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CONNEXI 2016-04 Neurologie

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Interview mit Prof. Dr.

Interview mit Prof. Dr. med. Ralf Gold die jährliche Schubrate als auch die Zahl neuer Läsionen stärker reduziert als IF- -1a. Selbst die Reparatur bereits vorhandener Schäden scheint nicht völlig unmöglich. So wurde auf der diesjährigen Jahrestagung der US-Neurologen erstmals eine Studie vorgestellt, die starke Hinweise auf eine pharmakologisch induzierte Erneuerung der Myelinscheide erbrachte. Der interventionelle Verschluss des linken Vorhofohrs reduziert das Risiko eines Schlaganfalls im Vergleich zu Warfarin um 35 %. Conferences Gibt es neue Hoffnung bei der primär progredienten Form der MS? Leider stehen für diese Form der MS, die etwa 10 % der Patienten betrifft, noch immer keine spezifischen Medikamente zur Verfügung. Aber es gibt erste hoffnungsvolle Optionen, die allerdings durch größere Studien bestätigt werden müssen: Auf der Jahrestagung der US-Neurologen im April 2015 wurde von einer französischen Studie mit 154 Patienten berichtet. Mit hohen Dosierungen des wasserlöslichen Vitamins Biotin konnte dort bei einigen Teilnehmern das Ausmaß der Behinderung nach neun und nach zwölf Monaten verringert werden; eine Bestätigung der Ergebnisse durch eine zweite Studie bleibt abzuwarten. Eine große Studie der Phase III mit dem S1P-Modulator Fingolimod, zugelassen für die schubförmige MS, erbrachte dagegen keine Besserung gegenüber Plazebo, wie der Hersteller Ende 2014 bekannt gab. Auf dem ECTRIMS-Kongress 2015 in Barcelona wurde eine signifikante Reduktion der Behinderungsprogression bei progredienter MS durch Ocrelizumab berichtet. Inwieweit diese Ergebnisse auch alltagsrelevant sind, bleibt abzuwarten. Die Leitlinie zur Behandlung von Demenzen wurde ebenfalls überarbeitet. Auf welche erweiterten Therapieempfehlungen ist zukünftig zu achten? Die neue S3-Leitlinie „Demenzen“, welche die beiden federführenden Gesellschaften – die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) sowie die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) – grundsätzlich überarbeitet haben, wurde Ende Januar 2016 in Berlin im Rahmen einer Pressekonferenz vorgestellt. Zwar sind Alzheimer und andere Formen der Demenz bis heute nicht heilbar, aber es gibt vielversprechende Fortschritte in der Vorsorge, Früherkennung, Behandlung und Pflege. Dabei spielen auch die Angehörigen, die Demenzkranke versorgen und begleiten, eine wichtige Rolle. Die Empfehlungen bezüglich der medikamentösen Therapie der Alzheimer-Demenz bleiben weitgehend unverändert: Die Experten bescheinigen der Klasse der Acetylcholinesterase-Hemmer im leichten bis mittleren Stadium eine Wirksamkeit unter anderem auf alltägliche Verrichtungen. Im schweren Stadium könne der ACE-Hemmer Donepezil oder der nichtkompetitive NMDA-Antagonist Memantin empfohlen werden, Letzterer auch im mittleren Stadium. Psychosoziale Interventionen besitzen erstmals einen ähnlichen Stellenwert wie die medikamentöse Behandlung. So ist mittlerweile die Wirksamkeit alltagsnaher kognitiver Stimulationen – nicht aber des „Gedächtnistrainings“ – nachgewiesen, außerdem der Nutzen einer individuell 8

Interview mit Prof. Dr. med. Ralf Gold Angehörige, die Demenzkranke versorgen und begleiten, spielen eine wichtige Rolle. Ein Angehörigentraining kann helfen, die Symptomatik bei Demenz-Patienten zu verbessern. angepassten Ergotherapie und gezielter körperlicher Aktivitäten. Auch für die Musiktherapie und die Anwendung von Aromastoffen sowie Multisensorische Verfahren (Snoezelen) konnten die Experten mehrere Studien identifizieren, die zumindest geringe positive Effekte nachweisen. Ein Angehörigentraining kann ebenfalls helfen, die Symptomatik bei Demenz-Patienten zu verbessern und sollte deshalb angeboten werden. Diese Art der Unterstützung soll aber auch den Angehörigen selbst zugutekommen – ein Aspekt, der in der Leitlinie ausführlich erörtert wird. gelöst sind. Die psychosoziale Intervention – also zum Beispiel die Schulung von pflegenden Angehörigen – vermeidet nachweislich zahlreiche Folgeerkrankungen bei den Angehörigen. Insofern lohnt sich diese Investition, etwa über die Pflegekassen. Im Bereich der Medikation zeigt gerade die neue S3-Leitlinie „Demenzen“, dass zahlreiche unwirksame Medikamente verordnet werden, während die wenigen wirksamen häufig entweder nicht richtig oder überhaupt nicht zum Einsatz kommen. Es geht also nicht um mehr Medikamente und damit mehr Kosten, sondern deren maß- und sinnvollen Einsatz. Wie ist das Versorgungssystem aktuell in der Lage, psychosoziale Interventionen gleichwertig zur medikamentösen Therapie anzubieten und bei der wachsenden Zahl dementer Patienten zu realisieren? Die neue S3-Leitlinie zeigt deutlich, dass beide Bereiche – die psychosoziale Intervention wie auch die medikamentöse Therapie – noch unzureichend Für die medikamentöse Therapie war von neuen Wirk samkeitsnachweisen zu hören. Haben pflanzliche Extrakte wie Ginkgo jetzt doch eine überzeugende Wirkung? Was kann man erwarten? Gibt es neue Medikamente, die die Erkrankung stoppen? Der Einsatz von Ginkgo biloba ist in der Leitlinie neu gewichtet. Für den Extrakt EgB 761 gebe es Conferences 9

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