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CONNEXI 2016-07 Kardiologie Herzchirurgie

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Adhärenz im Fokus COPD)

Adhärenz im Fokus COPD) bei leitliniengerechter Behandlung pro Tag 12 verschiedene Medikamente mit 19 Einzeldosen zu sich nehmen müssen, zu fünf verschiedenen Zeitpunkten. Selbst wenn man diese Medikamente pragmatisch optimiert, bleiben immer noch 9-12 Dosen pro Tag übrig. 95 % aller in Frage kommenden Patienten würden eine Behandlung mit einer Polypille bevorzugen [4]. Education die mussten die Patienten täglich im Durchschnitt 7,85 verschiedene Medikamente einnehmen, einige davon jedoch mehrmals täglich, so dass die Zahl der täglichen Tabletten noch weitaus höher lag [2]. Für solche Fälle wurde die Polypille Sincronium® als fixe Kombination aus ASS, Ramipril und Atorvastatin zur Sekundärprophylaxe von kardiovaskulären Ereignissen entwickelt. In einer Umfrage des US-amerikanischen Nachrichtensenders CNN (Cable News Network) zu diesem Thema, so Mengden, hätten 95 % der in Frage kommenden Patienten eine Polypille bevorzugt [4], und laut mehrerer Studien ist die Adhärenz mit der geringeren Zahl der einzunehmenden Medikamente tatsächlich signifikant höher [5, 6, 7]. Hochbetagte Patienten sind anders Professor Dr. med. Cornel Sieber, Chefarzt der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Geriatrie am Krankenhaus Barmherzige Brüder in Regensburg, beleuchtete das Problem aus einer anderen Sicht – der des geriatrischen Patienten. Hier gelten etwas andere Regeln als bei jüngeren Menschen, denn einerseits besteht natürlich weiterhin das Ziel einer möglichst leitliniengerechten Behandlung, andererseits ergibt sich bei steigender Zahl von Komorbiditäten eine bemerkenswerte Polypharmazie. In einem Gedankenexperiment [8] würde eine hypothetische 79-jährige Patientin mit fünf typischen Krankheiten (Diabetes mellitus Typ 2, arterielle Hypertonie, Osteoarthrose, Osteoporose und Ein weiteres Problem: Nicht alle Medikamente eignen sich für hochbetagte Patienten, und nicht alle Ärzte verschreiben ihren geriatrischen Patienten alle notwendigen Arzneimittel. Beides zusammen – „potentially inappropriate medicines (PIM)“ und „potentially inappropriate prescribing omissions (PPO)“ kann zu unnötigen Krankenhauseinweisungen führen und belastet damit nicht nur die Patienten, sondern auch das Gesundheitssystem [9]. Bei hochbetagten Patienten ist ein pragmatisches Vorgehen gefragt, eine vorsichtige Verordnung unter Beachtung der Empfehlungen für alte Menschen (z. B. der PRISKUS-Liste), und wenn möglich eine Vereinfachung der Therapie. Wichtiger als eine Erreichung sämtlicher Therapieziele ist eine Medikation, mit der die Patienten gut leben können. Oft führt beispielsweise eine allzu strenge Senkung des Blutdrucks zu einem höheren Risiko für Stürze, mit weitreichenden Folgen. Kosteneffektivität im Fokus Privatdozentin Dr. med. Anja Neumann, Lehrstuhl für Medizin-Management an der Universität Duisburg-Essen beschäftigte sich mit der Kosteneffektivität der Polypille. 52

Adhärenz im Fokus Adhärenz: 88 vs. 69 % 100 90 % 80 % 70 % 85,9% * 73,7% 87,3% 86,5% * 73,6% * 72,1% 88,8% 87,7% 89,6% 90,2% * 70,1% * 69,7% * 67,2% * 65,6% 60 % 50 % 40 % 30 % 20 % 10 % 0 % *p6 Number of concomitant drugs Single-pill combination (n=2,839) Free combination (n=3,367) Abbildung 2: Adhärenz Single-pill vs freie Kombination [5]. Setzt man voraus, dass eine um 10 % verbesserte Adhärenz die Anzahl der Ereignisse um 6,7 % senken kann [10], dann ist auch eine entsprechende Kostensenkung durch Vermeidung von Herz-Kreislauf-Ereignissen zu erwarten. Dies ist derzeit noch nicht in randomisierten Studien nachgewiesen, die aktuell laufenden Studien sollen 2018 vorliegen. Bericht: Dr. med. Friederike Günther, Redaktion Quelle: Hexal-Symposium zum Thema „Adhärenz im Fokus – Diskrepanz zwischen Leitlinienanspruch und Versorgungsrealität in der Sekundärprävention“, im Rahmen der 82. Jahrestagung der DGK am 30.03.2016 in Mannheim. Mit freundlicher Unterstützung der Hexal AG. Referenzen: 1. Kotseva K, Wood D, De Bacquer D, De Backer G, Rydén L, Jennings et.al. EUROASPIRE Investigators. EUROASPIRE IV: A European Society of Cardiology survey on the lifestyle, risk factor and therapeutic management of coronary patients from 24 European countries. Eur J Prev Cardiol. 2016 Apr;23(6):636-48 2. Mengden, unpublished data 3. Mancia et al. Am J Hypertens 1997; 10: 153S-158S. 4. http://edition.cnn.com/POLLSERVER/results/4258.html 5. Gerbino PP, Shoheiber O. Adherence patterns among patients treated with fixed-dose combination versus separate antihypertensive agents. Am J Health System Pharm 2007; 64 (12):1279-83 6. Castellano et al. A polypill strategy to improve adherence: results from the FOCUS project. J Am Coll Cardiol. 2014; 18-25; 64 (20); 2071-82. 7. Thom S et al. Effects of a fixed-dose combination strategy on adherence and risk factors with or at high risk of CVD: the UMPIRE randomized clinical trial. JAMA 2013; 310: 918-29. 8. Boyd C et al. JAMA 2005; 294:716-724. 9. Moriarty F et al. Potentially inappropriate medicines and potential prescribing omissions in older people and their association with health care utilization: a retrospective cohort study. epub https://www.ispor.org/ awards/17Euro/PHI90.pdf 10. Becerra V et al.: Cost-effectiveness and public health benefit of secondary cardiovascular disease prevention from using a polypill in the UK. BMJ Open 2015; 9; 5e007111 doi:10.1136/bmjopen-2014-007111. Education 53

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