung am meisten beeindruckt? Immer mehr stellt sich heraus, dass Ernährungsbestandteile über die Darmflora die Aktivität des Immunsystems bei MS beeinflussen können. Nach den ersten Daten aus der Gruppe von Prof. Wekerle gelang es Haghikia und Linker, durch Gabe so genannter kurzkettiger Fettsäuren wie Propionate die Aktivität der Entzündung im Tiermodell der MS und auch an menschlichen Zellen zu vermindern. Interessant ist, dass diese Substanzen aus der menschlichen Nahrungskette verschwunden sind, während gleichzeitig Autoimmunerkrankungen an Häufigkeit zunehmen. Erste so genannte Translationale Studien überprüfen die Auswirkung von Nahrungssupplementen wie Propionate auf das Immunsystem bei MS. Werden Patienten in absehbarer Zeit z. B. von Zellersatztherapien bei neuroimmunologischen und neurodegenerativen Erkrankungen profitieren können? Leider sind trotz intensiver Forschungsbemühung bisher noch keine wegweisenden Fortschritte gelungen. Die Fragen stellte Elke Klug 10

Neurootologie: Neues zu Schwindel und Gleichgewichtsstörungen Multimodale Therapieansätze bei chronischen Schwindelerkrankungen Mark Obermann, Seesen Mit einer Lebenszeitprävalenz von 23 % in der allgemeinen Bevölkerung in Deutschland ist Schwindel eines der häufigsten Symptome in der Neurologie und der Medizin überhaupt. Besondere Schwierigkeiten in der Diagnose, aber auch der Therapie bereiten häufig Beschwerden, die über sechs Monate andauern. Allerdings ist selbst bei Schwindelbeschwerden, die mehrere Jahre bestehen, eine spezifische Therapie noch möglich. Leider rücken auch psychische Begleiterkrankungen wie Angst und Depression mit längerer Krankheitsdauer zunehmend in den Vordergrund. Deshalb könnte ein multimodaler Therapieansatz, der auf die psychischen wie auch auf die körperlichen Aspekte der Patienten eingeht, gerade bei chronischen Schwindelbeschwerden hilfreich sein. Schwindel ist mit einer Prävalenz von bis zu 23 % das zweithäufigste Symptom in der Neurologie nach Kopfschmerzen und eine der häufigsten Beschwerden beim Arztbesuch allgemein [1]. Die Lebenszeit- Prävalenz für peripher-vestibulären Schwindel liegt Teil aber auch durch sich zusätzlich entwickelnde psychische Komponenten der Schwindelerkrankung mit Depression, Angst und Vermeidungsverhalten. Einheitliche Diagnosekriterien für die unterschiedlichen Schwindel-Syndrome gibt es nur begrenzt, und Auch bei Schwindelbeschwerden, die über Jahre bestehen, ist eine spezifische Therapie noch möglich. in der Allgemeinbevölkerung bei 7,4 % [2]. Dies stellt nicht nur ein medizinisches, sondern auch ein großes sozio-ökonomisches Problem dar, denn häufig werden Patienten mit Schwindel initial nicht richtig oder gar nicht diagnostiziert. Was folgt, sind häufig mehrere Besuche bei unterschiedlichen Fachärzten wie Hals-Nasen-Ohren-Ärzten und Neurologen. Aber auch Orthopäden werden mit dem Problem Schwindel häufig konfrontiert, in der Annahme, dass chronische Schwindel beschwerden mit Fehlstellungen der Halswirbelsäule zu tun haben könnten. Hierfür fehlt bisher der wissenschaftliche Nachweis. Besonders Patienten mit chronischen Schwindelbeschwerden, die länger als sechs Monate andauern, werden häufig als schwierig in der Diagnose und Therapie eingeschätzt. Dies ist zum Teil durch residuelle Zustände z. B. nach abgelaufener Neuritis vestibularis zu erklären, zum auch die deutsche Sprache stellt manchmal ein differenzialdiagnostisches Problem dar, da Schwindel ein Überbegriff für viele unterschiedliche Zustände ist und viele Patienten auch ein Benommenheitsgefühl und Gangunsicherheit als Schwindel beschreiben. Im Englischen ist dies einfacher und wird in „vertigo“ − am ehesten als Drehschwindel übersetzt − und „dizziness“, was am ehesten einem Benommenheitsgefühl und Schwankschwindel entspricht. Häufig ist es für die korrekte Diagnosefindung hilfreich, diese unterschiedlichen Zustände sorgfältig zu differenzieren. Gerade bei älteren und multimorbiden Patienten kann es sein, dass sich mehr als eine Ursache für die beklagten Schwindel-Symptome finden lassen. Auch hier ist eine möglichst genaue Einordnung und Priorisierung wichtig, um eine adäquate Therapie einleiten zu können. Auch bei Schwindelbeschwerden, die mehrere Jahre 88. DGN-Kongress Conferences 11

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