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CONNEXI 2017-02 Schmerz

Qutenza TM – Wirksam

Qutenza TM – Wirksam und sicher Hochdosiertes Capsaicin – Keine Angst vor der Anwendung beim Diabetiker Symposiumsbericht Hochdosierte Capsaicinpflaster haben sich bei der topischen Behandlung von chronischen neuropathischen Schmerzen etabliert. Seit Mai 2009 ist mit Qutenza ein dermales Pflaster mit Capsaicin (8 %) für die topische Behandlung von peripheren neuropathischen Schmerzen bei Erwachsenen zugelassen. Waren Patienten mit diabetischer Polyneuropathie zunächst von einer Therapie mit Qutenza ausgeschlossen, können seit einer Indikationserweiterung im Jahr 2015 auch Patienten, die neuropathische Schmerzen haben und an Diabetes mellitus erkrankt sind, von dieser hochwirksamen Therapieoption profitieren. Auf einem Satellitensymposium der Firma Astellas Pharma GmbH anlässlich des 27. Deutschen interdisziplinären Schmerz- und Palliativkongresses in Frankfurt am Main berichteten Experten über den nun möglichen Einsatz von Qutenza in der neuen Indikation. Chronische neuropathische Schmerzen sind häufig, und sie gelten als schwierig zu behandeln. In Abhängigkeit vom Studiendesign beträgt ihre Prävalenz 3,3–8,2 % [1, 2]. Neuropathische Schmerzen führen zu einem signifikanten Verlust an Alltagsfunktionalität und Lebensqualität. Im Vergleich zu Patienten mit nozizeptiven Schmerzerkrankungen leiden Patienten mit neuropathischen Schmerzen stärker unter ihren Schmerzen, sie haben einen höheren Arzneimittel- und Therapiebedarf und erzielen dennoch eine geringere Schmerzlinderung. Die konventionellen systemischen analgetischen Therapieoptionen zur pharmakologischen Behandlung von neuropathischen Schmerzen sind aufgrund ihrer zahlreichen zentralnervösen Nebenwirkungen und Arzneimittelinteraktionen oft nur eingeschränkt einsetzbar. Darüber hinaus besteht in der Regel die Notwendigkeit einer längeren einschleichenden Titrationsphase, weswegen häufig ein später Eintritt einer wirksamen Schmerztherapie in Kauf genommen werden muss (Tabelle 1). Therapeutische Alternative bei peripheren neuropathischen Schmerzen Mit der Zulassung von Qutenza TM steht seit 2009 eine wirksame therapeutische Alternative für Patienten mit peripheren neuropathischen Schmerzen zur Verfügung. Das hochkonzentrierte Capsaicin in Qutenza TM bewirkt nachweislich eine signifikante Linderung neuropathischer Schmerzen, die rasch einsetzt und trotz einmaliger maximal einstündiger Applikation zwölf Wochen oder länger anhält [4]. Bei dem topisch wirksamen Arzneimittel mit dem Wirkstoff Capsaicin sind zentralnervöse Nebenwirkungen nicht zu erwarten, und sie wurden in den Zulassungsstudien auch nicht beobachtet. Das Pflaster wird 30 bzw. 60 Minuten am Schmerzort appliziert. Die innovative Galenik von Qutenza sorgt für eine rasche Abgabe von hochkonzentriertem Capsaicin (8 %) direkt an die hyperaktiven Schmerzrezeptoren, dem Entstehungsort neuropathischer Schmerzen. Der Wirkstoff tritt in die Epi- Education Tabelle 1: Die Vorteile einer topischen Anwendung von hochdosiertem Capsaicin bei neuropathischem Schmerz. Topisches Capsaicin Systemische Therapie Lokal begrenzte Aufnahme in der Peripherie Systemische Resorption des Wirkstoffs Einmalige 30- bzw. 60-minütige Anwendung, Wiederholung frühestens alle drei Monate, mittlere Responsedauer: fünf Monate [3] Schneller Wirkeintritt innerhalb von Tagen Nebenwirkungen lokal begrenzt Keine Interaktionen mit anderen Arzneimitteln Regelmäßige, unter Umständen mehrmals tägliche Einnahmen erforderlich Verzögerter Wirkeintritt durch langwierige Titrationsphase Relativ häufig systemische Neben wirkungen Zahlreiche Arzneimittelwechselwirkungen müssen berücksichtigt werden 22

