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CONNEXI 2016-08 Nephrologie

Eine innovative

Eine innovative endovaskuläre Methode Shunt-Anlage ohne Shunt-OP, geht das? Wojciech Derwich und Thomas Schmitz-Rixen, Frankfurt am Main A B Infektionen sind die zweithäufigste Todesursache bei Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz. Diese hängen zum Teil von der Anwendung eines Vorhofkatheters im Rahmen der Initiierung und Fortsetzung der Dialysetherapie nach Chronifizierung der Dialysepflichtigkeit ab [1]. Die verlängerte Anwendung der Dialysekatheter ist unter anderem auf eine fehlende oder verzögerte Maturation einer chirurgisch angelegten AV-Fistel zurückzuführen. Abbildung 1: Ablauf der endovaskulären Bildung einer AV-Fistel zwischen der A. und V. ulnaris: Platzierung der Angioschleusen am Oberarm (A), Einführen eines arteriellen und venösen Katheters in die Unterarmgefäße (B), Auslösen eines RF-Impulses und Bildung einer AV-Fistel (C) (Quelle: TVA Medical). Conferences 25. Erfurter Dialysefachtagung In Anbetracht der hohen Versagensrate nach der operativen Anlage einer AV-Fistel werden neue Methoden mit allen Vorteilen der autologen Rekonstruktion gesucht, die das operative Trauma minimieren und die Flusseigenschaften über eine AV-Fistel verbessern. Prinzip des everlinQ endoAVF System Diese Möglichkeit eröffnet die endovaskuläre Anlage mit dem everlinQ endoAVF System (Fa. TVA Medical). Das System ermöglicht die schnittfreie Anlage einer Fistel zwischen der Arteria (A.) und Vena (V.) ulnaris. Der Fluss aus dem tiefen System wird in die V. cephalica und basilica am Oberarm durch natürlich bestehende, kaliberstarke Perforansvenen kubital umgeleitet. Die Flussverhältnisse entsprechen einer chirurgisch angelegten Gracz-Fistel. Endovaskuläre Bildung einer AV-Fistel zur Dialysetherapie Eine Verbindung zwischen der A. und V. ulnaris wird mit Hilfe eines Kathetersystems geschaffen (Abbildung 1). Der über die V. brachialis in die V. ulnaris einführbare venöse Katheter besitzt eine vorgespannte Elektrode, die in der richtigen Position durch Zurückziehen einer Hülle freigesetzt wird. Der in der A. ulnaris positionierte arterielle Katheter ist am distalen Ende mit einer Keramik oberfläche ausgestattet. Magnete aus seltenen Erden ermöglichen die exakte Positionierung. Nach Auslösen des Systems bei den adäquat positionierten Kathetern fließt schneidender Radiofrequenzstrom zwischen der venösen Elektrode und der Keramikoberfläche des arteriellen Katheters und erzeugt so eine präzise AV-Fistel. 22

Eine innovative endovaskuläre Methode C Planung der Prozedur Eine absolute Voraussetzung für die Durchführung und den Erfolg der Prozedur ist die Planung mit duplexsonographischem Mapping der Zielgefäße. Die Intervention ist nur bei Vorhandensein einer Perforansvene (Kaliber >2 mm) sowie einem Mindestdurchmesser der V. basilica und cephalica, A. und V. brachialis sowie der A. und V. ulnaris von 2 mm möglich. Studienlage Bisherige klinische Erfahrungen basieren auf zwei klinischen Studien. Im Rahmen einer prospektiven Studie (Flex) wurden insgesamt 33 Patienten mit der endovaskulären Fistelanlage behandelt [2]. Ein technischer Erfolg des Verfahrens konnte in 97 % der Fälle erzeugt werden. Die Maturation der Zugangswege konnte im Durchschnitt nach 58 Tagen (37– 168 Tage) bei einem Flussvolumen von 990 ± 580 ml/ min festgestellt werden. Die Gesamtoffenheitsrate betrug 96,2 % nach sechs Monaten. Durch gezielten Verschluss der V. brachialis mittels Coiling konnte die Maturation von durchschnittlich 62 Tagen auf 37 Tage reduziert werden. Die Ergebnisse nach der Applikation des Systems wurden im Rahmen einer prospektiven multizentrischen Studie NEAT (The Novel Endovascular Access Trial) an 80 Patienten in neun Zentren (Kanada, Australien, Neuseeland) mit einer Nachuntersuchungszeit von zwölf Monaten postinterventionell reevaluiert [3]. Die Maturation der AV-Fistel betrug nach drei Monaten 91,2 %. Fehlende Maturation wurde in drei Fällen durch den inadäquaten Fluss, in einem Fall durch Thrombose der AV-Fistel und in einem Fall durch fehlende AV-Fistelbildung beobachtet. Ein technischer Erfolg wurde in 98,3 % der Fälle erzielt. Bei einem Patienten wurde ein Steal- Phänomen beobachtet, was durch einen embolischen Verschluss der A. radialis durch Anwendung eines perkutanen Verschlusssystems auftrat. Der Fluss in der A. brachialis konnte innerhalb von sieben Tagen von 81 ml/min auf 785 ml/min gesteigert werden. Zusammenfassung Dr. med. Wojciech Derwich wojciech.derwich@kgu.de everlinQ endoAVF System bietet einen endovaskulären Zugang zur Bildung einer AV-Fistel mit einem sehr guten prozeduralen Ergebnis und einer niedrigen Komplikationsrate. Die Methode beschleunigt die Maturation der Zugangsvene für die Dialysetherapie mit einem geringen Operationstrauma. Referenzen 1. Berardinelli L. The endless history of vascular access: a surgeon’s perspektive. J Vasc Access 2006; 7: 103–11. 2. Rajan DK et al. Percutaneous creation of an arteriovenous fistula for hemodialysis access. J Vasc Interv Radiol 2015; 26: 484–90. 3. Lok C. Endovascular creation of dialysis access: Primary efficacy results of the novel endovascular access trial with the “everlinQ endoAVF System”. Presentation on Leipzig Interventional Course. 28.01.2016. Conferences 25. Erfurter Dialysefachtagung 23

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