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CONNEXI 2016-08 Nephrologie

News Neuer Kaliumsenker

News Neuer Kaliumsenker hält Kaliumwerte in Schach Ein Anstieg des Serumkaliums ist eine bekannte Nebenwirkung von Medikamenten, die das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS) blockieren. Klinisch relevant wird dieser Anstieg insbesondere dann, wenn die Niere bereits vorgeschädigt ist. RAAS-Inhibitoren werden in dieser Situation häufig in der Dosis reduziert oder abgesetzt und das, obwohl sie das Fortschreiten der Nierenerkrankung nachweislich verzögern. Patiromer, ein neuartiger Wirkstoff zur Kaliumsenkung, führte in klinischen Studien bei Patienten, die wegen einer chronischen Niereninsuffizienz mit Inhibitoren des RAAS behandelt wurden, zu langfristig normalisierten Kaliumspiegeln. Conferences 53 rd ERA-EDTA Congress, Wien Patienten mit Diabetes mellitus und chronischer Niereninsuffizienz (CKD), einer häufigen Spätkomplikation des Diabetes, sollten mit ACE-Hemmern (ACEi) oder Angiotensin-Rezeptorblockern (ARB) behandelt werden, denn über eine therapeutische Blockade RAAS lässt sich das Fortschreiten der Niereninsuffizienz deutlich verlangsamen [1, 2]. Doch lediglich ca. 40 % der CKD-Patienten mit DM erhalten überhaupt ein solches Medikament, von diesen werden wiederum nur etwa 40 % in ausreichender Höhe dosiert. Zusammengenommen werden, wie Prof. Weir anlässlich des 53 rd ERA-EDTA-Kongresses im Mai 2016 in Wien vorrechnete, nur etwa 16 % der CKD-Patienten mit DM mit einem RAAS-Blocker in einem optimalen Dosisbereich therapiert [3]. Hyperkaliämie unter RAAS-Blockade Einer besonderen Aufmerksamkeit unter RAAS- Blockade bedarf die Serum-Kalium-Konzentration. Insbesondere eine Hyperkaliämie muss vermieden werden, da sie potenziell lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen auslösen kann. Störungen im Kaliumhaushalt treten bei CKD häufig auf und sind nicht selten medikamentös (mit)verursacht. Da das RAA-System wesentlich zur Kaliumausscheidung beiträgt, müssen häufig ausgerechnet die prognoseverbessernden ACHi und ARB in der Dosis reduziert oder abgesetzt werden, wenn es zu einem Anstieg des Serumkaliums gekommen ist. Die Möglichkeiten, den Serumkaliumspiegel anderweitig zu senken (Kalziumsalze, Insulin/Glukose, Natriumbikarbonat etc.) sind begrenzt und keine dauerhaften therapeutischen Alternativen. Auch führen einige dieser Maßnahmen lediglich zu einer Verschiebung des Kaliums in die Zelle. Kationenaustauscher, die Kalium im Darm binden, wie z. B. Natriumpolystyrolsulfonat können Kalium zwar aus dem Körper ausschleusen, sie sind aber nicht in allen Fällen wirksam oder einsetzbar. Darüber hinaus ist ihre Verträglichkeit häufig problematisch; auch schwere gastrointestinale Nebenwirkungen sind beschrieben [4]. Auch mit einer kaliumarmen Diät lassen sich erhöhte Kaliumwerte kaum dauerhaft in den Griff bekommen. Langfristige Kontrolle der Kaliumspiegel Im Herbst 2015 hat die U.S. Food and Drug Administration Patiromer für die Behandlung der Hyperkaliämie die Zulassung erteilt. Patiromer ist ein Polymer, das vom Darm nicht resorbiert wird und bei seiner Passage im Kolon Kalium-Ionen aufnimmt und sie gegen Kalzium-Ionen austauscht. Grundlage für die Zulassung waren die 2015 veröffentlichten Ergebnisse der prospektiven, multizentrischen, zweiphasigen Phase-III-Studie OPAL-HK [5], in der die Sicherheit und Wirksamkeit von Patiromer (4,2 oder 8,4 mg 2 x tgl.) bei Patienten (n=237) mit milder bis mittelschwerer CKD (eGFR 15–59 ml/min/1,73 m 2 ), die unter einer Dauerme- 26

News dikation mit ACEi oder ARB standen und erhöhte Kaliumspiegel (5,1–

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