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CONNEXI 2017-02 Schmerz

Der Ablehner haben

Der Ablehner haben häufig eine bestimmte, veränderungsresistente Weltanschauung. Wahrgenommene soziale Unterstützung begünstigt die Nutzung [10]. Auch werden komplementär-alternative Therapeuten als optimistischer, hilfsbereiter, mehr an der Person des Patienten, seiner Biographie und psychischen Belastungen interessiert wahrgenommen, ermuntern zur Übernahme von Verantwortung, legen mehr Wert auf Berührung [11]. Eine Studie an Brustkrebspatientinnen [12] zeigte, dass die Ablehnung schulmedizinischer Maßnahmen eher in der Arzt-Patient-Kommunikation begründet ist: zu überzeugen, die konventionelle Behandlung zu akzeptieren. Auch hinter zurückhaltenden Schmerzäußerungen bei Tumorschmerzpatienten kann sich eine Ablehnung schulmedizinischer Therapien verbergen [13], die kommunikatives Fingerspitzengefühl erfordern. Die Gründe hierfür können sein: •• Angst vor dem Progress und/oder Unmöglichkeit der Heilung, •• Krankheit/Schmerz als Strafe bzw. Verhandlungsgut im Tausch gegen Heilung, •• Fatalismus: Schmerz als unausweichliche Be - gleiterfahrung, Patienten, die sich entscheiden, auf eine Krebsbehandlung zu verzichten oder sie zu beenden, treffen eine aktive Entscheidung Conferences •• Negative Erfahrungen mit Ärzten bald nach ihrer Diagnose führen viele Ablehner weg von der konventionellen Medizin in die Hände von Heilpraktikern, die sie als mitfühlender wahrnehmen. •• Im Rückblick berichten Ablehner Unzufriedenheit mit ihrem anfänglichen Onkologen, den sie als „einschüchternd“, „kalt“, „gefühllos“, „unnötig hart“, „denken, sie sind Gott“ oder „nicht einmal den Namen des Patienten kennend“ erlebten. •• Einige kritisierten, dass ihre Ärzte das Ausmaß der Ängste nicht verstehen, und versuchten, sie unter Druck zu setzen schnelle Behandlungsentscheidungen zu treffen, während sie noch versuchten, ihre Diagnose zu verarbeiten. •• Ablehner nahmen ihre Ärzte als zynisch wahr oder vermuten eher finanzielle oder institutionelle Motive für eine Chemotherapie als das Wohlbefinden der Patienten. •• Einige wurden weiter entfremdet, wenn ihre Ärzte Angst als Taktik verwenden, um sie davon •• Ablehnung von „Chemie“ mit Angst vor weiterer Schädigung, •• Ablehnung von Morphin, •• der Wunsch, ein unproblematischer Patient zu sein, •• Sorge, den Arzt durch Schmerzäußerungen von der primären Krebsbehandlung abzulenken, •• der Versuch, Kampfgeist zu beweisen, •• der Wunsch nach eigener Kontrollmöglichkeit, •• Bedürfnis nach Selbstbestimmung. Sechs Ratschläge für Ärzte Aus einer Patientenbefragung in der Studie von Citrin et al. entstanden sechs Ratschläge für Ärzte zum kommunikativen Umgang mit Patienten mit Brustkrebs [12]: 1. Eine akzeptierende und vorurteilsfreie Haltung einnehmen: Wie Behandlungsempfehlungen mitgeteilt werden, ist ebenso wichtig wie die 34

