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CONNEXI 2017-02 Schmerz

Evidenzlage ist eine

Evidenzlage ist eine wesentliche Voraussetzung für ein von allen Disziplinen vertretenes Modell und den Therapieerfolg. Patientenedukation in der Leitlinie Priv.-Doz. Dr. med. Charly Gaul c.gaul@migraene-klinik.de Betroffene sind oftmals nicht in der Lage seriöse , evidenz basierte Informationen von nicht sachgerechter Information zu unterscheiden Conferences Veranstaltungen vor Ort einen niederschwelligen Zugang zu Informationen anbietet. Im Rahmen eines Therapiekonzeptes sollte die Patientenedukation in ein Gesamtprogramm eingebunden sein. Bei der Umsetzung im klinischen Alltag ist zu beachten, dass alle beteiligten Therapeuten vergleichbare Therapiemodelle und -konzepte vertreten [4, 5]. Kommt es zu Widersprüchen zwischen den Aussagen des Arztes, des Psychologen oder Physiotherapeuten, führt dies zur Verunsicherung der Patienten, die sich dann das ihnen persönlich am ehesten einleuchtende Konzept „herauspicken“. Die interne Weiterbildung und Supervision in solchen Einrichtungen Die 2016 erstmalig erschienene Leitlinie „Entspannungsverfahren und verhaltenstherapeutische Interventionen zur Behandlung der Migräne“ von der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft weist den verhaltenstherapeutischen Interventionen eine hohe Empfehlungsstärke zu und empfiehlt auch die Patientenedukation [6]. Die Evidenz der Patientenedukation ist jedoch schwer zu prüfen, da Patientenedukation als alleinige Therapie kaum eingesetzt wird. Wenn Patientenedukation Teil eines multimodalen Konzeptes aus ärztlicher Behandlung, Pharmakotherapie, nichtmedikamentösen Verfahren und psychologischen Verfahren ist, ist es praktisch unmöglich, die Wirksamkeit einzelner Bausteine zu prüfen. Unklar ist auch, wie umfangreich die Edukation sein muss und wie ihre Wirksamkeit in klinischen Studien untersucht werden kann. In einem aktuellen systematischen Review zur Patientenedukation konnten 14 Studien in eine Metaanalyse eingeschlossen werden, um die Wirksamkeit der Patientenedukation bei Erwachsenen mit Migräne darzustellen [7]. In das systematische Review flossen sowohl internetbasierte Verfahren als auch Gruppentherapie, Bibliotherapie und Studien mit verhaltens- 10

Evidenzlage therapeutischem Schwerpunkt sowie dem Einsatz von Entspannungsverfahren ein. Problematisch ist die Auswahl der Kontrollgruppe, hier besteht die Möglichkeit die übliche Therapie (standard of care), Wartekontrollgruppen oder Minimal- Kontaktgruppen heranzuziehen. Endpunkte, die die Effektivität eines Behandlungsprogrammes messen lassen, sind die Kopfschmerzfrequenz, der Bedarf an Akutmedikation, das Ausmaß der psychischen Komorbidität (gemessen mit Screening- Fragebögen für Angst und Depression) sowie die Lebensqualität und das Ausmaß der Beeinträchtigung. Die therapeutische Patientenedukation sollte insgesamt auf die Verbesserung des Copings, die Stressreduktion, Entspannung und die Verbesserung der Wirksamkeitserwartung bzw. die Stärkung der Kontrollüberzeugung (internaler locus of control) abzielen. Nachgewiesen werden konnten Effekte auf die Depressivität, eine sowohl kurzfristige als auch anhaltende Verbesserung der Lebensqualität, eine Stärkung der Selbstwirksamkeit und sowohl im kurzfristigen Verlauf (am Ende eines Behandlungsprogramms) als auch im längeren Verlauf (follow up) eine Reduktion der Beeinträchtigung. Kurz- und mittelfristig ließen sich positive Effekte auf die Kopfschmerzfrequenz nachweisen, im längeren Erkrankungsverlauf reduzieren sich diese Effekte wieder. Möglicherweise ist hier eine Auffrischungsbehandlung notwendig. Information senkt Risiko enthält [8] (Abbildung 1). Bei diesen Patienten mit einer grenzwertig hohen Einnahmefrequenz von Triptanen und Analgetika, die also ein Risikoprofil für die Entwicklung eines Kopfschmerzes durch Medikamentenübergebrauch aufwiesen, ließ sich das Risiko signifikant absenken. Inhalte waren Informationen über die Migräne, Informationen über die Medikamente selbst und Regeln zur Einnahme, das Erkennen und Bewältigen von Risikosituationen und die Übertragung des Trainings in den Alltag. Effekte ließen sich auch nach zwei Jahren noch nachweisen. Je höher die Kopf- DER DEUTSCHE SCHMERZ- UND PALLIATIVTAG 2017 23. – 25. März 2017, Frankfurt am Main LUNCHSEMINAR Zusammenspiel von Patient, Arzt und Medikament: Herausforderung Interaktion Unter anderem konnte in einer zweiarmigen randomisierten Studie gezeigt werden, dass Patientenedukation mit fünf Gruppensitzungen ebenso effektiv ist wie die Ausgabe eines Informationsbuches über Migräne und Kopfschmerzen, das Empfehlung zum Umgang mit der Medikation, zum Verhalten in Risikosituationen und zur individuellen Umsetzung der Empfehlungen im Alltag Referenten Herr Prof. Dr. J. Mühling Herr Dipl. Psych. H.- G. Nobis Herr Dr. J. Horlemann Wann und wo? 24.03.2017 / 13:00 – 14:20 Uhr Conclusio 1+2 – Ebene C 2 Arzneimittel meiner Wahl

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