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CONNEXI 2016-07 Kardiologie Herzchirurgie

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Telemedizin

Telemedizin Telemonitoring bei kardiovaskulären Erkrankungen und schlafbezogenen Atmungsstörungen Ingo Fietze, Berlin Unabhängig von der Wissenschaft wird Telemedizin in der Praxis bereits vielfach angewendet: Anästhesiologen der Charité betreuen eine Ölplattform in der Nordsee, Mediziner auf der Erde die Astronauten im All und eine Zentrale in Moskau die Rettungssanitäter der russischen Bahn. Conferences Beispielgebend ist das Fontane-Projekt in der Charité [1]. Es werden herzinsuffiziente Patienten aus Berlin/Brandenburg telemedizinisch überwacht. Bei klinischer Notwendigkeit kann der Patient einen EKG-Streifen an eine Zentrale schicken, 24 h am Tag. Ein Arzt beurteilt das EKG mit folgender Rückmeldung: Entwarnung, beim Hausarzt vorstellen, ein Kardiologe kommt oder den Rettungsdienst alarmieren. Hindricks et al. [2] wiesen bei herzinsuffizienten Patienten mit einem implantierten Monitor eine geringe Sterberate im Vergleich zu einer Kontrollgruppe im Verlauf von 500 Tagen nach. Ricci et al. [3] zeigten bei 1.625 Patienten, die konventionell wegen Vorhofflimmern behandelt wurden, ein Es ist unsere Aufgabe, die Entwicklung der Telemedizin wissenschaftlich zu begleiten . Feststellungsintervall von erneut aufgetretenem Vorhofflimmern nach letztem Krankenhausaufenthalt von 148 Tagen im Vergleich zu 50 Tagen mit Telemedizin. Wie kann Telemedizin in der schlafmedizinischen Kardiologie aussehen? Zum Beispiel so, dass Patienten auf der kardiologischen Station einem Schlafapnoe-Monitoring unterzogen werden, welches offline oder online ins Schlafzentrum gelangt und dort ausgewertet wird. Die Amerikanische Schlafgesellschaft hat ein Telemedizin-Programm aufgestellt [4], um Standards für die Detektionstechnik (Polygraphien) und die PAP-Kontrollalgorithmen zu definieren. Unabhängig von der noch fehlenden Standardisierung konnten Baig et al. 2016 [5] nachweisen, dass die Wartezeit auf eine PAP-Einstellung durch telemedizinische Kontrollen deutlich verringert werden kann (von mehr als 60 auf weniger als sieben Tage). Auch die Compliance steigt mit telemedizinischer Betreuung [6], von nur 100 Minuten pro Nacht (200 min in den Nächten mit tatsächlicher PAP-Nutzung) auf 190 Minuten (310 Minuten während der Nutzungstage). Auch eine Videokonferenz zur Masken- und Kopfband-Applikation trägt deutlich zur Zufriedenheit mit der PAP-Therapie bei [7]. Was die Kosten betrifft, verringert Telemedizin die Fahrtkosten und Fehlarbeitstage wegen Schlafapnoe [8]. Auch die Schwesternzeit pro Patient nimmt ab, von 56 auf ca. 38 Minuten [9] sowie die Wartezeit auf eine Therapie von mehr als 60 auf weniger als sieben Tage [5]. Vorteile der Telemedizin sind die einfache, portable Technik, die flächendeckende Anwendungsmöglichkeit, verfügbare automatische Analysen, gut qualifiziertes Personal und geringe Kosten. Nachteile sind noch fehlende Definitionen der Atmungsstörungen für indirekte Messungen, die fehlenden Standards für die noch sehr unterschiedliche telemedizinische Technik, der Mangel an Telemedizin-fähigen CPAP-Geräten und die fehlende Kostenerstattung durch die Krankenkassen. Es ist unsere Aufgabe, die Entwicklung der Telemedizin wissenschaftlich zu begleiten, die Qua- 22

Telemedizin litätsmaßstäbe der verwendeten Technik und der Patientenversorgung festzulegen sowie Behandlungspfade und diejenigen Behandlungsschritte und diejenigen Subgruppen von Patienten zu definieren, die den neuen innovativen TeleCare- Methoden zugeführt werden können. Literatur: 1. Koehler F, Winkler S, Schieber M et al.: Telemedical Interventional Monitoring in Heart Failure Investigators Impact of remote telemedical management on mortality and hospitalizations in ambulatory patients with chronic heart failure: the telemedical interventional monitoring in heart failure study. Circulation. 2011 May 3;123(17):1873-80 2. Hindricks G, Taborsky M, Glikson M, et al.: IN-TIME study group. Implant-based multiparameter telemonitoring of patients with heart failure (IN-TIME): a randomised controlled trial. Lancet. 2014 Aug 16;384(9943):583-90. 3. Ricci RP, Morichelli L, Varma N. Remote Monitoring for Follow-up of Patients with Cardiac Implantable Electronic Devices. Arrhythm Electrophysiol Rev. 2014 Aug;3(2):123-8 4. Hirshkowitz M1, Sharafkhaneh A1Hishkovitz A telemedicine program for diagnosis and management of sleepdisordered breathing: the fast-track for sleep apnea tele-sleep program. Semin Respir Crit Care Med. 2014 Oct;35(5):560-70 5. Baig MM, Antonescu-Turcu A, Ratarasarn K Impact of Sleep Telemedicine Protocol in Management of Sleep Apnea: A 5-Year VA Experience. Telemed J E Health. 2016 May;22(5):458-62 6. Fox N, Hirsch-Allen AJ, Goodfellow E, et al.: The impact of a telemedicine monitoring system on positive airway pressure adherence in patients with obstructive sleep apnea: a randomized controlled trial. Sleep. 2012 Apr 1;35(4):477-81 7. Isetta V, León C, Torres M, Embid C, Roca J, Navajas D, Farré R, Montserrat JM Telemedicine-based approach for obstructive sleep apnea management: building evidence. Interact J Med Res. 2014 Feb 19;3(1):e6. doi: 10.2196/ ijmr.3060 8. Isetta V, Negrín MA, Monasterio C, et al.: SPANISH SLEEP NETWORK A Bayesian cost-effectiveness analysis of a telemedicine-based strategy for the management of sleep apnoea: a multicentre randomised controlled trial. Thorax. 2015 Nov;70(11):1054-61 9. Anttalainen U, Melkko S, Hakko S, et al.: Telemonitoring of CPAP therapy may save nursing time. Sleep Breath. 2016 Apr 4. [Epub ahead of print]Anttalainen Prof. Dr. med. Ingo Fietze ingo.fietze@charite.de Conferences 23

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