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CONNEXI 2016-08 Nephrologie

Virusinfektion und

Virusinfektion und Dialyse Conferences 40. Nephrologisches Seminar in Heidelberg Ausstattung notwendig, die ein Ultraschallgerät, ein Röntgengerät und ein Beatmungsgerät sowie ein Dialysegerät vorhält. Nach Desinfektion und einer Distanzperiode von 7–10 Tagen können die Geräte im Normalbereich wieder verwendet werden . Nierenersatztherapie in der akuten Phase einer Ebola-Erkrankung Bei der Auswahl des Dialyseverfahrens sind primär kontinuierliche chronische Nierenersatztherapie-Verfahren zu bevorzugen (CVVHF, CVVHD, CVVHDF). Die kontinuierlichen Dialyseverfahren bieten Vorteile hinsichtlich der hämodynamischen Stabilität, ermöglichen ein besseres Flüssigkeitsmanagement, haben den Vorteil, dass Pflegepersonal aus den ICU-Einheiten eingesetzt werden kann und nicht nur Dialysepersonal, es sind weniger Systemwechsel notwendig, und es gibt weniger Flüssigkeitsabfall. Ein Peritonealdialyseverfahren ist nur bei Kindern indiziert (allerdings sind gastrointestinale Probleme, bakterielle Translokation und Peritonitisgefahr zu bedenken). Es muss diskutiert werden, ob die Peritonealdialyse (PD) bei fehlendem medizinischem Equipment in den Ursprungsländern (Afrika) eingesetzt werden kann. Am wichtigsten aber ist dabei zu bedenken, dass im Gegensatz zum Dialysat bei maschineller Nierenersatztherapie der PD-Auslauf hochinfektiös ist. Medizinisches Personal Bei der Auswahl des medizinischen Personals sollte primär der Grundsatz der Freiwilligkeit beachtet werden. Vor dem eigentlichen Einsatz muss das Personal nach Eignung und Training selektiert werden. Wichtig ist, dass von Anfang an bestimmt wird, welche Konsiliarärzte aus den einzelnen Abteilungen zuständig sind, falls ihre Hilfe benötigt wird. Hinsichtlich der Versorgung der Patienten sind ethische Aspekte zu berücksichtigen, insbesondere auch der Aspekt der Notwendigkeit einer kardiopulmonalen Reanimation, der ein extrem hohes Infektionsrisiko beinhaltet. 12

Virusinfektion und Dialyse Antikoagulation Zur Antikoagulation wird die regionale Citratantikoagulation bevorzugt, die Filterstandzeiten bis 72 Stunden ermöglicht. Alternativ kann niedermolekulares Heparin oder eine regionale Heparinisierung erfolgen. Bei Blutflüssen über 300 ml/min. ist evtl. auch eine heparinfreie Dialyse möglich. Falls ein Prädilutionsverfahren eingesetzt wird, muss bedacht werden, dass die Clearance um ca. 15 % reduziert ist. Der Volumenentzug sollte 20–25 ml/kg/h betragen. Dialysat-Dekontamination Bei dem Einsatz von High-Flux-Dialysefiltern sollte das Dialysat Ebola-frei sein (Ebola-Virus über 60 KD). Kommt es aber zu Filterschäden und Faserrupturen, können Viren in das Dialysat eindringen. Deshalb sollte das Dialysat auf Kontamination durch Ebola-Viren untersucht werden. Vorteilhaft ist die Möglichkeit einer speziellen Dekontamination im Bereich der Isolationseinheit. In dem speziellen Fall eines 36-jährigen Arztes, der in Frankfurt mit schwerer Ebola-Infektion behandelt wurde, wurde weltweit zum ersten Mal ein spezieller Filter eingesetzt, der es ermöglicht hat, Ebola-Viren in großer Zahl aus der Zirkulation zu entfernen, ohne dass gleichzeitig neu gebildete antivirale Antikörper reduziert wurden. Somit ist es möglich, die Viruslast zu senken, ohne das eigene Immunsystem zu schwächen. Entscheidend für das Überleben unseres schwer kranken Ebola-Patienten war sicher die Gesamtheit aller eingesetzten Interventionen, insbesondere die intensive Pflege des Patienten und die Vorhaltung aller wichtigen Basismaßnahmen. Der Einsatz dieses neuen Filters der Fa. Aethlon Medical (Hemopurifier) ist ein neuer und innovativer therapeutischer Ansatz, der möglicherweise auch bei schwerst kranken Patienten mit anderen Viruserkrankungen (z. B. Hepatitis B, Hepatitis C, Prof. Dr. med. Helmut Geiger h.geiger@em.uni-frankfurt.de Influenza, HIV etc.) eingesetzt werden könnte. Details zur Wirkungsweise des Filters wurden im Journal Blood Purification publiziert [8]. Referenzen 1. Wolf T, Kann G, Becker S et al. Severe Ebola virus disease with vascular leakage and multiorgan failure: treatment of a patient in intensive care. Lancet 2015; 385(9976): 1428–35. 2. Evans NG. Balancing the duty to treat patients with Ebola virus disease with the risks to dialysis personnel. Clin J Am Soc Nephrol 2015; 10(12): 2263–7. 3. Wolf T, Ross MJ, Davenport A. Minimizing risks associated with renal replacement therapy in patients with Ebola virus disease. Kidney Int 2015; 87(1): 5–7. 4. Sueblinvong V, Johnson DW, Weinstein GL et al. Critical care for multiple organ failure secondary to Ebola virus disease in the United States. Crit Care Med 2015; 43(10): 2066–75. 5. Faubel S, Franch H, Vijayan A et al. Preparing for renal replacement therapy in patients with the Ebola virus disease. Blood Purif 2014; 38(3-4): 276–85. 6. Ronco C. Ebola virus disease and blood purification techniques. Blood Purif 2014; 38(3-4): 273–5. 7. Connor MJ Jr, Kraft C, Mehta AK et al. Successful delivery of RRT in Ebola virus disease. J Am Soc Nephrol 2015; 26(1): 31–7. 8. Büttner S, Koch B, Dolnik O et al. Extracorporeal virus elimination for the treatment of severe Ebola virus disease – first experience with lectin affinity plasmapheresis. Blood Purif 2014; 38(3–4): 286–91. Conferences 40. Nephrologisches Seminar in Heidelberg 13

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