Der Ablehner Emp fehlungen selbst. Nehmen Sie sich Zeit, Fragen der Patienten zu beantworten. 2. Ansatzpunkte für Hoffnung schaffen: Nicht falsche Hoffnung geben, aber auch nicht nehmen. Bestätigen Sie die tiefe Angst, die Patienten erfahren, wenn sie mit Krebs diagnostiziert sind. 3. Die Entscheidungsbefugnis des Patienten unterstreichen: Erläutern Sie Ihre Behandlungsempfehlungen, aber betonen Sie, dass die endgültige Entscheidung beim Patienten ruht. Beschreiben Sie das Behandlungsprogramm realistisch, aber betonen sie Maßnahmen, die Toxizität und Beschwerden zu minimieren. 4. Zeit lassen, um zu entscheiden: Setzen Sie die Patienten nicht unter Druck oder überstürzen sie nicht den Behandlungsbeginn; vermeiden Sie eine Angsttaktik, um den Patienten zu überzeugen, eine konventionelle Behandlung zu akzeptieren. Die Patienten brauchen Zeit, um mit ihrer Diagnose zu Recht zu kommen und eine große Menge an Informationen, bevor Sie sich entscheiden, die Behandlung aufzunehmen. Nehmen Sie sich mehr Zeit für die Patienten, die es brauchen. 5. Eine unterstützende, aber auch realistische Haltung ausstrahlen. Erkennen Sie den Wunsch des Patienten an, alternative Therapien zu verwenden, erklären aber, dass eine Krebserkrankung zu ernst ist, um sie mit alternativen Methoden allein zu behandeln. Untermauern Sie dies mit Ergebnissen von Studien, die herkömmliche Behandlungsprotokolle unterstützen, genauso wie mit denjenigen, die zeigen, dass alternative als primäre Behandlung verwendete Therapien zu Rezidiven und Tod führen. 6. Erläuterungen geben: Erklären Sie, dass Sie einen individuell angepassten Ansatz zur Krebsbehandlung empfehlen. Behandlungsrichtlinien zu Brustkrebs basieren auf wissenschaftlichen Studien, die Erfolg mit bestimmten Tumor typen gezeigt haben. Betonen Sie die Bedeutung mit dementsprechenden Protokollen, da selbst geringe Abweichungen zu schlechteren Ergebnissen führen können. Darüber hinaus sollte der Wunsch nach CAM schon im Erstgespräch angesprochen werden [9]. Literatur 1. Frenkel M. Refusing treatment. The Oncologist 2013, 18: 634–6. 2. Joseph K, Vrouwe S, Kamruzzaman A et al. Outcome analysis of breast cancer patients who declined evidencebased treatment. World J Surg Onc 2012; 10: 118–22. 3. Madjar I, Kacen L, Ariad S et al. Telling their stories, telling our stories: Physicians’ experiences with patients who decide to forgo or stop treatment for cancer. Qual Health Res 2007; 17: 428–41. 4. Beauchamp TL, Childress JF. Principles of Biomedical Ethics. Oxford University Press, 1977. 5. Nahin RL, Dahlhamer JM, Stussman BJ. Health need and the use of alternative medicine among adults who do not use conventional medicine. BMC Health Serv Res 2010;10: 220. 6. Goldberg RJ. Systematic understanding of cancer patients who refuse treatment. Psychother Psychosom 1983;39: 180–9. 7. Moul JW et al. Refusal of cancer therapy in testicular cancer: recognizing and preventing a significant problem. World J Urol 1990; 8: 58–63. 8. van Kleffens T, van Leeuwen E. Physicians’ evaluations of patients‘ decisions to refuse oncological treatment. J Med Ethics 2005; 31: 131–6. 9. Verhoef MJ, Rose MS, White M et al. Declining conventional cancer treatment and using complementary and alternative medicine: a problem or a challenge? Curr Oncol 2008; 15 Suppl 2: s101–6. 10. Hoefert HW. Patienten mit Präferenz für die komplementär-alternative Medizin. In: Hoefert HW Härter M. Schwierige Patienten. Hogrefe Bern, 2013: 83–101. 11. Busato A, Künzi B. Differences in the quality of interpersonal care in complementary and conventional medicine. BMC Complementary and Alternative Medicine 2010; 10: 63–77. 12. Citrin DL, Bloom DL, Grutsch JF et al. Beliefs and perceptions of women with newly diagnosed breast cancer who refused conventional treatment in favor of alternative therapies. Oncologist 2012; 17(5): 607–12. 13. Ward SE, Goldberg N, Miller-McCauley V et al. Patientrelated barriers to management of cancer pain. Pain 1993; 52(3): 319–24. Conferences 35

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