Qutenza TM – Wirksam und sicher dermis ein und desensibilisiert die TRPV1-Kanäle in den Nozizeptoren, unterbricht somit praktisch deren Schmerzweiterleitung [siehe Kasten]. Die Nozizeptoren werden durch den Kontakt mit der Substanz jedoch nicht permanent deaktiviert, die Desensibilisierung ist nur vorübergehend, und die Funktionsfähigkeit regeneriert sich im Verlauf einiger Wochen von selbst. Die mediane Dauer der Response auf die einmalige Therapie beträgt bis zu fünf Monate, lässt die Wirkung nach, kann die Behandlung wiederholt werden. Die einzigen häufigen Nebenwirkungen, die unter Qutenza beobachtet werden, treten lokal und vorübergehend im Zusammenhang mit dem Aufkleben des hochdosierten Capsaicinpflasters auf, unter anderem kann es an der behandelten Hautstelle zu Rötungen und einem Brennen kommen, Symptome, die in der Regel spontan innerhalb von ein bis zwei Tagen abklingen. Schneller wirksam als Standardtherapie Wirksamkeit und Sicherheit von Qutenza wurden in einem umfassenden klinischen Studienprogramm an über 2.000 Patienten untersucht. Dass Patienten, die mit Qutenza behandelt werden, im Vergleich zur Standardtherapie mit Pregabalin von einer erheblich früher einsetzenden klinisch relevanten Reduktion ihrer Schmerzen profitieren, zeigte die ELEVATE-Studie. In die offene, randomisierte, europaweite multizentrische Head-to- Head-Studie wurden insgesamt 568 Patienten mit peripheren neuropathischen Schmerzen unterschiedlicher Ätiologie eingeschlossen und entweder einmalig mit Qutenza TM oder täglich oral mit Pregabalin in optimierter Dosis über einen Beobachtungszeitraum von 8 Wochen behandelt [6]. Zugelassen waren die Diagnosen postzosterische Neuralgie, periphere Nervenverletzung und nichtdiabetische Capsaicin vermittelt Hitze- oder Schärfereize Capsaicin ist ein in Paprika- und Chilischoten der Gattung Capsicum natürlich vorkommendes Vanilloid-Alkaloid und als Inhaltsstoff verantwortlich für deren typische geschmackliche Schärfe. Lokal auf der Haut oder Schleimhaut appliziert bindet Capsaicin hochselektiv an den hitzeund protonensensitiven zellulären Ionenkanal TRPV1-Rezeptor (transient receptor potential vanilloid 1), auch Capsaicin-Rezeptor genannt, ein Schmerzrezeptor, der für die Wahrnehmung einer Reihe von aktuell oder potenziell gewebeschädigender, meist schmerzhafter Reize verantwortlich ist und auf rezeptiven peripheren Endigungen der schmerzvermittelnden unmyelinisierten C- und myelinisierten A -Fasern (Nozizeptoren) exprimiert wird. Wird TRPV1 mit hohen Temperaturen (>42 °C), Säure oder Capsaicin konfrontiert, öffnet sich der Ionenkanal und Calcium strömt in die Zelle. Kommt es dabei zu einer überschwelligen Depolarisation werden Aktionspotenziale und damit Schmerzsignale generiert, die entlang des Axons ins zentrale Nervensystem geleitet werden. Eine rasche Freisetzung von vasoaktiven Neuropeptiden und exzitatorischen Neurotransmittern wie Glutamat, Noradrenalin und Substanz P tragen ihrerseits zur Schmerzentstehung bei [5]. schmerzhafte periphere Polyneuropathie. Primärer Endpunkt der Non-Inferiority-Studie war das Ausmaß der Schmerzlinderung; gemessen anhand des Anteils der Patienten, die in ihrem jeweiligen Studienarm im Vergleich zu Baseline in Woche 8 auf der numerischen Schmerz-Ratingskala (NPRS) eine mindestens 30%ige Reduktion ihrer durchschnittlichen Schmerzintensität angaben. Beide Substanzen zeigten eine gute Wirksamkeit auf den neuropathischen Schmerz, und nach 8 Wochen hatten in beiden Gruppen etwas mehr als die Hälfte aller Patienten eine ≥ 30%ige Abnahme ihrer Schmerzen erfahren, damit war das primäre Studienziel, der Nachweis der Nichtunterlegenheit von Qutenza, erreicht. Der Zeitpunkt jedoch, ab dem 50 % der Patienten die klinisch relevante Schmerzlinderung angaben, wurde im Qutenza-Arm mit 7,5 Tagen zu einem deutlich früheren Zeitpunkt erreicht als unter Pregabalin mit 36 Tagen (p

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