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CONNEXI 2017-02 Schmerz

Schmerzen im Alter Bewegung für den Erhalt der Bewegungssicherheit Dagmar Seeger, Göttingen Schmerz im Alter wird für Therapeuten aus inhaltlicher und praktischer Sicht ein zunehmend attraktiveres Thema, wenn man sich die Zahlen des voraussichtlich demografischen Wandels in Deutschland ansieht. Im Zusammenhang mit der Arbeit in verschiedenen interdisziplinären Arbeitsgruppen wurde der Autorin bewusst, dass Patienten, die seit fünf bis 20 Jahren regelmäßig eine Trainingsgruppe in unserer Einrichtung besuchen, „plötzlich“ in die Altersgruppe „Alter“ gehören. Conferences Entgegen der Eindrücke in einem Krankenhaus, in dem Menschen, die alt werden, häufig auch krank sind, können sich die Patienten der Trainingsgruppe noch recht gut bewegen und im Alltag viel unternehmen. Therapeutin und Patienten wurden miteinander älter und beschäftigen sich nun mit dem Thema Bewegungssicherheit. Hierzu soll dieser Beitrag aus der Beobachtung der Entwicklung dieser Trainingsgruppe einen Beitrag zum Umgang mit Bewegungssicherheit leisten. Regelmäßige Bewegung, rechtzeitig begonnen, kann vermutlich die Bewegungssicherheit im Alter erhalten und Fallneigung, sozialen Rückzug oder Hilfsmittelgebrauch verringern. Patienten der Trainingsgruppe folgen Aktivitäten wie Wandern, Radfahren und Reisen. Definition des Alters Schaut man bei Wikipedia, findet man folgende Definition für das Alter: „Unter dem Alter versteht man den Lebensabschnitt rund um die mittlere Lebenserwartung des Menschen, also das Lebensalter zwischen dem mittleren Erwachsenenalter und dem Tod. Das Altern in diesem Lebensabschnitt ist meist mit einem Nachlassen der Aktivität und einem allgemeinen körperlichen Niedergang (Seneszenz) verbunden.“ [1]. Alterskategorien der WHO • älterer Mensch 60–75 Lj. • alter Mensch 76–90 Lj. • sehr alter/hochbetagter Mensch 91–100 Lj. • langlebiger Mensch >100 Lj. Funktionelle Einteilung des Seniums • unabhängig lebende Senioren (go goes) • hilfsbedürftige Senioren (slow goes) • pflegebedürftige Senioren (no goes) (modifiziert nach [4]) Die Zeitschrift Der Schmerz hat im Jahr 2015 ein Themenheft zum Thema „Schmerz und Alter“ herausgegeben. In einem der Beiträge arbeiteten die 42

Schmerzen im Alter beiden wissenschaftlich tätigen Physiotherapeutinnen Marjan Laekeman und Katrin Kuss „Aktivierende Physiotherapie bei chronischen Schmerzen älterer Patienten“ auf. Dabei lernen wir: Menschen >65 Lj. haben zu 75 % Rücken- und Gelenkschmerzen, Menschen >75 Lj. haben zu 90 % Rücken- und Gelenkschmerzen, und generell sind ältere Menschen zu wenig aktiv [2]. Sucht man Zahlen zum demografischen Wandel, findet man auf der Seite des Bundesamtes für Statistik [3] die wichtigen Zahlen zur Entwicklung der Bevölkerung. So werden sich die Zahlen der Über-80-Jährigen von heute etwa 4,7 Mio. bis zum Jahr 2050 auf etwa 9,8 Mio. verdoppeln. Die Geburtenrate hingegen ist relativ niedrig, und die Experten gehen von einer alternden Gesellschaft in Deutschland aus. Die Risiken im Alter wie Abbau von Bewegungssicherheit, Sturz- und Fallneigung, Abbau von Muskelkraft, verringertes Bremsverhalten der Muskulatur und verlangsamte Reaktionsgeschwindigkeit werden in der Fachliteratur ausgiebig behandelt. Es lohnt sich also bei der zu erwartenden Entwicklung, den Blick nach vorne zu richten und zu schauen, was zur Gesunderhaltung der alternden Gesellschaft erforderlich und möglich ist. Empfehlungen zu Alter und Aktivität Die WHO gibt folgende Empfehlungen [5]: Erwachsene von 18–64 Jahren sollen mindestens 150 Minuten pro Woche moderat-intensive aerobe körperliche Aktivität oder mindestens 75 Minuten pro Woche aerobe körperliche Aktivität höherer Intensität oder entsprechende Kombinationen in Einheiten von mindestens 10 Minuten Dauer durchführen. Für zusätzlichen Nutzen empfiehlt die WHO eine Erhöhung auf 300 bzw. 150 Minuten pro Woche oder entsprechende Kombinationen sowie Dagmar Seeger dseeger@med.uni-goettingen.de zusätzlich an zwei oder mehr Tagen der Woche muskelkräftigende Bewegung. Für Erwachsene ab 65 Jahre gelten dieselben Empfehlungen. Bei geringer Mobilität in dieser Lebensphase werden zusätzlich an mindestens drei Tagen pro Woche Gleichgewichtsübungen und gezielte Maßnahmen zur Sturzprävention empfohlen. Bei gesundheitlichen Einschränkungen empfiehlt die WHO so viel Aktivität wie möglich umzusetzen. In der Sporthochschule Köln [6] wendet man sich der Alters- bzw. Mobilitätsforschung zu. Dort laufen derzeit drei interessante Projekte. Man möchte herausfinden, was getan werden kann, um die alternde Gesellschaft im Alltag gesund zu erhalten bzw. bei Einschränkungen eine Verbesserung dieser zu erzielen. So wird in Alterseinrichtungen, in denen Menschen wohnen, die unsicher beim Treppensteigen wurden, folgendes untersucht: Vor dem Treppensteigen sehen sich diese Bewohner ein Video an, in dem ein Mensch, der Treppe steigt, zu sehen ist. Nach dieser zentralen Voraktivierung fällt es den Bewohnern leichter, die Treppe zu steigen. Das mentale Training wird seit vielen Jahren Conferences 43

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