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CONNEXI 2019-3 Neurologie

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PARKINSON-SYNDROME

PARKINSON-SYNDROME Multiprofessionelle Therapie Georg Ebersbach, Beelitz-Heilstätten Trotz großer Fortschritte bei der Behandlung des Morbus Parkinson mit Medikamenten und tiefer Hirnstimulation sind die therapeutischen Erfolge nicht bei allen Patienten zufriedenstellend. Additiv zur medizinischen Behandlung können „aktivierende Therapien“ die Behandlungsergebnisse verbessern. Mittlerweile liegen zahlreiche wissenschaftlich fundierte Untersuchungen zu verschiedenen Therapie- und Versorgungskonzepten vor. CONFERENCES Im Verlauf der Parkinson-Erkrankung kommt es bei den meisten Betroffenen zu alltagsrelevanten Störungen von für die Lebensqualität wesentlichen Funktionen wie Gleichgewicht, Gehen, Sprechen und Schlucken. Sport und Übungstherapien werden bei der Behandlung pharmakorefraktärer Symptome eingesetzt, spielen aber auch in frühen Krankheitsstadien eine wichtige Rolle als Ergänzung zur medizinischen Therapie. Voraussetzung für einen breiten Zugang zu diesen Interventionen sind geeignete Versorgungsstrukturen und die Information von Betroffenen und Behandlern. Spektrum der aktivierenden Therapien Der Begriff „aktivierende Therapien“ umfasst neben den „klassischen“ Verfahren wie Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und psychologischen Interventionen ein sehr breites Spektrum von Techniken, das zum Beispiel auch sportliches Training, „Cueing“ (Verwendung von Hinweisreizen), Tanzen, Musiktherapie, TaiChi, QuiGong sowie Laufbandtraining und andere gerätegestützte Ansätze beinhaltet. Als Ergänzung zur medizinischen Therapie hat Aktivierende Therapie das Potenzial, dem Betroffenen die Erfahrung zu vermitteln, selbst wirksam gegen die Konsequenzen der Erkrankung aktiv werden zu können. Physiotherapie sollte in der Frühphase der Parkinson-Erkrankung darauf ausgerichtet sein, der zunehmenden Bewegungsverarmung entgegenzuwirken. Nordic Walking und andere sportliche Aktivitäten können hierfür eingesetzt werden. Das Therapieverfahren LSVT-BIG* [1] wurde spezifisch für die Verbesserung der Bewegungsamplituden bei IPS-bedingter Hypokinese entwickelt. In fortge- *Das Behandlungskonzept von LSVT BIG leitet sich vom weltweiten Goldstandard in der Sprechtherapie der Parkinson-Behandlung, dem Lee Silverman Voice Treatment (LSVT LOUD) ab. 54

PARKINSON-SYNDROME schrittenen Stadien des idiopathischen Parkinson Syndroms (IPS) ist Physiotherapie auf Störungen ausgerichtet, die nicht ausreichend durch die Pharmakotherapie beeinflusst werden. Empfehlenswerte Techniken sind z. B. das Training posturaler Reflexe („Schubstraining“) oder das Erlernen von Techniken zur Überwindung von Gangblockaden. Auch in schwersten Krankheitsstadien ist physiotherapeutische Behandlung, z. B. zur Verbesserung von Transfers und Vermeidung von Kontrakturen empfehlenswert. Evidenz für die Wirksamkeit Aktivierender Therapien Korrespondierend mit dem wachsenden öffentlichen Interesse an diesen Therapieformen ist in den letzten Jahren ein deutlicher Anstieg der Zahl von Studien zu verschiedenen Übungstechniken festzustellen [2]. Metaanalysen zeigen für verschiedene Therapiemodalitäten konsistente Effekte, z. B. auf die Verminderung der Sturzfrequenz [3]. Dosis-Wirkungsbeziehungen lassen sich anhand zweier aktueller kontrollierter Studien demonstrieren: Während in einer englischen Studie bei 762 Patienten keine Wirksamkeit niedrigschwelliger Ergo- und Physiotherapie (232 Therapieminuten innerhalb von acht Wochen) auf Lebensqualität und Funktion feststellbar war [4], konnten Schenkman et al. [5] zeigen, dass hochintensives Laufbandtraining bei medikamentös unbehandelten Patienten im Gegensatz zu moderatem Training oder keinem Training zu einer Stabilisierung des UPDRS-motor-score über sechs Monate führt. Die Bedeutung der Dosis wurde auch für LSVT-BIG demonstriert, das bei reduzierter Behandlungsdauer keine konsistente Besserung der globalen klinischen Besserung bewirkt [6]. Basierend auf der derzeit vorliegenden wissenschaftlichen Evidenz wurden in den S3-Leitlinien Empfehlung der S3-Leitlinie „Idiopathisches Parkinson-Syndrom“ der Deutschen Gesellschaft für Neurologie Patienten mit IPS sollen Zugang zu physiotherapeutischer Behandlung haben. Besondere Schwerpunkte der Behandlung sind: • Gangtraining • Verbesserung/Erhalt des Gleichgewichts • Kraft- und Dehnungsübungen • Verbesserung/Erhalt der aeroben Kapazität • Verbesserung/Erhalt der Bewegungsamplituden • Verbesserung/Erhalt der Bewegungsiniti ierung • Verbesserung/Erhalt der Mobilität und Selbst ständigkeit bei Aktivitäten des täglichen Lebens • Training der Bewegungsstrategien • Sturzprävention Empfehlungsstärke A (1++) der DGN-Empfehlungen für die Physiotherapie bei Parkinson formuliert. Multiprofessionelle Versorgungskonzepte und Einsatz neuer Technologien Die Ergebnisse kontrollierter Studien werden durch Untersuchungen zum Einfluss unterschiedlicher Versorgungsmodelle auf die Situation von Menschen mit Parkinson ergänzt. Besonders bemerkenswert sind zwei aktuelle holländische Untersuchungen. In der ParkFit-Studie [7] erhielten Patienten ein strukturiertes Coaching, das Beratung, Bewegungstracking, Beseitigung von Trainingshemmnissen und Selbstkontrolle beinhaltete. Beobachtet wurde eine deutliche Zunahme CONFERENCES 55

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