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CONNEXI 2016-07 Kardiologie Herzchirurgie

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Interview mit Prof. Dr.

Interview mit Prof. Dr. med. Andreas Zeiher High-Tech-Medizin: Neue Chancen in der Kardiologie Herr Professor Zeiher, der diesjährige DGK-Kongress in Mannheim stand unter dem Motto „High- Tech-Medizin“. In vielen Bereichen der Kardiologie hat sich ja in den letzten Jahren in dieser Richtung viel getan, sowohl in der interventionellen Kardiologie als auch in der Arzneimittelentwicklung. Welche neuen Entwicklungen sind aus Ihrer Sicht besonders spannend? Im Bereich der interventionellen Kardiologie hat sicherlich die Behandlung struktureller Herzerkrankungen einen Erdrutsch ausgelöst. Dazu gehört die kathetergestützte Implantation von Aortenklappen, die bei Patienten mit höherem Risiko für eine Operation am offenen Herzen bereits jetzt eine etablierte Behandlungs-Alternative geworden ist. Aber Eine sinnvolle, an den Bedarf angepasste Ressourcenverteilung dürfte in unserem Wohlstandsstaat möglich sein. Conferences auch Interventionen an der Mitralklappe schreiten aufgrund der technischen Verbesserungen durch Miniaturisierung der Instrumente und verbesserte intra-prozedurale Bildgebung (4D-Echo) rasant voran. Es ist absehbar, dass weitere Verfahren (Reshaping dilatierter Ventrikel, kathetergestützte Anlage von Mitralklappen-Chordae etc.) in absehbarer Zeit das therapeutische Armamentarium für unsere Patienten erweitern werden. Desgleichen werden im herzchirurgischen Bereich die Herz- Unterstützungssysteme (‚assist devices‘) immer patientenfreundlicher und mittlerweile für ausgewählte Patienten als sog. Destination-Therapie als endgültige Behandlungsmaßnahme eingesetzt. Im Bereich der Rhythmologie stellen die kabellosen Schrittmacher eine absolute Innovation dar. Die Ablation von Herzrhythmusstörungen hat durch Einsatz hochkomplexer Computerverfahren zur Visualisierung der Entstehungsorte von Herzrhythmusstörungen ebenfalls eine höhere Effektivität erfahren. Schließlich macht die Telemedizin derzeit Quantensprünge, insbesondere auch durch die kontinuierliche Erfassung kardialer Leistungsparameter unter häuslichen Bedingungen, die eine optimierte Therapiesteuerung ermöglicht (Cardio- MEMS etc.). In der Arzneimittelentwicklung sind insbesondere zwei Innovationen zu erwähnen: zum einen die Zulassung eines kombinierten Angiotensin- Rezeptor-Blocker/Neprilysin-Inhibitors (Entresto), der einen über 20 Jahre festen Bestandteil der Herzinsuffizienz-Behandlung, die ACE-Hemmer, in der Therapie der symptomatischen Herzinsuffizienz ablösen wird. Zum anderen die Zulassung von sog. PCSK9-Inhibitoren (Repatha; Praluent), die über ein völlig neues Wirkprinzip eine dramatische Senkung der Cholesterin-Werte erzielen und damit erstmals eine effiziente Behandlung von Patienten mit genetisch bedingter familiärer Hypercholesterinämie ermöglichen, aber auch Patienten mit Statin-Unverträglichkeit eine Behandlungsoption bieten. „High Tech“ ist in unseren Köpfen automatisch ja auch immer verknüpft mit „High Cost“. Wo sehen Sie Probleme der High-Tech-Medizin im Kontext unseres Gesundheitssystems? Sicherlich können wir nicht Innovationen um jeden Preis einführen. Allerdings dürfte eine sinnvolle und an den Bedarf angepasste Ressourcenverteilung in unserem Wohlstandsstaat durchaus 6

Interview möglich sein. Gleichzeitig muss uns bewusst sein, dass medizinischer Fortschritt chronische Leiden schafft, auf die wir uns einstellen müssen. Werden in Zukunft vermehrt Kosteneffektivitätsstudien durchgeführt werden müssen – und was bedeutet das für Patienten, die „nicht mehr warten können“? Mit Sicherheit werden Kosteneffektivitätsstudien mehr in den Vordergrund rücken. Die Politik trägt hierzu auch bei durch die Einführung des sog. Innovationsfonds, aus dem derartige Projekte zumindest teilfinanziert werden. Es wird aber neben den Kostenträgern auch Aufgabe der medizintechnischen und Pharma-Industrie sein, sich an der Durchführung derartiger Effektivitätsstudien aus gesundheitspolitischen und ressourcenbezogenen Gründen zu beteiligen. Ich persönlich sehe dies aber optimistisch, da unsere Gesellschaft mitbestimmt, welche Gesundheitsstandards und Therapieverfahren wir uns leisten werden und sie auch einsetzen. Aus diesem Grunde glaube ich nicht, dass wir bedürftige Menschen hinsichtlich Gesundheitsversorgung ‚zurücklassen‘ werden. Prof. Dr. med. Andreas Zeiher zeiher@em.uni-frankfurt.de einen ‚gläsernen Patienten‘ schaffen. Auch wissen wir nicht derzeit, ob uns ‚big data‘ auch gesünder machen. Als Folge der ‚big data‘ Modellierung von Krankheiten werden wir uns der Frage stellen müssen, ob Lebensschutz Vorrang vor Datenschutz hat. Insgesamt rücken somit zunehmend ethische Entscheidungen in unser ärztliches Alltagshandeln Es muss uns bewusst sein, dass medizinischer Fortschritt chronische Leiden schafft, auf die wir uns einstellen müssen. Wo sehen Sie eventuelle Risiken der High-Tech- Medizin? Eine große Herausforderung ist sicherlich die Umsetzung eines autonomen Gesundheitsmanagements. Wir sind aufgefordert, unsere Patienten vor Datenmissbrauch zu schützen, da die technischen computerbasierten Verfahren eine umfassende Datenspeicherung ermöglichen und damit ein. Dazu gehören auch sogenannte ‚end-of-life‘- Entscheidungen und Abbau von Innovationsangst bei betroffenen Patienten. Sehen Sie Erfolge in der Primärprävention kardiovaskulärer Erkrankungen? Eindeutig ja. Wenn man sich vor Augen hält, dass fast 70 % der gewonnen acht Jahre an Conferences 7

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